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37/2016 - Halb ernste Medienpolitik (Otto Friedrich)
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Ungelesen , 10:53
Halb ernste Medienpolitik

Wieder einmal findet eine Debatte über eine adäquate Medienförderung – und eine Enquete des Medienministers – statt, die den Qualitätsjournalismus im Blick hat.

| Von Otto Friedrich


Ein Stehsatz des demokratischen Diskurses lautet: Eine freie Gesellschaft kann ohne freie Medien nicht sein. Doch auch in den – noch? – offenen Gesellschaften ist diese Freiheit längst in Gefahr. Die Entwicklungen der Online-Welt tragen hier ihren Teil dazu bei: Information ist quasi unendlich verfügbar. Dass dabei die Arbeit derer, die versuchen, die Informationen zu ordnen und jedenfalls nicht den Interessenslagen politischer und/oder wirtschaftlicher Player nachzugeben, schwieriger wird, scheint evident: Journalisten, deren Profession genau diese Ordnungs- und Aufdeckungsfunktion im Wust der herumschwirrenden Datenmengen ist, haben es schwerer, sich zu behaupten. Die großen Internet-Player ersetzen sie durch Algorithmen, also Formeln, die Informationen nach mathematischen Kriterien verteilen – und jedem User sein angeblich auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Stück vom Informationskuchen zukommen lassen, auf dass er kaufe und denke, was sich die Werbekunden der Internet-Giganten jeweils wünschen.
Wenn also ein Rechner genügt, wozu braucht man dann noch Menschen? Der Beruf des Journalisten ist in seine existenziellste Krise geraten. Das hat auch damit zu tun, dass herkömmliche Geschäftsmodelle, die den Journalisten Arbeitsplätze und den Mediennutzern Qualitätsinformation versprachen, ins Trudeln geraten sind.

Löbliche Wortspende, unrealistische Erwartungen

Weil die Gesellschaft ihre (Qualitäts-)Journalisten braucht, muss sie sich Konzepte überlegen, dass es diese auch tatsächlich gibt. In Österreich hat dazu wieder eine Diskussion über die Presseförderung begonnen. Sowohl Medienminister Thomas Drozda (SP) als auch Staatssekretär Harald Mahrer (VP) bekundeten ihren Willen, die Förderung auf neue Beine zu stellen und an der Qualität des Journalismus auszurichten.
Die Wortspenden waren löblich. Aber unrealistisch, wie der gelernte Österreicher weiß. Das zeigte sich gleich nach den Wortmeldungen der beiden Politiker, als der Boulevard – von der Krone bis zu Österreich – aufheulte mit dem Tenor: die notorisch defizitären, also wirtschaftlich unfähigen Zeitungen wollten dem hehren Boulevard das Wasser abgraben.
Man darf da schon erinnern, wer in Österreich tatsächlich eine substanzielle Presseförderung erhält: eben jener Boulevard. Als in den 1970er Jahren die Trafiken am Sonntag nicht mehr öffneten, besänftigte die Regierung Kreisky den darob schäumenden Boulevard (vor allem die Krone) mit „Presseförderung“, die im Prinzip die Sonntagszeitungen, die fürderhin zur Quasi-Gratisentnahme herumhingen, finanzierte. Diese weltweit einzigartige Konstellation hat sich bis heute nicht geändert.

Auch der Boulevard hängt am Tropf der öffentlichen Hand

In den letzten Jahrzehnten kamen dann noch die Inserate der öffentlichen Hand dazu, die gleichfalls eine Subventionierung der Zeitungen darstellen. Auch dabei ist der Boulevard der Hauptnutznießer, und seitdem die Gratiszeitung Heute sowie das Mehroderwenigergratisblatt Österreich aufliegen, verschärft sich die Lage weiter.
Natürlich profitieren auch die Qualitätsmedien von diesen öffentlichen Füllhörnern. Aber der angeblich wirtschaftlich so erfolgreiche Boulevard hängt genauso am öffentlichen Tropf wie die ächzende Qualitätspresse.
Als gelernter Österreicher weiß man auch, dass sich das nicht wirklich ändern wird. Man wird sehen, wer aller im Land Wolfgang Fellner hofieren wird, wenn der in Kürze den Tiefpunkt des heimischen Journalismus namens Österreich feiert: Zehn Jahre ist diese journalistische Bigotterie nun schon zu ertragen.
Für kommenden Montag hat Drozda zu einer Enquete geladen. Journalisten und Medienexperten werden dort einmal mehr eine völlig neue Medienförderung beschwören. Neben Zeitungsverleger-Präsident Thomas Kralinger (Kurier) wird dort nur ein relevanter Medienmacher sprechen: Eva Dichand, die Chefin von Heute. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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