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47/2007 - Beredtes Schweigen (Otto Friedrich)
  #1  
Ungelesen , 12:57
Beredtes Schweigen

Gegen die herrschende, auch durch Gesetze verordnete Entsolidarisierung im Land ist die klare, wenn nötig: undiplomatische Parteinahme der katholischen Bischöfe zu fordern.
Von Otto Friedrich

Nur die gelebte Religionsfreiheit und die zuerst im Vertrauen gereichte Hand werden auf Dauer überzeugen.“ Und: „Es gibt keine Alternative zu Gespräch und verstehender Nachbarschaft.“ Solche Worte finden sich in dem bemerkenswerten Dokument „ChristInnen und MuslimInnen“, das die evangelisch-lutherische Synode Ende Oktober beschlossen hat. Österreichs evangelische Kirchenleitung hat sich der Mühe unterzogen, das Verhältnis zu den Muslimen und die Aufgaben für Christen dabei zu reflektieren: So benennt das Dokument klar, dass die wachsende Zahl von Muslimen in Österreich auch „eine religiöse Herausforderung“ für die Christen ist. Die lutherische Synode stellt sich aber voll und ganz hinter den „biblischen Auftrag, die Fremden zu lieben“, und dieser habe „nichts mit naiver Blauäugigkeit zu tun“. Eindeutig auch eine weitere Positionierung: Die Forderung, dass islamische Länder „mit ChristInnen ebenso umgehen müssen“, sei zwar berechtigt, könne jedoch „keine Bedingung für unser Verhalten als ChristInnen und EuropäerInnen sein“. Beherzte Aussagen, angebracht nach den Diskussionen der letzten Wochen und ein Hinweis auf die unabdingbare Notwendigkeit, dass die Religiösen im Lande in ein konstruktives Gespräch eintreten müssen. Klare Worte der evangelischen Kirchenleitung also, wie man sie von der katholischen nach wie vor vermisst. Doch haben nicht auch die katholischen Bischöfe Österreichs ein politisches Zeichen gesetzt, indem sie ihre Herbstkonferenz vor wenigen Tagen im Heiligen Land abgehalten haben? Ein Zeichen der Solidarität mit den dort in schwieriger Lage lebenden Christen sollte diese „Pilgerreise“ sein. Man hofft, dass dieses Zeichen vor Ort wirksam war.

An Österreichs Katholiken schrieben die Bischöfe einen „Brief aus Galiläa“, der letzte Woche veröffentlicht wurde. Interessanterweise findet sich in diesem Schreiben nur ein Satz über die Christen im Nahen Osten, sonst tippt der Brief die Kirchen- und Gesellschaftslage in Österreich an. Wenig konkret, ohne klare Sprache. Zu den gesellschaftspolitischen Diskussionen der letzten Monate – und zu denen hätten auch katholische Bischöfe viel zu sagen! – beredtes Schweigen. Man hätte sich vorstellen können, dass, wenn die Hirten des Landes von Nazareth bis Bethlehem reisen, eine Auseinandersetzung mit den Muslimen und ein Wort dazu angebracht wäre. Oder in Bethlehem, wo die Christen ja auch an die „Herbergsuche“ erinnern, Überlegungen über die Herbergsuchenden zu Hause – gerade angesichts der grassierenden Fremden(rechts)debatte. (Auch hierzu waren die evangelischen Kirchen A.B. und H.B. in den letzten Tagen in einer öffentlichen Wortmeldung schärfer und konkreter; Gott sei Dank hat wenigstens der Linzer Bischof Ludwig Schwarz dazu in einem Interview Stellung genommen.)
Aber auch bei den dieser Tage nachgereichten Stellungnahmen der Bischofskonferenz finden sich keine Äußerungen dazu; „politisch“ fordern die Bischöfe da einmal mehr „flankierende Maßnahmen“ bei der Fristenlösung ein und sprechen sich klar gegen gesetzlich eingetragene Lebenspartnerschaften aus. Ohne die Wichtigkeit dieser Diskussionen bestreiten zu wollen: Die katholische Kirchenleitung überlässt sowohl bei der Frage des Zusammenlebens von Christen und Muslimen im Land als auch beim gesellschaftspolitischen Skandal des heimischen Fremdenrechts das „christliche“ Feld den evangelischen Kirchen, statt mit diesen gemeinsam eine Allianz der Religiösen im Land gegen die herrschende, auch durch Gesetze verordnete Entsolidarisierung zu schmieden. Es reicht nicht, die Stellungnahmen da „nur den Sprechern der Caritas zu überlassen“, meint auch Bischof Helmut Krätzl in seinem neuen Buch (vgl. Seite 2 dieser Furche): Die Kirche müsse hier noch viel „politischer“ werden. Dabei geht es nicht darum, dass Bischöfe zu Zwischenrufern der Tagenspolitik werden. Aber ihre klare und, wenn nötig, auch undiplomatische Parteinahme für die Menschen in Not ist auch von den katholischen Hirten zu fordern. Im Übrigen wäre es eine noble Geste ökumenischen Lernens, würde die katholische Kirchenleitung hier bei den Evangelischen in die Schule gehen.
  #2  
Ungelesen , 15:36
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Bischöfliche Zivilcourage gefordert

Ihr Artikel über die Haltung der katholischen Bischöfe zu brennenden Problemen der österreichischen Innenpolitik hat mir aus dem Herzen gesprochen.
Es ist schon eigenartig, dass sich die österreichischen Bischöfe bei ihrer Herbstkonferenz im Heiligen Land und dem folgenden Brief an die Katholiken unseres Landes nur mit Themen befassen, die ihren Gehorsam gegenüber der Römischen Kurie ausdrücken (flankierende Maßnahmen zur Fristenlösung, Gegnerschaft gegen gesetzlich eingetragene homosexuelle Partnerschaften). Kein Wort über die fremden- und familienfeindliche Art des Innenministers bei der Abschiebung von Teilen von integrierten Ausländerfamilien, kein Wort über die sehr reservierte Art vieler Mitbürger, auf Muslime in unserem Land zuzugehen. Und überhaupt kein Wort über die immer dramatischer werdenden Zustände in unseren Pfarren, die durch den Priestermangel verursacht sind. So ist z. B. in Leoben ein einzelner Pfarrer ohne Kaplan für vier Pfarren zuständig. Hier wäre es angezeigt, dass die österreichischen Bischöfe sich einmal auf die Seite der vielen Katholiken stellen und mit Zivilcourage sich gegen die päpstliche Doktrin wenden, dass der Pflichtzölibat für katholische Priester des lateinischen Ritus unbedingt beibehalten werden muss. Ich stelle mir jedenfalls unter einem Bischof einen Menschen vor, der die Gläubigen seiner Diözese vertritt, und nicht einen willigen Befehlsempfänger von seiten des Papstes und seiner Kurie. Würden alle Bischöfe sich auf die Seite ihrer Gläubigen stellen, wäre vermutlich der Pflichtzölibat längst Vergangenheit.
Mag. Emmerich Kronsteiner
e.kronsteiner@tele2.at
  #3  
Ungelesen , 18:35
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Die Hoffnung besteht fort

Vielen Dank für Ihren Leitartikel – Sie haben mir geradezu „aus der Seele“ geschrieben! Der Grund dafür, dass sich die katholische Kirchenleitung – dabei meinen Sie sicher die oberste Kirchenleitung – nicht nur zu den von Ihnen angesprochenen Themen verschweigt, dürfte verschiedene Ursachen haben. Eigenverantwortliches Denken und Agieren so mancher Bischöfe ist mehr als 40 Jahre nach dem Konzil in der Ortskirche noch nicht so notwendig, noch dazu, wo aus Rom seit Jahren dazu auch nicht ermutigt wird. Mehr als fraglich wäre es auch, ob ein Tätigwerden nicht die weitestgehend zwischen den höchsten Repräsentanten von Staat und Kirche herrschende Harmonie beeinträchtigen könnte. Nur Sonnenschein ist erstrebenswert.
Trotz all dem darf man aber nicht ungerecht sein. Dass es ein vollkommenes Schweigen gäbe, wie man beim Lesen Ihres Artikels anzunehmen verleitet sein könnte, stimmt einfach nicht.
Wie heißt es doch so tröstlich? Wo starker Schatten ist, ist auch viel Licht! In diesem Sinne dürfte doch eine ganze Reihe lichtvoller Aktionen und Positionierungen der jüngsten Vergangenheit auch in der FURCHE nicht unbeachtet bleiben.
So z. B. die Aufforderung an die Pfarren der Innenstadt, am Sonntag der Papstmesse in Wien vom Morgen an bis nach Mittag keine Hl. Messen zu feiern, um so die Menge am Stephansplatz zu vermehren (dass deswegen etliche um die sonntägliche Eucharistiefeier kamen, ist eher nebensächlich); dann die durch beredtes Schweigen unterbrochenen vielen Fernsehdiskussionen – zuletzt etwa mit Manfred Lütz oder Peter Turrini; die Beiträge beim Forum Alpbach; die hochgeistige Einführung zur Premiere von „Maß für Maß“ im Burgtheater, als Mönch verkleidet, vor einem hochinteressierten Premierenpublikum; die unzähligen Aussagen zu Evolution und Design; die publicitywirksamen Bücher „Wer braucht Gott“ mit Barbara Stöckl oder „Ziel oder Zufall“ (Schöpfung und Evolution aus der Sicht eines vernünftigen Glaubens; Diskussion des Ratzinger-Schülerkreises); bis hin zu dem über Österreichs Grenzen hinaus berühmt gewordenen Artikel in der „New York Times“ (dabei stellt sich die Frage, ob der Artikel oder nicht der Schreiber des Artikel weltberühmt werden sollte/wollte) – und noch vieles mehr.
Bei der Fülle dieses mutigen und vor allem sachgerechten öffentlichen Auftretens nimmt sich die Feier eines festlichen Pontifikalamtes durch den Wiener Kardinal am „Papstaltar“ zum Geburtstag des Petersdoms in Rom ebenso wie die internationale Vortragstätigkeit (Z. B. Tulane Universität in New Orleans zum Thema „Judentum“) und die von Ihnen erwähnte Pilgerreise ins Heilige Land geradezu bescheiden aus. Möglicherweise aber nur deswegen, weil der mediale Niederschlag in Österreich nicht so groß war?
Dass die Hoffnung aber fortbesteht, erweist sich all dem zum Trotz in ganz besonderer Weise, gerade in diesen Tagen. Der Jubilar, dessen 30-jähriges Bischofsjubiläum jetzt gefeiert wird, zeigt es – Gott sei für ihn gedankt – nicht nur mir sondern auch vielen anderen in so wunderbarer Weise: Er zeigt, dass es Sinn und Grund hat, diese Kirche trotz allem zu lieben.
Dr. Walter Langer
h.wl@chello.at
  #4  
Ungelesen , 14:37
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Schisma von oben

Wie Sie meiner Mail (s. u.) an die Bischöfe entnehmen können, spricht mir Otto Friedrich aus der Seele. Auf Anfrage teilte mir das Medienreferat der Bischofskonferenz fernmündlich mit, dass die Mail nicht an die Bischöfe weitergeleitet werden würde. Auch auf diese Art spaltet sich die Amtskirche vom Kirchenvolk ab.
Dipl.-Ing. Josef Ruffer
Diakon


2344 Maria Enzersdorf
, Erlaufstrasse 42
ruffer@aon.at

Liebe Bischöfe!
Laut Viktor Frankl gibt es nur zwei Rassen: die anständigen Menschen und die unanständigen. Ich meine, jeder anständige Mensch empört sich über die von der sozialistisch (nicht sozialen)-volksparteilichen (nicht christlich-sozialen) Regierung brutal durchgeführten Abschiebungen. Kirchlicherseits hörte ich bis heute nur Landau, Chalupka (ev.) und den designierten evangelischen Bischof Bünker protestieren. Wo bleibt Ihr geballtes Mahnwort, Ihre geballte Forderung? Denn „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ müsste doch als Ansporn, ja sogar als Auftrag gesehen werden. Im Hintergrund zu wirken wäre zu wenig. Wenn Sie tätig werden, dann sollten Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen, damit unsere Kirche als Dienerin an den Menschen erkennbar wird und wir uns nicht unserer Kirchenleitung schämen müssen!!!
Jesus hat den Steuereintreibern ihre Untaten vorgehalten, Johannes der Täufer dem Herodes. Es wäre eine nicht nur gute, sondern auch dringend nötige Tat in der Nachfolge Christi, die Verantwortlichen zur Beendigung ihrer Untaten und zur Wiedergutmachung nachhaltig aufzurufen.
Zu dem Scheinargument, Gesetze müssten vollzogen werden, ist zu sagen: Einmal schon hieß es: „Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss er sterben.“ Auch wenn unsere Fremdengesetze wirklich gut sein sollten, was ich bezweifle, sind sie jedenfalls nur an denen zu vollziehen, die nicht von dem von den miesen Regierungen Schüssel und Gusenbauer-Molterer verschuldeten Chaos betroffen sind. Beim Vorliegen von irregulären Verhältnissen kann ein Gesetz, das auf eine geordnete Verwaltung abstellt, nicht vollzogen werden. Die Voraussetzung ist aber nicht gegeben, wenn 30.000 Anträge jahrelang nicht bearbeitet wurden!
Es scheint mir so. als ließen Sie, unsere Bischöfe, Dir. Landau als Schlosshund bellen oder als Hofnarr seine Possen reißen, um sich selbst nicht die Hände schmutzig zu machen. Oder sollte vielleicht das amikale Verhältnis zu den ÖVP-Granden, Bundesbrüdern und Nachfahren von Aristokraten nicht getrübt werden?
Sollten nicht eigentlich nicht nur wir an der Front „missionarisch Kirche sein“ (Österr. Pastoraltagung, Jänner 2008), d. h. in der Nachfolge Christi den Menschen durch Verkündigung der Frohbotschaft Freude bringen und ihnen in der Not beistehen, sondern auch unsere Bischöfe, die, wie ich dem Faltprospekt entnehme, gar nicht zur Tagung eingeladen sind (Bischöfe sind nur für die Anfangs- und die Schlussliturgie und für zwei Vorträge vorgesehen)?
Jedenfalls brauchen wir christlichen Kirchen nicht wie die Regierungsparteien auf Stimmen aus dem blau-orange-braunen Lager schielen, sondern können frei nach unserem Gewissen entscheiden.
Ich ersuche Sie dringend, massiv und auf allen Ebenen und bei jeder Gelegenheit („ceterum censeo …“) gegen das hier nun täglich begangene himmelschreiende Unrecht aufzutreten, was allen anständigen Menschen ein brennendes Anliegen sein müsste. Es gibt nur eine wichtige Maßeinheit, und die heißt „Mensch“ (© Landau).
  #5  
Ungelesen , 16:18
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Vatikan nach Jerusalem übersiedeln

Ich möchte das Problem Juden/Muslime/Jerusalem einmal von einer anderen Seite beleuchten: Jerusalem wurde von den Juden als ihr Zentrum, ihre Hauptstadt gegründet. Dort hatten sie ihren Tempel erbaut. Jerusalem war aber auch für die Christen von großer Bedeutung – in Jerusalem wurde Jesus gekreuzigt und war lange Zeit auch die Zentrale der Anhänger Jesu. Später wurde Jerusalem von den Römern zweimal zerstört, und nach der zweiten Zerstörung wurden die Juden aus dieser Stadt gänzlich verbannt. Mit der Ausbreitung des Islams wurde Jerusalem auch eine der Hauptstädte der Muslime – und durch die Muslime erhielten die Juden auch wieder Zutritt zu dieser Stadt. Das Zentrum der Christen war inzwischen Rom geworden. Palästina wurde eine Kolonie westeuropäischer Staaten, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Palästina geteilt in einen arabischen und einen israelischen Staat, wobei die Hauptstadt des israelischen Staates Tel Aviv wurde.
Wäre es vermessen zu fordern, Jerusalem zu internationalisieren und zur Hauptstadt der drei Buchreligionen zu erklären? Dazu müsste allerdings der Vatikan in das ursprüngliche Zentrum der Anhänger Jesu, die inzwischen den Namen „Christen“ tragen, nach Jerusalem übersiedeln. Vielleicht würden dadurch die vielen christlichen Bekenntnisse auch ein gemeinsames Zentrum bekommen.
Ing. Josef Garscha
3508 Paudorf, Lissen 3
grova@gmx.at
  #6  
Ungelesen , 17:51
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Was gefehlt hat

Danke für den klaren Beitrag! Zum Brief der Bischöfe aus dem Heiligen Land hätte auch ein Satz des Gedenkens an die Shoah gehört. An Ort und Stelle hat Kardinal Schönborn mutige Worte des Bereuens gefunden und diese eingereiht in das heutige, notwendige – jahrzehntelang versäumte – Auftreten der Repräsentanten unseres Landes. So hätte eine Anmerkung im Schreiben der Bischöfe unsere Kirchenbänke nicht leerer gemacht …
Dr. Leopold Urban
2362 Biedermannsdorf, Weghuberstraße 35

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