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45/2008 - Die zweite Mondlandung (Wolfgang Machreich)
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Ungelesen , 14:05
I Die zweite Mondlandung

Mit Barack Obamas Wahl zum 44. US-Präsidenten haben die Vereinigten Staaten an frühere Erfolge angeschlossen, die Grenzen des für möglich Gehaltenen erneut überschritten.

Von Wolfgang Machreich

Danke, Amerika! Danke fürs Möglichmachen, des von so vielen als unmöglich Gedachten. Danke den Kleinspendern, die gezeigt haben, dass ein Kandidat keine Millionäre braucht, wenn er Millionen Bürger auf seiner Seite hat. Danke für die riesige Wahlbeteiligung. Danke für das lange Anstehen vor den Wahllokalen. Danke fürs Springen über den Rassenschatten. Danke für Barack Obama als Wiedergutmachung für zweimal George W. Bush. Danke für das Aufmachen eines weit über Amerika hinaus offenstehenden Mondfensters. Danke für diese Chance auf Change!
„America, wenns ihr ma glaubads, wia ma euch vermissen kann …“, sang Falco* in den 80ern des vorigen Jahrhunderts. Wie recht er damit hatte, musste die Welt in den 00ern dieses Jahrhunderts erleben. Die USA haben in doppeltem Sinn gefehlt: Abgegangen sind sie bei der Durchsetzung der von ihnen einmal mit eingeführten internationalen Weltordnung – Stichwort: Internationaler Strafgerichtshof. Und vergangen haben sie sich an ihren eigenen rechtsstaatlichen Prinzipien – Stichwort: Guantánamo.

1974, 2008: „Der lange Alptraum ist vorbei!“

Mit den Worten: „Der lange Alptraum ist vorbei!“ hat Gerald Ford einst das Präsidentenamt von seinem über den Watergate-Skandal gestürzten Vorgänger Richard Nixon übernommen. Obama wird sich hüten, eine derart harsche Kritik zu üben, wo er gerade beginnt, das rote und das blaue, das weiße und das schwarze Amerika zu versöhnen. Dennoch wird in den USA und mit den selben Mehrheitsverhältnissen in der Welt Obamas Wahl mit einem Stoßseufzer der Erleichterung kommentiert: „Vorbei, endlich!“
Was nicht heißt, dass auf den Bush-Alptraum automatisch der Obama-Traum folgt. Der berechtigte Einwand, dass ein US-Präsident Obama nicht alles anders, besser machen kann und wird als sein Vorgänger, ist selbst bei den eingefleischtesten Obama-Anhängern angekommen. Trotzdem gibt es gute Gründe, sich mit Obama von der zynischen, aber leider oft wahren Vorstellung zu trennen, dass US-Demokraten nur besser angezogene US-Republikaner sind. Obama ist nicht nur fesch. Obama ist in jeder Hinsicht die bessere Wahl, als es die republikanische Alternative je hätte sein können. Und das liegt nicht an den Schwächen John McCains. Obama ist schlichtweg das größte politische Talent dieser Zeit.
Übertrieben? Mitnichten! Obama meisterte das härteste politische Auswahlverfahren der Welt mit Bravour. Legion waren die Vorbehalte, die man gegen ihn vorbrachte: zu jung, zu intellektuell, zu unerfahren, zu schwarz, zu wenig schwarz, zu viel Rhetorik, kaum Expertise, zu viel Blabla, zu wenig Programm … Doch keines dieser Vorurteile ließ sich in den 20 Monaten Wahlkampf zu einem Urteil verhärten. Obama verbrauchte sich nicht im Kampf mit Hillary Clinton, noch erwischte ihn die Finanzkrise am falschen Fuß. Im Gegenteil, je länger der Wahlkampf dauerte, umso mehr konnte er seine größten Stärken ausspielen: innehalten, sich beraten lassen, nachdenken, entscheiden.

Der bessere „mitfühlende Konservative“

„Obamas Geniestreich in diesem Wahlkampf war“, schreibt Jurek Martin, der frühere Washington-Büro-Chef der Financial Times, „fast niemanden bedroht zu haben, der sich nicht schon durch seine bloße Existenz bedroht gefühlt hat.“ Stimmt, anstatt sich in die „Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann“-Ecke treiben zu lassen, ist Obama in Guter Hirte-Manier den verlorenen demokratischen Schafen nachgegangen. Vom politischen Gegner hat sich Obama zudem den „mitfühlenden Konservativismus“ geklaut und als ehemaliger Sozialarbeiter wesentlich glaubhafter vermittelt als alle republikanischen Berufssöhne mit „friends in high places“ zusammen.
Das gibt Zuversicht, denn „Wahlkämpfen und Regieren, sind zwar unterschiedliche Dinge“, schreibt Jurek Martin, „aber beides ist nicht von unterschiedlichen Planeten.“ Und Obama ist ganz gewiss nicht von einem anderen Stern. Auch wenn er sich mit seinem Wahlsieg in eine Reihe mit Mondlegende Neil Armstrong gestellt hat. Wobei die Größe des Obama-Schritts für die Menschheit in den nächsten vier Jahren vermessen wird.
  #2  
Ungelesen , 19:07
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Barack Machreich und der „Change“

„Der traut sich was“, habe ich mir gedacht, als ich im Jänner dieses Jahres den Kommentar von Wolfgang Machreich über Barack Obama gelesen habe. Als noch niemand an dessen Wahlsieg glaubte, hat einer ihn vorher gesehen – der FURCHE-Journalist Machreich.
Auch wenn ich angesichts der Mächtigen von Wirtschaft und Militär in den USA hinsichtlich eines wirklichen „Change“ meine Zweifel habe, freue ich ich mich sehr, dass die Republikanische Partei abgewählt und mit dem Afroamerikaner Obama ein Mensch US-Präsident wird, der den für die USA und für die gesamte Welt notwendigen Wechsel sich wenigstens zum Motto gemacht hat.
Wolfgang Machreich und der FURCHE danke ich für die gute außenpolitische Berichterstattung!
Alois Reisenbichler
1110 Wien, Schneidergasse 15/9
verin.stadtteilz.simmering@chello.at
  #3  
Ungelesen , 19:18
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Ein kleiner Schritt für die Menschheit …

Ich hoffe, das Ereignis der Wahl des neuen US-Präsidenten wird mehr Nachhaltigkeit zeigen, als die zum Vergleich herangezogene Mondlandung, die ein propagandistischer Akt des Kalten Krieges war, die nur zu einem kleinen Schritt für zwölf Menschen geführt hat und zu einem noch kleineren für die Menschheit. Im Vergleich dazu war die im selben Zeitraum gestartete Voyager-Mission der wirklich große Schritt – oder die als Abfallprodukt (da teilweise mit gleichem Material durchgeführt) der Mondlandung gestartete Astp-Sojus-19-Mission …
Kurt Strohmaier
8052 Graz, Straßgangerstraße 182/2
k_strohmaier@hotmail.com
  #4  
Ungelesen , 19:25
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Yes, we can – auch in der Kirche!

Ja, wir können! Wann endlich hören wir dieses zuversichtliche, ermutigende und bewegende Wort des designierten amerikanischen Präsidenten aus dem Mund unserer Kirchenführung?
Es hat ihn selbst beflügelt und ebenso die vielen Menschen, die ihn gewählt haben. Es hat Vertrauen und Hoffnung geweckt weit über die USA hinaus. Von unserer Kirchenführung hörten und hören die Menschen viel zu oft: Nein, wir können nicht! Doch es ist viel unmöglich Erscheinendes möglich, wenn man sich wirklich an Jesus Christus orientiert. Viel ängstlich Festgehaltenes ist kein göttliches Gebot, sondern Produkt menschlicher Vorstellungen.
Die ständige Beteuerung des Nichtkönnens, weil Jesus oder Gott dies und jenes angeblich nicht wollen, nimmt der Großteil des Kirchenvolkes nicht mehr ernst. Zu offensichtlich ist der Widerspruch zum Beispiel Jesu und zu deutlich erkennbar ist das dahinter verborgene Nichtwollen.
Ja, wir können! Ja, wir können zum Beispiel neue Formen geistlicher Berufung bei Männern und Frauen annehmen und neue Wege beschreiten! Und wir wollen das auch und verwirklichen es! Das wird die Kirche wieder Vertrauen erweckend und anziehend machen. Wer schließt sich schon einer Gemeinschaft an, deren Führung zu den ihn brennend beschäftigenden Fragen und zu seinen existentiellen Nöten ständig betont: Nein, das können wir nicht!?
Franz Schobesberger
Pfarrer
4786 Brunnenthal, Dorfstraße 8
pfarre.brunnenthal@dioezese-linz.at

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