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unleistbare Unangepasstheit?
  #1  
Ungelesen , 19:26
Musikant Musikant ist offline
 
Registriert seit: 18.04.2009
Beiträge: 43
Was die mit dem fehlenden Protest der jungen Generation unzufriedenen Altachtundsechziger ganz und gar vergessen haben: Der Protest war seinerzeit inspiriert von erwachsenen Idolen. Jugend generiert keine neuen Ideen und vollzieht keine Zeitenwende, sie greift nur blitzschnell und seismographisch alles auf und setzt es auf ihre Weise um, was zukunftsträchtig schon da ist. Im Jahr 1968 war Mahatma Ghandi 20 Jahre tot, Herbert Marcuse 70 Jahre alt, John F. Kennedy war mit 46 ermordet worden, Martin Luther King starb mit immerhin 39. Was diesen Vorbildern gemeinsam war: Sie riskierten viel für das, woran sie glaubten, sie setzten ihr Leben dafür ein. Und sie hatten mit ihren Visionen gar nicht speziell die Jugend im Blick gehabt.
Sie hatten so gar nichts gemeinsam mit jenen PensionistInnen, die sich jetzt über die Jugend ebenso ereifern – nur mit dazu konträren Vorwürfen - wie seinerzeit die Spießbürger, gegen die sie sich schließlich durchgesetzt hatten. Es war eigentlich ein Verrat an unseren Idolen, wenn wir uns später der jeweiligen Jugendkultur – die weiß Gott teilweise zweifelhaften Idolen auf den Leim ging - anbiederten, um uns vor der undankbaren Aufgabe, Vorbilder zu sein, zu drücken. Jetzt degradieren wir diejenigen, die NutznießerInnen unserer Fürsorge und unserer Führungsaufgabe sein sollten, zu Forschungsobjekten, auf die wir aus sicherer intellektueller Distanz unsere Aufmerksamkeit richten. Aus unserem seelentötenden Casinokapitalismus fliehen wir schließlich feige in einen von der mittellosen Jugend zu finanzierenden Ruhestand. Und von dort aus würden wir gerne an diese Jugend Aufgaben delegieren, die in Wahrheit uns zukommen: C. G. Jung hat im Tod, der als Übergang begriffen wird, das Ziel der zweiten Lebenshälfte gesehen. Wäre es nicht im Zweifelsfalle würdiger, am entschlossenen Widerstand gegen jene Mächte zu sterben, die uns allen die Würde rauben, als – Gott bewahre vor allem eine verzweifelte Jugend vor solchen Notwendigkeiten! – an Euthanasie?
  #2  
Ungelesen , 19:39
Soyka Soyka ist gerade online
 
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Beiträge: 30
Stark-Strom-Sucht und "kulturelle" Spätfolgen

Vorhersehbare "kulturelle" Spätfolgen der Starkstrom-Sucht:

Begonnen hatten damit die Musiker (ab ca. 1930), die haben sich (Karajan als "Vorbild") letztlic komplett ersetzbar gemacht - rotierende Scheibchen und Downloads scheinen ja tausendfach billiger als die lebenden (z.B. singenden) Mitmenschen.

Und diese "kommerziell erfolgreiche" Methode (Strom statt Humanität) wurde inzwischen total nachgeahmt in allen "kulturellen" Gesellschaftsbereichen - als Nebenwirkungen des (unleugbar wirksamen) digitalen Fortschritts:

Heute kann daher längst jeder mutige Journalist blitzartig diskriminiert werden (identifiziert werden durch vernetzte Wort-, Ton- und Bild-Suchapparate, ersetzt werden durch digitale Textbausteine, die tausendfach schneller zu sein vorgeben usw.).

Also schreibt der existenzabhhängige (professionelle) Journalismus heute lieber so, dass er informationstechnisch möglicht wenig auffällt: Nämlich "im Gleichschritt".

Das wird ein bitteres Erwachen sein, demnächst -
denn längst fehlt die Basis für rechtzeitiges Denken,
sodass heute die Politik immer mehr "im Blindflug" entscheiden muss.

Stromsucht kurzgefasst:

Kommunikationswesen im Besitz automatischer Spekulationsapparate.
"Billiger" Inseraten-Download statt menschliche Recherche.
Sekundenschnelle Zock-Apparatur statt verantwortliche Budgetplanung.

Folge:

4-Mann-"Big"-Band statt Salzburger Festspiele.
Automatischer Katzenjammer statt lebendige Musik.

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  05:05:53 07.15.2005