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Bitte keine einseitige Vereinnahmung!
  #1  
Ungelesen , 10:09
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Registriert seit: 15.11.2007
Beiträge: 423
Betrifft: Skeptische Unaufgeregtheit. Von Christian Moser, Nr. 23, S. 6
In der Tat, es kann sich lohnen, Oakeshott zu lesen. Als Wissenstheoretiker, als Philosophen des Gesprächs, der Bildung und der (englischen) Politik(tradition). Eine Einladung, auch diesen Anwalt bürgerschaftlichen Engagements zu entdecken, sollte aber eigentlich nicht durch Polemik gegen NGOs und „Linke“ geprägt werden. Ebensowenig scheint mir einseitige Vereinnahmung für konservatives Denken hierzulande angebracht. Eine Vorstellung Oakeshotts kann nicht umhin kommen, auf seine vielen Widersprüchlichkeiten, seinen moralischen Relativismus, damit die Ablehnung universaler Menschenrechte, und die nahezu kritiklose Übernahme oft extrem wirtschaftsliberaler Positionen hinzuweisen.
Christoph Konrath
1170 Wien, Dürauergasse 12a/4/8
christoph.konrath@gmx.net
  #2  
Ungelesen , 10:11
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Strukturelle Defizite der NGOs

Danke für Ihre Einschätzung, dass auch Sie Oakeshott lesenswert finden. Ich fand Kinzels Einführung einen guten Anlass, diesen Denker einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Leider werden Denker wie Strauss, Voegelin und/oder Oakeshott auf Österreichs Unis nicht gelesen. Das ist keine Polemik, sondern eine Tatsache.
Es ging mir beim Schreiben tatsächlich weniger um Polemik, sondern um strukturelle Defizite von NGOs (die ja demokratisch NICHT legitimiert sind) und um deren realpolitische Versäumnisse, die bislang kaum öffentlich thematisiert wurden. Es geht hier um einen Glauben an planwirtschaftliches Social Engineering (den ich übrigens nicht nur von links, sondern auch von rechts kritisiert habe), der verheerend ist und den ich einfach einmal thematisieren wollte. Gäbe es zum Beispiel Freihandel mit Afrika, könnten die 50.000 europäischen – staatlich alimentierten – Entwicklungshelferkasten nicht länger ihr menschenverachtendes Werk verrichten. Etwas mehr angelsächsisch verstandener Freihandel im Sinne Oakeshotts könnte diese menschlich inakzeptablen Katastrophen meines Erachtens durchaus lindern. Alarmismus der Politik taugt auf jeden Fall nicht für nachhaltige Problemlösungen.
Danke auf jeden Fall für Ihren Hinweis zu Oakeshotts zwiespältigem Verhältnis beim Thema Menschrechte sowie seinen moralischen Relativismus, auf diese Aspekte im Werk Oakeshotts ging Kinzel leider nicht ein.
Dr. Christian Moser
Bereichsleiter Public Affairs
Politische Akademie
1120 Wien, Tivoligasse 73
c.moser@modernpolitics.at
  #3  
Ungelesen , 10:12
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Beiträge: 423
Dass gewisse Autoren an österreichischen Universitäten nicht gelesen oder gelehrt werden, ist mir schon klar, das habe ich auch nicht an Ihrem Artikel kritisiert. Wenn Sie jetzt schreiben, dass es Ihnen um die strukturellen Defizite von NGOs geht, dann muss ich aber annehmen, dass auch Sie Oakeshott nur zu einem kleinen Teil gelesen haben. Sein zentrales Thema „Civil Association“ fragt nämlich gerade nicht nach demokratischer Legitimation bürgerschaftlichen Engagements, sondern betont Freiheit und letztlich auch Spontaneität. In Hinblick auf die Utopie und Planbarkeitskritik Oakeshotts machen Sie einen richtigen Hinweis. Er würde aber ohne – auch in Ihrer Replik wieder anklingende – Polemik besser verständlich und nachvollziehbar sein.
Ich weiß schon, dass Oakeshott auch manchmal polemisch wirken kann. Letztlich ist er aber ein politischer Denker, der sich sehr um die Sprache bemüht. Wer ihn zum Vorbild nehmen möchte, sollte ihm vielleicht gerade hier folgen.
Sie sprechen auch noch die Wirtschaftspolitik an: Das ist Oakeshotts entscheidender Schwachpunkt. Den in der nahezu kritiklosen Übernahme einzelner US-amerikanischer Zugänge und Verständnisse freier Marktwirtschaft widerspricht er seiner – für sein konservatives Denken zentralen – Konzeption von Wissen (das selbe Problem hat auch Hayek).
Christoph Konrath

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  09:02:33 07.21.2005