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Johann Wutzlhofer Johann Wutzlhofer ist gerade online
 
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Mein (modifiziertes) Mail an Frau Thurnher im Anschluss an die Sendung

Werte Frau Thurnher!
Soll eine Moderatorin bzw. ein Moderator in einer Diskussion eine Position beziehen? Auf Details der Diskussion um das wahrscheinlich unterschätzte Thema der Sendung „im Zentrum“ vom 13. Jänner 2008 möchte ich hier nicht eingehen; unterschätzt, weil das Thema in seiner Komplexität in unseren Tagen noch nicht erfasst ist. Als Lehrer stelle ich z. B. eine enorme Fisierung (respekt- bzw. sorgloses Reden; Anm.) der Sexualität fest – wahrscheinlich haben Sie auch hier das Wort „konservativ“ parat, das von Personen, die in den 70er und 80er Jahren sozialisiert wurden, sehr häufig und eher als Killervokabel immer wieder eingesetzt wird. Die Scheinheiligkeit, mit der immer darauf hingewiesen wird, dass Schwangerschaftsunterbrechungen stets wohl überlegt und nach Abwägung aller Möglichkeiten durchgeführt werden, kommt jener Scheiheiligkeit sehr nahe, die man z. B. aus römisch-katholischen Kreisen (denen ich selbst angehöre) zum Thema Sexualität oder zölibatäres Leben hören kann.
Ihre Aufforderung an Frau Hammerl das Schlusswort zu sprechen hat mir gezeigt, welcher Position Sie zum Durchbruch verhelfen wollen. Ich finde, dass ORF-Moderatoren ihre – nicht demokratisch legitimierte – Position immer unreflektierter einsetzen und sehe das zunehmend als demokratiepolitisches Problem. Ihren Kollegen Armin Wolf habe ich in einem anderen Zusammenhang (Anmoderation zur Jägerstätter-Seligsprechung) schon auf dieses Problem hinzuweisen versucht, allerdings konnte ich offensichtlich auch ihm die Komplexität des Sachverhaltes nicht gut genug darlegen (dass ein ORF-Starmoderator diese Komplexität nicht wahrnehmen kann, wäre ja wohl eine Annahme, die sich ein anonymer Bürger aus der Provinz in unserer Mediendemokratur nicht anmaßen sollte).
Zum Thema Kinder bzw. Partnerschaft sage ich Ihnen schon, dass ich die Tätigkeit z. B. einer „Nurhausfrau“ aus meiner Heimatgemeinde, die sechs Kinder geboren hat – ihr Mann war ein Zimmermann, der ein Leben auf Baustellen verbracht hat –, für wichtig halte. Die älteste Tochter dieser „Nurhausfrau“ ist Direktorin einer Privatschule in Wien, ein Sohn ist Arzt in Niederösterreich, eine weitere Tochter ist Ärztin in unserem Ort, ein Sohn ist Techniker, eine Tochter Krankenschwester, eine weitere Tochter Kauffrau. Ich glaube, dass diese Frau und ihr Ehemann für die Zukunft unsere Gesellschaft sehr viel geleistet haben, möglicherweise mehr als alle Anwesenden bei der Diskussion der Sendung „im Zentrum“.
Übrigens: Die Arroganz, mit der Frau Hammerl ihre Position für die absolut richtige hält, ist gar nicht so weit entfernt von jener, mit der die Herrn HC Strache, Westenthaler & Co. ihre Positionen vetreten. Ich glaube nämlich, dass die Position des freiheitlichen Vertreters wenig menschenfreundlich war, allerdings halte ich die Position der Frau Hammerl für nicht schöpfungsgerecht und daher auch nicht für nachhaltig. Der „Klassenkampf“ zwischen Frau und Mann, der von den Unternehmen natürlich auch als Lohndruckmethode eingesetzt wird, kann möglicherweise auf kurze Sicht hohen Wohlstand sichern, ist jedoch beziehungs- und zukunftsfeindlich. Sowohl das Prinzip des Klassenkampfes als auch das Prinzip der Gewinnmaximierung als Selbstzweck kann nicht so viel Zukunft sichern, wie dies durch das biedere Ehepaar aus meiner Heimatgemeinde – unter viel Verzicht auf eigene Vorteile – geschehen ist.
Mit freundlichen Grüßen
Johann Wutzlhofer
7212 Forchtenstein
johann.wutzlhofer@lehrer-bgld.at

Geändert von Rudolf Mitlöhner ( um 10:58 Uhr).