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"Kinder unterrichten und nicht Fächer!
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Ungelesen , 19:28
Johann Wutzlhofer Johann Wutzlhofer ist gerade online
 
Registriert seit: 20.01.2008
Beiträge: 21
Eine Feststellung der ein einigermaßen sozial ausgerichteter Mensch nicht widersprechen wird. In Zusammenhängen in denen das Wort „Kind“ vorkommt, sind wir emotional etwas mehr „aufgeladen“ als in anderen Zusammenhängen des Alltages. Diese emotionale Aufladung multipliziert sich, ja potenziert sich nicht selten, wenn es sich um das eigene Kind handelt. Das „eigene“ Kind soll individuell behandelt werden, daher fällt auch der Begriff „Individualisierung des Unterrichtes“ auf fruchtbaren Boden und gerät manchmal auch zum Schlagwort, da Eltern diese Individualisierung nicht selten ganz speziell auf „ihr Eigenes“ beziehen. Das erste Problem taucht jedoch auf, wenn es sich um „die Mehrzahl“ handelt und im Umgang mit einer Schulklasse, handelt es sich nun einmal nicht um „die Einzahl“. Vielmehr handelt es sich um eine Ansammlung von Individuen, deren Unterschiedlichkeit vom „Schöpfer“ – der Schöpfung – vorgesehen und von der Mehrheit der Menschen in unserer Gesellschaft, so hoffe ich jedenfalls, auch erwünscht ist. Im Bericht ist von der „heterogenen Gesellschaft“ und vom Wegkommen von der „Gleichschritt-Marsch-Pädagogik“ die Rede.

Der in der FURCHE mit oben angeführten Titel geschmückte Bericht ist der Prototyp für die gängigen Berichte und Kommentare aus dem Lebenslabor Schule, die nicht selten – lobenswerterweise nicht im vorliegenden Fall – stark mit dem Hintergrund der eigenen Schulerfahrungen belastet sind. Es handelt sich um ein von durchsetzungsfähigen Personen initiiertes, sagen wir doch dazu „best- practice – Beispiel“ an einem städtischen Gymnasium. Also um einen Schultyp in dem sich die Kinder der, jedenfalls in unserer Gesellschaft, „durchsetzungsfähigsten“ Eltern bewegen. Die notwendigen Integrationslehrer, Sozialarbeiter und Psychotherapeuten fehlen jedoch sehr häufig in den zahlreicheren Volksschulen, in welchen sich die Lehrerinnen und Lehrer mit den ersten Resultaten von Wohlstands-, Sozial- und Scheidungsverwahrlosungen Tag für Tag, nun auch bereits in eher ländlichen Räumen, herumschlagen müssen. Von den zahlreichen Trennungen sind nun einmal bei weitem nicht alle „Lebensschulen für Krisenfälle“, wie es gerne besonders in den sogenannten „liberalen Medien“ verkauft wird, sondern nicht selten traumatisierende Ereignisse für Kinder. Offensichtlich gibt es für den „dritten Stock“ mit durchsetzungsfähigen Eltern eher die Ressourcen als in den vielen „Kellern und Erdgeschoßen“ unseres Landes. „Zu ebener Erd“, war es zu allen Zeiten etwas schwerer. In der Schule ist „zu ebenener Erd“, die Volksschule also, aber Basis und vor allem jener Raum wo Kinder wirklich noch als Kinder unterrichtet werden müssen.
Johann Wutzlhofer, Forchtenstein, Bgld.
„Gymnasial Drop-out“. 1963-1966 Lehrling. 1972-1976 HAK für Berufstätige in Linz, 1979/80 Berufspädagogische Akademie in Wien mit Lehramtsprüfung für Betriebswirtschaftlichen Unterricht und Politische Bildung an Berufsschulen. 1996 zweite Lehramtsprüfung für Warenkunde. 1977-2008 Berufsschullehrer in Mattersburg u. Eisenstadt. 2009-2011 Psychotherapeutisches Propädeutikum mit Abschlußprüfung im März 2012.

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  09:28:59 07.17.2005