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"AHS muss sich weiterentwickeln"
  #1  
Ungelesen , 17:04
Johann Sohm Johann Sohm ist gerade online
 
Registriert seit: 04.03.2010
Beiträge: 1
Frau BM Schmied möchte Vorarlberg zur "Pionierregion" für ihre NMS genannte Gesamtschule machen. Das ist nicht notwendig, solche Modellregionen gibt es schon: Nordrhein-Westfalen oder Bremen zum Beispiel. Der jüngst erschienene deutsche Bildungsbericht zeigt am Beispiel dieser Bundesländer nach dreißig Jahren Gesamtschule das Scheitern dieses Schultyps. Die wesentlich höheren Kosten haben weder mehr Leistung noch weniger soziale Segregation gebracht. Das leisten die Schulen in den Bayern oder Baden-Württemberg, Bundesländern mit differenziertem Schulsystem, sehr wohl. Dahingehend äußerte sich auch kürzlich die deutsche Bildungsministerin Dr. Schavan.
Eine Weiterentwicklung der AHS kann wohl nicht darin bestehen, dass man das Gymnasium abschafft und in einer Gesamtschulunterstufe nur mehr eine Fremdsprache anbietet. Absolventen der Langform des Gymnasiums beherrschen bis zu vier Fremdsprachen. Ich warte noch immer auf die Erklärung aus dem Ministerium und aus den neuerdings gesamtschulverliebten Bildungswerkstätten der Wirtschaft (IV, WKO), worin im Zeitalter der Globalisierung der Vorteil geringerer Sprachkompetenz liegen soll.
Eine Weiterentwicklung kann darin bestehen, dass man den Gymnasien endlich die Lehrerstunden bezahlt, die sie für ihr umfangreiches Bildungsangebot brauchen. Die traurige Realität sind Kürzungen des Angebots! Es gibt kein Geld für Begabtenförderung und für Förderunterricht für die Schwächeren steht nicht einmal 1 % der Lehrerstunden zur Verfügung.
Eine Weiterentwicklung könnte auch darin bestehen, dass man die Daten der TIMMS-Studie ernst nimmt, wonach wir beim unterstützenden Personal an letzter Stelle der ausgewerteten Staaten liegen. Die Hälfte der Anwesenheitsstunden für Schulärzte an Schulpsychologen zu vergeben, wäre eine kostenneutrale Innovation. In unserem Gymnasium zahlt das Land NÖ 90 % für einen Schulsozialarbeiter. Das wäre eigentlich Aufgabe des Bundes, der dafür nichts bezahlt.
Mehr Mittel für eine qualitätvolle Lehrerfortbildung wären Investitionen für die Zukunft. Von den Unis hört man, dass die Didaktik-Kompetenzzentren vor dem Zusperren stehen. Da könnten sich die beiden Gesamtschulbefürworterinnen Schmied und Karl im Sinne einer Qualitätsentwicklung auf Sinnvolles einigen und mehr Geld zur Verfügung stellen.
Die Leistungsbeurteilungs-Verordnung gehört so abgeändert, dass mit ihr nachhaltiges Lernen eingefordert werden kann. Bildungsstandards, die nur statistische Werte liefern, sind zwar bejubelte Herzeigeprojekte für Pressekonferenzen, für eine Qualitätsentwicklung aber leider unbrauchbar.
Ideen gibt es von Seiten der AHS genug, wie man diesen erfolgreichen Schultyp weiterentwicklen kann, in den Medien und in den Träumen mancher "Experten" kommt aber nur die Gesamtschule (Newspeak: NMS) vor, ein Luxusmodell, das man durch Kaputt-Sparen der Gymnasien zu finanziern sucht.

Mag. Johann Sohm
  #2  
Ungelesen , 08:45
Soyka Soyka ist gerade online
 
Registriert seit: 31.01.2008
Beiträge: 30
Schulen in Bremen ?!!

Bitte die folgenden Zeilen nicht als Leserbrief abzudrucken - ich will niemandem schaden.

Ich kenne persönlich das Lebensschicksal von sechs Menschen, die jung von Wiener Gymnasien AHS wechselten in (schon damals ach so "fortschrittlich-vorbildliche") Gymnasien in Bremen - teils in der Unterstufe, teils in der Oberstufe.

Erster Effekt bei allen: Zwei Jahre Langeweile, weil sie fast den kompletten Unterrichtsstoff schon kannten. Sie waren automatisch Klassenbeste (wobei dort weniger gemobbt wurde gegen sogenannte "Streber" als in Wien, wo sie durchschnittliche Schulleistungen gebracht hatten).

Nach einigen Jahren folgte aber die Rück-Übersiedlung nach Wien: Die Fortsetzung des Schulbesuchs in der ursprünglichen Klasse erwies sich ab dem ersten Unterrichtsmmonat als unmöglich - es fehlten die Vorkenntnisse von rd. eineinhalb Jahren Lehrstoff, vor allem in den meisten "schweren" Fächern, wie Mathematik, Englisch, Geschichte, Geographie, in Latein sowieso, aber auch in Deutsch, Chemie usw.

Zwei von ihnen mussten ein Jahr rückgestuft werden, und bewältigtengerade noch dieses Schuljahr, zwei weitere mussten zusätzlich den bereits rückgestuften Jahrgang auch noch wiederholen ("Sitzenbleiben" - sie versäumten mit der Aktion also zwei Lebensjahre), und zwei kamen gar nicht mehr mit bis zur Matura (eins davon schaffte erst später eine Studienberechtigungsprüfung).

Man sollte solche Menschen einmal fragen, wie sich ein "nach Bremer Vorbild reformiertes Schulsystem" auf Dauer auswirkt. Sie haben alle noch Freunde aus ihren Bremer Jahren ...
  #3  
Ungelesen , 09:04
Soyka Soyka ist gerade online
 
Registriert seit: 31.01.2008
Beiträge: 30
Noch etwa zu ganztägigem Schulbetrieb:

Noch etwas zu ganztägigem Schulbetrieb:

Man kann diesen verstärkt bis verpflichtend einführen, aber WENN, dann übernimmt man dadurch die Verantwortung für die Bewältigung einiger NEU entstehender Problemzonen:

Nachmittags lernten junge Leute bisher außer-schulisch viele Fähigkeiten, die für ihr Leben wichtig sind. Neben dem familiären und dem unkontrollierten Umgang untereinander gehörten dazu auch die gesamte Bereiche von Sport, Musik, Freizeitkultur usw.

Je mehr die (womöglich Pflicht-)Schule sich für die Nachmittage (und Abende ?) zuständig erklärt, desto kompetenter werden die Maßnahmen dort sein müssen. Eine Konzentration der Jugend in "Schulgefängnisse" statt im freiem Bewegungsspielfeld wird wohl niemand beabsichtigen: Ich beneide daher keine der verantwortlichen Stellen, die dafür die notwendigen Reformen verkraften sollen.

An der Frage, WIE man die bisherigen Musikschullehrkräfte, Blaskapellen, Basketballclubs, Buffets, Schwimmbäder, Ausflugsziele usw. für alle Nachmittage in den Lehrplan, in die Schul-Architektur, in die die Budgets und Abrechnungsregeln einbeziehen kann, wären einst sowohl die Planwirtschaft als auch die Marktwirtschaft gescheitert.

Vielleicht klappt es ja diesmal mit Chipkarte oder elektronischer Fußfessel ? Allein schon die Frage "wer ist momentan wo" ist doch mit der heutigen Organisationsform in Schulkanzleien niemals ganztags bewältigbar.

Ich weiß wohl, dass der "familiäre" Bedarf an Nachmittagsschulbetrieb heute nun mal besteht, weil die Erwachsenen es immer deutlicher so wollen.

Daher: Viel Glück mit dem Organisieren - wie und wem auch immer.

Diese Zeilen eignen sich vielleicht eher zum Abdrucken.

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