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13/2016 - Die Friedfertigen stärken (Otto Friedrich)
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Ungelesen , 10:14
Die Friedfertigen stärken

Nach den Anschlägen von Brüssel und dem Terror gegen Christen in Lahore und anderswo: Es gibt keine Alternative zum Dialog mit den Muslimen und ihrer Religion.

| Von Otto Friedrich

„Wut macht sich unter Musliminnen und Muslimen breit angesichts der menschenverachtenden Bestialität der Terroristen, denen nichts heilig ist. In ihrem Todeskult und zerstörerischen Rausch, Angst und Schrecken zu verbreiten, huldigen sie vor allem ihren irren Allmachtsfantasien. Jeder ‚Allahu akbar‘ (Gott ist größer!)-Ruf, mit dem sie ihre Verbrechen begleiten, ist eine Gotteslästerung.“ Solches war in der ersten Reaktion der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich auf die Brüsseler Terroranschläge in der Karwoche zu lesen. Derartige Reaktion lässt nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Inwieweit sie auch von Öffentlichkeit und Medien rezipiert wurde, steht auf einem anderen Blatt. Islamische Stimmen haben es zurzeit schwer, gehört zu werden.
Fast zeitgleich mit der hier zitierten muslimischen Stellungnahme erging sich der Macher eines besonders rabiaten Boulevard-Tagblattes in der Forderung, hierzulande ein Verbot des Islams zu diskutieren. Ob die Rechtspopulisten im Lande oder Wolfgang Fellner: Beide insinuieren, es gebe einfache Lösungen. Als ob man den Islam verbannen könne. Oder mit dessen Verbannung das Terror-Problem gelöst sei.

Eine Weltreligion kann man nicht „verbieten“

Jeder, der eins und eins zusammenzuzählen kann, weiß, dass dann die Terroristen gewonnen hätten. Denn die versuchen, den Keil in europäische Gesellschaften tiefer und tiefer zu treiben: Wenn die Muslime weiter marginalisiert werden, dann – so das Kalkül von IS & Co – wird deren Radikalisierung zunehmen. Und die duale Welt – hier die auszumerzenden Ungläubigen, dort die wahren Gläubigen – rückt einen Schritt näher. In ihrer dualistisch-manichäischen Sicht sind die sich hierzulande als Islamverbieter Gerierenden jedoch näher an den Gewalttätern, als ihnen lieb sein kann: Es gibt keine einfachen Antworten auf den Terror. Auch das Verbot einer Religion löst nichts. Abgesehen davon ist die Religionsfreiheit ein Menschenrecht – und die Menschenrechte zu verteidigen, indem man sie für Angehörige einer Religion außer Kraft setzt, ist nicht möglich. Dann hätten die dschihadistischen Fanatiker erst recht gewonnen.
Doch Brüssel blieb nicht das einzige Grauen dieser Kar- und Ostertage. Der Taliban-Anschlag auf Christen in der pakistanischen Metropole Lahore mit mehr als 70 Toten zeigt auch eine Realität auf, an der in den Debatten nicht vorüberzugehen ist: Christen sind hier Opfer der Gewalt, weil sie Christen sind.

Muslime müssen sich mit Gewalt im Islam auseinandersetzen

Das kann in den Auseinandersetzungen mit den dschihadistischen Umtrieben und den Versuchen, derer Herr zu werden, gleichfalls nicht verschwiegen oder verdrängt bleiben. Wenn die Weltgemeinschaft da nicht handle, mache sie sich zum Komplizen des religiösen Terrors: So hat Papst Franziskus am Ostermontag auf die Anschläge von Lahore reagiert.
Auch dies zeigt, wie vielschichtig sich das Problem darstellt, wobei angesichts des Mordens immer die Frage vor Augen steht, wie leicht man vom sicheren Schreibtisch aus argumentieren kann. Und dennoch bleibt nichts anderes übrig, als ohne Schaum vor dem Mund die Optionen, die es gibt, in den Blick zu nehmen.
Eine davon ist sicher, dass Muslime ihrerseits sich mit der eigenen Gewaltgeschichte auseinandersetzen und alles – auch theologisch – daran setzen müssen, den Islam nicht als Gewaltideologie zu gebrauchen, sondern als ihre Grundlage eines gewiss schwierigen, aber möglichen Miteinanders der Kulturen. Und den Christen wie den religiös unmusikalischen Europäern bleibt gleichfalls nichts anderes, als den Dialog mit den Muslimen und ihrer Religion weiter zu treiben und diejenigen zu stärken, die den Islam als Botschaft des barmherzigen Gottes, der auch Frieden stiften kann und will, verstehen. Es ist gewiss nicht leicht, das in der derzeitigen Situation zu propagieren. Aber es gibt keine zukunftsträchtige Alternative dazu.

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