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Ist die Entfesselung des Volkes gegen eine allzu starke Tradition möglich?

Nun, werter Herr Friedrich, die Entfesselung des Volkes durch die Zivilgesellschaft ist tatsächlich ein frommer Wunsch. Ein derartiger Aufbruch wäre über eine tatsächliche Notsituation vielleicht möglich, aber selbst in einer solchen fürchte ich, dass wir Österreicher dazu einen „Führer“ brauchen. Es bietet sichzur Führung des sogenannten „kleinen Mannes“ - ich selbst messe übrigens auch „nur“ 1,78 m - schon einiges an. Jedenfalls werden Stimmenzuwächse für Parteien und Personen vorausgesagt, die wieder einmal uraltes, gar übel riechendes, Zeug in neuen Gewändern offerieren.
Nach dem Kaiser und dem Führer hat sich in Österreich über die Proporzbesetzungen bzw. den Proporz als Grundhaltung, in den Ländern und im Bund eine sehr breite Funktionärsschicht durch die Parteien selbst, sowie über Kammern und Gewerkschaften herausgebildet. Mehr als ein Jahrzehntkonnten wir uns auf einen „Sonnenkönig“ verlassen, der uns mit sonorer Stimme ein Gefühl der Sicherheit vermittelte, dieses so angenehme Gefühl wurde durch Ausschüttung vieler Wohltaten aus den jeweiligen Budgets gestützt und bestätigt. Wir Bürgerinnen und Bürger mussten uns ausschließlich um unsere sehr persönlichen Angelegenheit sorgen, in den öffentlichen Angelegenheiten wurden wir von „professionellen“ Funktionären umsorgt. Das „System der Umsorgung“ funktionierte in der kleinen 84.000 km² - Welt zu unserer aller Zufriedenheit, sieht man von den Alltagsklagen ab, die bei uns „ganz einfach dazu gehören um dazuzugehören“. Das böse Erwachen wurde eingeläutet durch den Beitritt zur Europäischen Union, zu dem wir angeblich durch einen sogenannten „Ederer-1000er“ und durch das Versprechen ohne Grenzaufenthalte reisen zu dürfen, „verführt wurden“.

Nun aber stellen wir fest, nicht nur wir dürfen reisen, sondern auch unsere Nachbarn und nicht nur diese. Der Wegfall des längst dahinrostenden „Eisernen Vorhangs“ (Nur wenige – wie z.B. Dr. Busek - haben den Rost gesehen?)hat uns von einer politischen Rand- bzw. Pufferlage in die Mitte eines völlig neuen Europas – also eine völlig neue geopolitische Situation - gebracht. Dass die Globalisierung durch die immer schneller werdenden Verkehrs- und Kommunikationsmittel mit den neuen Informationstechnologien einen gewaltigen Schub erhielt, der auch einen Schubumkehr in der wirtschaftlichen Entwicklung von den Industrie- zu den Schwellenländern ausgelöst hat, haben offensichtlich im vollen Umfang die Wirtschaftskapitäne rechtzeitig erkannt, verstanden und mit ihren Mitteln auch nutzen können. Wenn nun auch Chinesen, Inder und viele andere Menschen auf dieser Welt darangehen ähnlich viele Rohstoffe zu verbrauchen wie wir es schon die längste Zeit tun, dann ist dies natürlich eine „riesige Schweinerei die es zu verhindern gilt“. Allerdings. Werden das die vielen Funktionäre in den Parteien, den Kammern….. auch können? Meine Annahme: Sie werden es nicht können, nicht einmal mit Hilfe der Kronenzeitung, diese hat zwar die weltweit größte Verbreitung, dies gilt allerdings nur für deren Verbreitungsdichte in Österreich.

Es gibt allerdings Szenarien die Anlass zur Hoffnung geben. Ich vermute, wir werden ein wenig teilen müssen (Papst Johannes Paul II: „Arbeiten an der Werkbank Gottes“) und durch die Verteuerung der Rohstoffe vielleicht doch wieder reparieren lernen, was möglicherweise mehr Arbeitsplätze in den KFZ-Werkstätten bringt als die automatisierte computergesteuerte Produktion von Neuwagen für den Wechsel vom „Alt“auto zum „nagelneuen“ PKW im Fünf- oder gar Zweijahresrhythmus.Dazu braucht es jedoch eine Entlastung des Produktionsfaktors Arbeit von Sozialkosten in Richtung des sehr sprunghaft bzw. übermütig gewordenem Produktionsfaktors Kapital, da die Manöveriermöglichkeit beim Produktionsfaktor Natur bzw. Rohstoff nun einmal sehr begrenzt ist. Vielleicht kann sich dann auch einmal der ärmste aller Kontinente – Afrika – erholen, sollten die waffenstrotzenden Kriegstreiber des uralten und des neuen Kontinents, die allesamt im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sitzen, endlich die Ausbeutung der ärmsten der Armen um deren Rohstoffe beenden.

Mit freundlichen Grüßen aus dem Burgenland
Johann Wutzlhofer Forchtenstein, Bgld.
BS-Lehrer für Politische Bildung BWU
johann.wutzlhofer@lehrer-bgld.at