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Zeit als theologische Größe
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Ungelesen , 20:04
laurenz laurenz ist gerade online
 
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Betrifft: Der ewige Gott und die menschliche Zeit (Nr. 1, 7. 1. 2010, S. 24)

In der „Kritik der reinen Vernunft“ (KrV; 1. Auflage von 1781) hat Kant von der Idealität der Zeit (und des Raumes) gesprochen und sie als subjektive, apriorische Anschauungsform aller weiteren sinnlichen Erkenntnis „abgeleitet“, zumindest nach seiner Meinung. Offensichtlich gab es aufmerksame Leser und Mitdenker, die diese Idealität der Zeit infrage stellten, denn in der zweiten Auflage der KrV, § 7 B 53ff, sah er sich genötigt, eine umfangreiche Erörterung nachzuschicken. Er blieb einerseits bei der Behauptung der bloßen Idealität der Zeit (und des Raumes), weil es ja bloß um die Theorie einer Erkenntnis der sinnlichen Dinge als Erscheinungen gehe, gab aber andererseits für den inneren Sinn des Wechsels der Vorstellungen sehr wohl die Realität! der Zeit zu. Ja, was gilt jetzt? Ist die Zeit bloß ideal, oder ist sie auch real? Kant löste das Problem für sich insofern, als es ja nur um die Theorie der Erkenntnis der sinnlichen Welt gehen könne, folglich die Zeit eine ideale Anschauungsform der Erscheinungen bleibe, die aber allem quantitierenden Messen und weiterer Erkenntnis zugrunde gelegt werden müsse. Hätte Kant in § 7 der transzendentalen Ästhetik wirklich eine innere Realität der Zeit voreilig zugeben müssen, wenn er sie praktisch später nicht mehr braucht? Oder hätte er umgekehrt nicht tiefer die Kritik der Mitdenker aufgreifen müssen und die innere Realität der Zeit auf die äußere Realität in der Erscheinungswelt transponieren müssen? Es ist empfindlich zu vermissen, dass in der praktischen Philosophie Kants der Zeitbegriff keine transzendental wichtige Rolle mehr spielt. Der Artikel von Hubert Ph. Weber macht wenigstens darauf aufmerksam, dass es neben der erdrückenden Rede von der empirischen Zeit noch eine ganz andere Zeitform gibt, die, so können wir sagen, Entscheidungszeit ist. Zeit ist und wird in der Erkenntnisform des Willens eine reale Größe und vor allem eine theologische Größe. Zeit ist Form eines aufrufenden Gottes, wodurch eine Erscheinungszeit des Übergehens aus der Unentschiedenheit zur Entschiedenheit des Willens ermöglicht wird. Zeit ist zuerst Entscheidungszeit, dann Erscheinungszeit; letztere Zeiterscheinung beschreiben die anderen Artikel im Dossier.
pfarre.altheim@dioezese-linz.at

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  06:43:09 07.18.2005