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42/2016 - Die Sprachen des Hasses (Otto Friedrich)
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Ungelesen 19.10.2016, 08:54
Die Sprachen des Hasses

Der öffentliche Diskurs hat ein massives Sprachproblem. Von den Hasspostings bis zum US-Wahlkampf: Verbale Gewalt übertönt die redliche Auseinandersetzung.

| Von Otto Friedrich

M an kann es beim sprichwörtlichen kleinen Mann festmachen. Oder in der höchsten Politik: Der öffentliche Diskurs hat zurzeit ein massives Sprachproblem. Eigentlich sollte man gar nicht von Diskurs reden, denn dieser verlangt als notwendige Bedingung, dass er unter zivilisatorischen Mindeststandards stattfindet. Doch diese werden, nicht nur, aber gerade in den Social Media permanent unterlaufen.
Was etwa unter dem Label Hasspostings im Netz abgeht, gibt zu höchster Besorgnis Anlass. Da ist der Fall der Facebook-Seite des FPÖ-Chefs, wo ein Krone-Artikel über den Suizid-Versuch eines jungen Syrers in Wien geteilt wurde: Hier zeigte sich, wie schnell sogar Nachrichtenmeldungen aus dem Chronik-Bereich im Nu in ein Inferno sprachlicher Gewalttätigkeit ausarten können. Auch exponierte Persönlichkeiten und solche, über deren Meinung sich der Volkszorn erregt, klagen vermehrt über unzumutbare sprachliche Belästigungen, um es vornehm auszudrücken.
Verbale Entgleisung, sprachliche Gewalt hat es wohl immer gegeben. Was zurzeit aber via neue und/oder soziale Medien passiert, ist eine kaum noch kontrollierbare Flut von Wut und Schaum vor dem Mund, die sich nicht mit einem Andersdenkenden oder politischen Gegner auseinandersetzen, sondern diesen diffamieren und verbal niedermachen, wenn nicht gar – im konkreten Wortsinn – mit Mord und Totschlag bedrohen.

Fratze der Mediengesellschaft

Das alles ist, wie man tagtäglich beobachten kann, lä