ro ro

Themen-Optionen Ansicht

Olympia 2012
  #1  
Ungelesen , 06:18
Klaus Heidegger Klaus Heidegger ist gerade online
 
Registriert seit: 08.12.2008
Beiträge: 18
Olympia 2012 im Kriegszustand
Die Spiele in Olympia im antiken Griechenland waren zu Ehren des Zeus, des Gottes des Kampfes. Die Olympischen Sommerspiele 2012 in London haben mit Krieg zu tun. Augenscheinlich sind die Bilder: 17.200 Soldaten der britischen Streitkräfte wurden zum Schutz abkommandiert. Vor der Tower Bridge ist eines der größten Kriegsschiffe in der Themse vor Anker gegangen. Die Typhoon-Kampfjets und Militärhubschrauber der Royal Air Force überwachen den Luftraum; auf Hausdächern wurden rund um die olympischen Stätten Boden-Luft-Raketen in Bereitschaft gebracht. Die neuesten Kriegsgeräte – wie die Drohnen – sollen zum Einsatz kommen. Das als „friedlichste Spiel der Welt“ bezeichnete Megaevent hat eine militärische Tarnfarbe bekommen. Die 30. Olympischen Sommerspiele sind zu einem Militäreinsatz geworden. Die Innere Sicherheit wird dem Militär anvertraut, die demokratiepolitische Trennung von Militär und Innerer Sicherheit de facto aufgehoben. Sport, der in den Bevölkerungen dieser Welt die größten Sympathien besitzt, wird zur Rechtfertigung für den Ausnahmezustand.
Der britische Staat ist im Krieg: Noch immer sind 9.400 britische Soldaten im Kampfeinsatz in Afghanistan. Dies ist einer der Verwände für gewalttätig-fundamentalistische Terrorgruppen, im Namen des Islams Anschläge anzudrohen. Was wäre, wenn sich Großbritannien nicht immer wieder in den vergangenen zwei Jahrzehnten, Seite an Seite mit den USA, Frankreich und den Golfstaaten, an Kriegen beteiligt hätte: in den beiden Golfkriegen, im Krieg gegen Gaddafi und seit 11 Jahren im Krieg gegen die Taliban in Afghanistan? Großbritannien wäre weniger ein terroristisches Angriffsziel. Einige der von der Front in Afghanistan heimgekehrten Soldaten werden nun sofort wieder zum Einsatz im Heimatland abkommandiert.
Friedenspolitische und pazifistische Menschen werden sich schwer tun, selbst wenn sie sportbegeistert sind, wie der Schreiber dieser Zeilen, sich an Olympia 2012 zu freuen. Zu sehr sind diese Spiele verbunden mit einer gigantischen Rechtfertigung für den militärisch-industriellen Komplex; unverantwortlich groß ist auch der ökologische Fußabdruck. Olympia bedeutet insofern auch Krieg gegen die Natur. Angesichts des kollabierenden Weltklimas, das diesen Sommer in den zahlreichen wetterbedingten Katastrophen spürbar wird, angesichts des Hungerelends in Afrika und der Flüchtlingsströme, angesichts der enormen Ausgaben für Rüstung und Militär, wäre eine andere Politik gefordert.
Der beste Schutz vor Terroranschlägen würde darin liegen, auf diese Art von sportlicher Gigantonomie zu verzichten. Dann bräuchte es keinen Militäraufmarsch, um die Soft Targets von Olympioniken zu beschützen. Die 11,3 Milliarden, die allein der britische Staat in die Spiele steckte, fehlen für öffentliche Ausgaben im Sozial- und Bildungsbereich. Angesichts von Wohnungsarmut ist es ein Hohn, wenn gigantische Sportanlagen nur für zweiwöchige Spiele auf- und abgebaut werden. Doch ohne Olympischen Spiele würden die weltweit größten Konzerne weniger Aufträge bekommen, würden die Gewinne der Superreichen nicht noch mehr steigen und würde der militärisch-industrielle Komplex weniger Rechtfertigungsansprüche stellen können. Olympia 2012 – Cui bono?
Dr. Klaus Heidegger, Kommission für Pazifismus und Antimilitarismus von Pax Christi Österreich

Powered by vBulletin® Version 3.6.5 (Deutsch) | Copyright ©2000 - 2005, Jelsoft Enterprises Ltd.
ro
ro ro
Werbung
  09:50:21 07.19.2005