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Ungelesen , 15:25
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Ach ja, Ihr „Kulturbegriff“ …

Gratulation zu Ihrem Leitartikel, lässt dieser doch keinen Zweifel darüber aufkommen, dass hier einer als Lautsprecher für „gute“ Menschen, also für solche, die der political correctness huldigen, agiert.
Unschwer erkennt man auch, nicht nur aufgrund des Inhalts, sondern vor allem hinsichtlich der Methode, welcher Sie sich in Ihrem Beitrag bedienen, dass Sie sich „differenziert“ Problemen unserer Zeit anzunähern wissen.
Zunächst erachten Sie es für wichtig, mit einigen Worten (ob in ironischer Art oder nicht) unsere Kultur zu charakterisieren. Ihrem Verständnis nach erschöpft sich diese in den Salzburger und Bregenzer Festspielen sowie weiteren „Events“; ach ja, im weiteren Verlauf Ihres Artikels finden Sie auch noch Lederhose, Apfelstrudel und Kasnudeln erwähnenswert. Dieser doch etwas eingegrenzte „Kulturbegriff“ dient Ihnen dazu, um in der Folge Ihre „Argumentation“ treffsicher zu steuern.
Doch ist es nicht so, dass man im Allgemeinen unter Kultur die Gesamtheit der Lebensäußerungen eines bestimmten Volkes versteht?
Weiters wäre im Zusammenhang mit Ihrem Artikel darauf hinzuweisen, dass sexuelle Befreiung und Gleichstellung der Frau auch zentrale Themen der 68er-Bewegung waren. Sollte dies zutreffen, so handelt es sich bei den von Ihnen angesprochenen Delikten (Ehrenmorde, Genitalverstümmelungen, Zwangsverheiratungen) sehr wohl um kulturell bedingte, da diese heutzutage in unserem Kulturkreis nicht beheimatet sind.
Aus Unkenntnis oder Kalkül, beides nicht gerade Kennzeichen eines seriösen Journalismus, werden von Ihnen die Vereinigten Staaten von Amerika, die sich als „Staatsnation“ verstehen, als positives Beispiel gegenüber Österreich angeführt. Um derartiges kund zu tun, muss man allerdings die unterschiedlichen historischen Bedingungen der Entwicklung der USA und der europäischen Völker gänzlich ausblenden.
Die USA waren und sind ein Einwanderungsland (heute gelten dort allerdings sehr strenge Bestimmungen). Die autochthone Bevölkerung (Indianer) und deren Kultur wurden jedoch durch die Einwanderung bzw. Eroberung vernichtet.
Eine Nation bzw. ein Staat wird nicht durch jene gebildet, deren Gemeinsamkeit sich auf den Besitz eines entsprechenden Reisepasses beschränkt, sondern durch Menschen, die durch gemeinsame Sprache, Sitten und Gebräuche und Historie verbunden sind.
Im übrigen werde ich mich bei meinem Urlaub in Kärnten nicht nur an der schönen Landschaft, den freundlichen Menschen und an der modernen Kunst, die in der K08 präsentiert wird, erfreuen, sondern sicherlich auch die guten Kasnudeln genießen.
Siegfried Schmidt
s.sch1@hotmail.com