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27/2018 - „Happiness ist mehr als Glück“
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Alt , 07:30
„Happiness ist mehr als Glück“

Zwei Frauen haben sich als „Glücksministerinnen“ Österreichs ehrgeizige Ziele gesetzt: Den Menschen ein Aufblühen zu ermöglichen. Ein Gespräch über Glückstees und Wege zu echter Zufriedenheit.


| Das Gespräch führte Doris Neubauer

Im Königreich Bhutan gibt es eine offizielle Position dafür; Deutschland hat seit 2012 ein gleichnamiges Kunstprojekt – jetzt wurde auch in *Österreich ein „Ministerium für Happiness” gegründet. Dort sitzen mit Ruth Langer und Marie Fröhlich gleich zwei Glücksministerinnen. Ein Interview mit Marie Fröhlich.

DIE FURCHE: Liebe Frau Glücksministerin … ist das die richtige Anrede?
Marie Fröhlich: Glücksministerin stimmt schon, Happiness-Ministerin ist zu schwer auszusprechen. Uns geht es darum, Bewusstsein zu schaffen und Menschen Werkzeuge zu geben, mit denen sie sich „empowern“ können. Wir möchten ihnen zeigen, dass sie es selbst ein Stück weit in der Hand haben, für mehr Zufriedenheit und Wohlbefinden in unterschiedlichen Lebenskontexten zu sorgen. Von der Schule über den Arbeitsplatz – generell sind wir für alle da, die etwas für sich und ihr Glück tun möchten.
DIE FURCHE: Woher kommt diese Faszination fürs Glück?
Fröhlich: Wir kommen beide aus dem Trainingskontext. Ruth Langer hat Erfahrungen im Train-the-Trainer-Bereich, ich im betrieblichen Gesundheitsmanagement. In beiden Gebieten haben wir uns mit den Belastungen der Menschen an ihren Arbeitsplätzen beschäftigt und nach etwas gesucht, womit man diese mildern kann. Unabhängig voneinander sind wir der „Positiven Psychologie“ von Martin Seligman begegnet und haben uns entschieden, den Lehrgang zu besuchen.
DIE FURCHE: Was ist das Besondere an dieser wissenschaftlichen Lehre?
Fröhlich: Das PERMA-Modell ist die Basis für unsere Arbeit. P steht für positive Emotionen, E für Engagement, R für Relationship, M für Meaning und dem einen Sinn geben, was man tut, A für Achievement. Das sind die Schlüsselfaktoren, die Seligman als Basis für den neuen Wissenschaftszweig definiert hat. Mittlerweile gibt es wissenschaftliche Belege, wie diese fünf Faktoren das Aufblühen eines Menschen und das Gelingen des Lebens ermöglichen. Eines der großen Themen ist, seine eigenen Stärken einzubringen. Das ist so viel effizienter und macht mehr Freude, als dauernd Schwächen ausgleichen zu müssen. Das PERMA-Modell hilft uns in unserer Arbeit und hat zur Idee geführt, gemeinsam das Unternehmen „Ministerium für Happiness“ zu gründen.
DIE FURCHE: Warum Happiness statt Glück?
Fröhlich: Happiness hat für uns mehr Facetten als Glück. Seligman hat als Zentrum der Forschung zwei Elemente definiert, das Werte- und das Wohlfühlglück. Letzteres sind kurze Erlebnisse wie ein warmer Tee im Winter. Werteglück hingegen ist das, was tiefer geht: Dankbarkeit, Beziehungen, Sinn ... Beides zusammen ist mehr als Glück.
In Happiness ist dieses Mehr enthalten.
DIE FURCHE: In Deutschland gibt es schon seit 2012 das „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“.
Fröhlich: Wir bewundern, was Gina Schöler als Vorreiterin mit der Idee des Ministeriums gemacht hat. Unser Ziel ist dasselbe: Bewusstseinsbildung und aktiv etwas fürs Leben und Wohlbefinden der Menschen zu tun. Wir freuen uns, wenn es künftig Möglichkeiten der grenzübergreifenden Zusammenarbeit gibt. Noch ist das Pflänzchen allerdings zu jung, schließlich sind wir erst am 20. März auf den Markt gekommen.
DIE FURCHE: Immer wieder wird das Modell des „Bruttonationalglücks“ des Königreichs Bhutan ins Spiel gebracht. Braucht es diese Messung auch in Österreich?
Fröhlich: Bhutan hat natürlich andere Bausteine, anhand derer das Bruttonationalglück gemessen wird: Zugang zu Schulbildung, Essen, die Gemeinsamkeit steht im Vordergrund, weil die Dörfer so weit voneinander entfernt sind. Die Inhalte sind also mit einem Land wie Österreich nicht zu vergleichen. Wir leben in einem der sichersten und reichsten Länder der Welt. Trotzdem begrüßen wir eine solche Messung. Sie ist eine Ist-Analyse, mit der man gut arbeiten kann. Man kann prüfen, ob man auf einem guten Weg ist, seine Ziele zu erreichen und unterstützend eingreifen.
DIE FURCHE: Betrachtet man den World-Happiness-Report sieht es in Sachen Glück für Österreich allerdings düster aus: Vor ein paar Jahren lagen wir auf Platz 8, heute sind wir auf Rang 12 abgefallen.
Fröhlich: Für uns ist die politische Entwicklung in Österreich eine Erklärung. Im Moment führt diese vom Sozialstaat weg, in dem wir gelebt haben. Da kommen Ängste hoch. Auf anderen Seite sehen wir immer stärkeres Stressempfinden: Die Arbeitsbedingungen werden schlechter, und die Abgrenzung zwischen Beruf und Freizeit fehlt. Darüber hinaus werden wir immer stärker mit negativen Informationen konfrontiert. Wenn ein Österreicher im Sport den 2. Platz belegt, gibt es kein „Hurra“ in den Medien, sondern es wird geschrieben, er habe den „1. Platz verpasst“. Die Menschen merken nicht mehr, wie stark solche negativen Formulierungen ihr Denken beeinflussen. Hier muss man schon bei Kindern und Jugendlichen sowie deren Umgang mit Medien ansetzen.
DIE FURCHE: Apropos: Ihr habt ein spezielles Glücksprogramm für Schulen entwickelt. Wie sieht das aus?
Fröhlich: Die Schule ist neben Stress und Burnout am Arbeitsplatz unser zweiter Schwerpunkt. Im Programm „PERMA for kids“ möchten wir wieder die Begeisterung fürs Lernen wecken und das Modell so anwenden, dass die Potenziale der Kinder gefördert werden, sie innovativer und kreativer werden. Als Folge entsteht Selbstbewusstsein und durch eigene Erfolgserlebnisse gestärkt, fällt das Lernen leichter. Das Ganze ist bereits in der Praxis erprobt: Wir arbeiten beide als ehrenamtliche Lernhelfer bei der „Wiener Lerntafel“, wo vor allem Kinder mit Migrationshintergrund Nachhilfeunterricht bekommen. In diesem Zusammenhang haben wir PERMA-Trainings für die Lernhelfer durchgeführt.
DIE FURCHE: Mittlerweile hat man den Eindruck, dass man Glück nicht nur lernen kann, sondern „muss“.
Fröhlich: Wir empfinden diesen Zwang nicht. Wenn „Sonnentor“ einen neuen Glückstee auf den Markt bringt, finde ich das eher lustig. Aber es stimmt, es gibt den Druck. Deshalb ist es wichtig, dafür zu sensibilisieren, was Glück ist und mit Halbwahrheiten aufzuräumen. Hier kommen wieder Wohlfühl- und Werteglück ins Spiel. Dass das Streben nach materiellen Gütern sicher nicht glücklich macht, sofern alle Grundbedürfnisse abgedeckt sind. Dass Geben glücklicher macht, als ständig Neues zu kaufen. Dass die Menschen viel zu viel in Zukunft oder Vergangenheit denken und das Hier und Jetzt aus den Augen verlieren.
DIE FURCHE: Was wären denn Ihre drei großen Glückstipps?
Fröhlich: Positive Emotionen leben steht weit oben. Wir sind beide auch als Humorberaterinnen tätig, und Lachen ist eine wichtige Aktivität. Nicht immer den Fokus auf das zu legen, was nicht passt, sondern so viele positive Emotionen wie möglich bewusst zu erleben und mitzugestalten. Ruth nennt es: dafür zu sorgen, dass es dir persönlich am besten geht. Dieser gesunde Egoismus ist entscheidend. Dazu gehört auch ein gutes Beziehungsnetzwerk, das gepflegt werden muss. Für uns zählt außerdem dazu, sich Ziele zu setzen, für die wir brennen – beruflich wie privat. Um Martin Seligman zu zitieren: „Etwas, das größer ist, als du selbst.“
DIE FURCHE: Was bedeutet für Sie Glück?
Fröhlich: So vieles. Das größte Glück ist derzeit, dass das Ministerium pünktlich an den Start gehen konnte. Wir arbeiten seit August daran, und die Zeit war arbeitsintensiv. Mit dem Ministerium haben wir uns unser persönliches Glück erfüllt. Unsere große Vision: In Österreich das Leben ein bisschen schöner zu gestalten.

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