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14/2008 - Schlechter Ratgeber Angst (Otto Friedrich)
  #1  
Ungelesen , 15:48
Schlechter Ratgeber Angst

Anmerkungen zu fünf aktuellen Aufregern im Verhältnis zum Islam.

Von Otto Friedrich

Aufreger 1: Der holländi*sche Populist Geert Wilders hat den Film „Fitna“, der Koranzitate und Gewalttaten bzw. -aufrufe von Muslimen unreflektiert in Verbindung bringt, wieder ins Internet gebracht. Drei Tage war das Video nicht zu sehen, weil Angestellte des Internetportal-Betreibers bedroht worden waren. Nun aber kann sich die Welt die filmische Beschimpfung „Islam = Gewalt“ wieder herunterladen. Ein Sieg der Redefreiheit?! Ein Sieg des Rechts auf Demagogie.

Aufreger 2: Magdi Cristiano Allam, der vom Papst in der Osternacht im Petersdom getaufte ehemalige Muslim, kritisiert – nach seiner Taufe – den Islam öffentlich als Religion der Intoleranz. Rom wiegelt ab: Das sei die Privatmeinung des prominenten Journalisten. Ein diplomatisches Fiasko für den Vatikan, der ja signalisiert hat, mit Muslimen ins Gespräch kommen zu wollen.

Aufreger 3: Die Theaterfassung von Salman Rushdies „Satani*schen Versen“ wird in Potsdam uraufgeführt. Ayatollah Kho*-meinis Fatwa hatte Rushdie jahrelang mit dem Tod bedroht. Diesmal: verhaltener Protest von muslimischer Seite.

Aufreger 4: Ein Statistiker des Vati*kans will errechnet haben, dass die Zahl der Muslime weltweit jene der Katholi*ken überflügelt hat. Der Monsignore, so die Vaticanisti, wollte aufmerk*sam machen, wie sehr der Kinderreichtum der Muslime die Katholi*kenzahl bedrohe (Seite 7 dieser Furche).
Die Häufung geschilderter Aufreger in den letzten Tagen gibt zu denken. Optimisten könnten zwar darauf verweisen, dass die Auseinandersetzungen sich doch auf eine zivilisierte Ebene verlagert hätten: Stimmt, wenn man denkt, welchen hysterischen Anfeindungen Rushdie Anfang der neunziger Jahre ausgesetzt war. Aber die Erfahrung der Aufregung um die dänischen Mohammed-Karikaturen, die erst Monate nach deren Erscheinen ausbrach, zeigt: Gerade im Fall des Anti-Islam-Pamphlets von Geert Wilders kann noch nicht abgeschätzt werden, wie und ob da die Proteste in der islamischen Welt eskalieren.

Mag ja sein, dass der Film von Geert Wilders nur einen Manichäismus, wie ihn etwa auch Osama Bin Laden in seinen Botschaften verbreitet, kopiert: Die Strategie dahinter ist aber defensiv, reagierend – so ist den Konflikten nicht beizukommen.
Man kann diese Diagnose auch auf die anderen zitierten Aufreger anwenden: Die Angst, dass „der“ Islam mehr Kinder gebiert als – das katholische – Europa, ist kein guter Ratgeber. Und ob der Äußerungen des italienischen Konvertiten nach seiner Taufe durch den Papst fragt man sich schon: Welch Aufheulen würde durch den europäischen Blätterwald gehen, würde in einem islamischen Land ein Christ zum Islam übertreten und dies mit scharfer Kritik am Christentum paaren?
Die Rede- und Meinungsfreiheit ist ein unaufgebbares Gut. Aber das Pochen auf die*se Freiheiten ist etwas anderes, als mit dem jeweiligen Gegner in den beschriebenen Auseinandersetzungen ins Gespräch zu treten. Erst ehrliche Versuche in diese Richtung wären keine bloße Defensive, die den derzeitigen Welt-Streit so durchdringt.

Übrigens: Auch die Religionsfreiheit ist unteilbar. Das wäre beim Aufreger 5, von dem hier noch die Rede sein soll, der „Minarett-Debatte“, besonders klarzustellen. Es gibt kein Argument, den Muslimen im Lande den Bau von Moscheen an sich zu untersagen. Im Gegenteil: Versammlungs- und Symbolorte der eigenen Religion zu haben, ist ein Menschenrecht. Die teilweise inferiore Lage von Christen in islamischen Ländern kann da kein Argument sein, hierzulande den Muslimen Gebetshäuser zu verbieten. (Im Gespräch mit Muslimen muss die Sorge der Christen um ihre bedrohten Glaubensgeschwister auf der Agenda bleiben, aber doch nicht als Druckmittel beim Minarettbau!)

Nochmals: Angst ist der denkbar schlechteste Ratgeber – gerade im Zusammenleben von Religionen und Kulturen. Dass der Wiener Kardinal in der Minarettdebatte genau in Richtung der Religionsfreiheit argumentiert, ist ihm anzurechnen. Schade, dass viele – darunter auch einige Brüder im Bischofsamt – dem nicht gefolgt sind. Wenn die Christen im Lande sich ihrer Sache sicher wären, hätten sie nichts gegen Minarette. Ein weiterer Fingerzeig, dass hier Angst die Argumente diktiert.
  #2  
Ungelesen , 18:20
Franz Graf-Stuhlhofer Franz Graf-Stuhlhofer ist gerade online
 
Registriert seit: 28.01.2008
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Der Islam hat ein Naheverhältnis zur Gewalt

Otto Friedrich spricht sich für einen sachlichen Dialog mit dem Islam aus; er will dem Islam also grundsätzlich positiv begegnen. Umso bemerkenswerter ist, welche beunruhigenden Indizien er zusammenstellt:
• Der den Koran mit Gewalt in Verbindung bringende Film „Fitna“ war aus dem Internet genommen worden, weil Angestellte des Internetportal-Betreibers bedroht worden waren. (D. h. weil Moslems meinen, dass der Islam mit Gewalt nichts zu tun habe, der Film daher irreführend sei, drohen sie Angestellten damit, ihnen Gewalt anzutun??)
• Der von Millionen Moslems verehrte Khomeini hatte dazu aufgefordert, Salman Rushdie zu ermorden, weshalb dieser seither versteckt leben muss.
• Nach dem Erscheinen der dänischen Muhammad-Karikaturen gab es in der moslemischen Welt gewalttätige Proteste.
• Die Lage der Christen in islamischen Ländern ist „teilweise inferior“ (ergänzen möchte ich hier noch: die Lage von zum Christentum Bekehrten mit moslemischem Hintergrund ist lebensgefährlich!).
Diese Neigung zur Gewalt findet sich nicht bloß bei einigen Extremisten. Andererseits sollte nie pauschaliert werden, als ob alle oder die meisten Moslems eine solche Neigung hätten.
Franz Graf-Stuhlhofer
www.graf-stuhlhofer.at
  #3  
Ungelesen , 18:07
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Europa, grüß Gott …

„Wenn die Christen im Lande sich ihrer Sache sicher wären, hätten sie nichts gegen Minarette.“ Diesem Ihrem Satz kann man beipflichten – allerdings: wie lange noch? So wie die FURCHE in den letzten zwanzig Jahren weniger christlich wurde, ist auch die Anzahl der Christen in Europa gesunken. Die tatsächlich gläubigen und praktizierenden Christen sind im einzigen säkularisierten Erdteil der Welt, Europa, zu einer einstelligen Prozentzahl der Kirchenangehörigen (nicht der Gesamtbevölkerung) geschrumpft.
Europa hat seine (christlichen) Werte verdrängt, verharmlost, vergessen, lächerlich gemacht, ja gar verhöhnt. Nun dräut Gefahr aus anderen Kontinenten („ex oriente lux“), der gelernte Europäer ist misstrauisch, bekommt Angst. Es geht aber kein „Aufheulen durch den europäischen Blätterwald“, wenn im EU-Beitrittsland Türkei Priester, christliche Journalisten meuchlings ermordet werden und/oder Christen in aller Welt ihres Bekenntnisses wegen in Gefängnissen schmachten. Ein Moslem, der aus solchen Ländern kommt, seine ihm vermittelten Werte vertritt, scheint für den Europäer gefährlich, rückständig, nicht integrationsfähig, ungebildet, nicht säkularisiert zu sein.
Jede Moschee, jedes Minarett kann als Teil der aufzuschüttenden Rampe zur Eroberung der Masada-gleichen Festung Europa gesehen werden – Masada, das den letzten dorthin geflüchteten Zeloten einst als uneinnehmbar galt. Ausgeklügelte Strategie und List der Römer besiegelten den Untergang der Festung samt Besatzung.
Die „Todessehnsucht“ Europas zeigt sich im Kleinen auch in der Rednerliste der mit öffentlichen Mitteln geförderten Vortragsreihe „Der Islam in Österreich und in Europa“ an der Grazer Universität. Der überweigende Teil der Redner kommt aus den Reihen der islamistischen Muslimbruderschaft, die laut Deutschem Verfassungsschutz eine „ausschließlich an Koran und Sunna orierntierte Staatsordnung“ plant …
Europa, grüß Gott, und besinne dich deiner ehemaligen Werte. Sonst erleidest du womöglich das Schicksal Masadas.
Gerhard Sulz
Generalmajor
3701 Großweikersdorf
  #4  
Ungelesen , 11:02
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Warum eigentlich kein Druckmittel?

Ich folge Ihnen weitgehend in den Argumentationen Ihres Leitartikels. Trotzdem: Ich zitiere daraus: „(Im Gespräch mit Muslimen muss die Sorge der Christen um ihre bedrohten Glaubensgeschwister auf der Agenda bleiben, aber doch nicht als Druckmittel beim Minarettbau!)“ Und warum nicht? Es stünde den europäischen muslimischen Gesellschaften nicht schlecht an, wiederholt hörbare und glaubwürdige Initiativen für die Glaubensfreiheit christlicher und anderer Minderheiten in islamischen Ländern zu setzen! Das könnte auch dem Bild disparater islami(sti)scher Aggressivität und Wehleidigkeit entgegenwirken.
Dr. Walter Küng
6900 Bregenz, Ehreguta-Platz 3
wkueng@aon.at
  #5  
Ungelesen , 11:30
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Vorauseilende Feigheit

Wenn man so wie Sie schon vorsorgend einknickt, wie es Henryk M. Broder nennt, hat man auch die Hose voll.
Ich will so leben, wie es vor der Ermordung Theo van Goghs war, vor der Vertreibung von niederländischen Abgeordneten, bevor primitive Grünzeughändler das Heft in die Hand nehmen.
Wenn Sie nicht im Stande sind, die Frechheit religiöser Häuptlinge zu attackieren, dann machen Sie Ihr Blatt nur für vorsorgliche Feiglinge. Ich lasse mir meinen Lebensstil durch Ihre vorauseilende Feigheit nicht ruinieren. Sie sollten lieber die Faschismusaffinität jeder Religion betrachten und bewerten, da wird wahrscheinlich allerhand politisch Inkorrektes zutage treten – aber es wird tröstlicher sein als Ihr frommer irenischer Schmarrn.
Ernst Güntschl
guentschl@wibs.at
  #6  
Ungelesen , 11:41
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Aufheulen im „europäischen Blätterwald“?

Aufreger 1, 3, 4 und 5 sind mir nicht verborgen geblieben als Abonnent von „Kurier“, „Tiroler Tageszeitung“ und FURCHE und Internetleser von „Standard“ und „Presse“. Aufreger 2 hingegen habe ich erst bei Ihnen gelesen und sofort im Internet nachrecherchiert. Also bin ich auch darüber nun teilweise informiert.
Aber: Welche Zeitungen des von Ihnen angesprochenen „europäischen Blätterwaldes“ meinen Sie, die beim Übertritt eines Christen zum Islam, wenn dieser auch noch das Christentum kritisierte, aufheulen würden? Sind Sie sich so sicher, dass der „europäische Blätterwald“ davon die von Ihnen erwartete Notiz nehmen würde? Und wenn ja, glauben Sie nicht, dass man darauf vertrauen könnte, dass sich Journalisten, die sich zutreffendenfalls dieses Themas annehmen würden, mit dieser Kritik sachbezogener und emotionsloser auseinandersetzen würden als wir es von der „Gegenseite“ laufend geboten bekommen?
Peter Schallhart
peter.schallhart@chello.at

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  23:35:51 07.16.2005