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06/2014 - An der Road Map arbeiten (Otto Friedrich)
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Ungelesen , 10:50
An der Road Map arbeiten

Die aus Rom zurückgekehrten Bischöfe schwärmten vom Klima der Offenheit. Man freut sich über die Einschätzung – und erlaubt sich dennoch Nachfragen.

Von Otto Friedrich

Zumindest ein erklärter Wille von Franziskus, dem Bischof von Rom, sollte sich bis in die letzten Winkel der katholischen Kirche herumgesprochen haben: Der Papst will wissen, was auch Menschen wie Du und Ich von der Kirche und ihrer Verkündigung halten. Und er will dort, wo Spannungen und Diskrepanzen zwischen der Lehre und der Lebensrealität sichtbar werden, dies produktiver als in der Vergangenheit angehen. Es spricht gleichermaßen für den Realitätssinn wie für den Mut von Franziskus, das skizzierte Anliegen einmal an den Fragen von Beziehung, Ehe und Familie zu veranschaulichen. Österreichs Bischöfe hatten somit auch die heimischen Antworten auf den vatikanischen Fragebogen mit im Gepäck, als sie letzte Woche zum Ad-Limina-Besuch in Rom waren.

Begegnung auf Augenhöhe

Es mag müßig sein, darüber zu sinnieren, ob die Bischöfe dem päpstlichen Ansinnen freudig oder nolens volens gefolgt waren. Aber nun liegt auch in den in Rom übergebenen Aktenordnern schwarz auf weiß vor, was für „normale“ Katholiken hierzulande seit langem klar ist: Man weiß um die reine Lehre in Sachen Ehe und Familie, stimmt den darin formulierten Idealen durchaus zu, hält aber gar nichts vom praktischen Umgang der Kirche damit. Die Antworten auf den Fragebogen aus Deutschland bestätigen fast eins zu eins das Ergebnis aus Österreich.
Die aus Rom zurückgekehrten Bischöfe schwärmten vom neuen Klima der Offenheit, das nun in Rom herrsche und von einer Begegnung auf Augenhöhe auch mit dem Papst. Man freut sich über diese Einschätzungen – und erlaubt sich dennoch kritisches Nachfragen. Denn der Fragebogen zu Ehe und Familie war ein päpstliches Ansinnen und keine österreichische oder bischöfliche Initiative.Was aber haben die Bischöfe in Rom außer der Auswertung des Fragebogens berichtet? Was erzählten sie über Gesprächsprozesse wie das „Zukunftsforum“ und dessen Umfrage? Was über Reformgruppen wie die „Pfarrer-Initiative“? Dass letztere eigentlich unbedeutend sei, wie Kardinal Schönborn in einem Interview zum großen Missfallen von Pfarrer-Initiativen-Chef Helmut Schüller insinuierte? Hierzulande wusste und weiß die Öffentlichkeit wenig von den Inhalten der Berichte. Die Katholiken des Landes hätten aber ein Recht auf Information dazu – und sollten darüber hinaus ins Werden der bischöflichen Analysen zur aktuellen Lage eingebunden sein.

Nicht nur „Glaubensverlust“ und „Säkularisierung“

Da all dies nicht geschehen ist, bleibt das berichtete Atmosphärische. Das mag in der Tat erfreulich sein, zumal in den letzten Jahrzehnten die österreichische Kirche in Rom als latent aufruhrverdächtig verschrien war.
Schön und gut, wenn Kardinal Schönborn die freundlichen Worte des Papstes an die Bischöfe als eine „Road Map für die missionarische Erneuerung der Kirche in Österreich“ bezeichnet hat. Aber mit Verlaub: Wenn schon „Road Map“, dann müsste diese von der Ortskirche kommen und der Kirchenleitung darlegen, wie die „Freude des Evangeliums“ (Evangelii Gaudium!) den Menschen dieses Landes zu vermitteln ist, und wie dies geschehen kann, wenn die Zahl der Priester und Ordensleute weiter so dramatisch zurückgeht wie zurzeit. Vielleicht gibt es auch andere Gründe als einen allgemeinen „Glaubensverlust“ und die schnell bemühte „Säkularisierung“, die die Berufungen und das Missionarische so zurückdrängen.
Man darf von den Bischöfen erwarten, dass sie hier und heute an einer solchen Road Map arbeiten. Diese kann nur zusammen dem Volk Gottes, mit dem die Bischöfe ja laut II. Vatikanum gemeinsam unterwegs sind, sowie im Dialog mit der Gesellschaft erstellt werden. Nimmt man die bisherigen Anregungen von Papst Franziskus ernst, dann laufen diese auf größere Verantwortung für die Ortskirchen hinaus. Und das bedingt eine Stärkung der Ortsbischöfe. Man wünscht sich, dass sie diese größere Verantwortung wirklich wahrnehmen.

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