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Kurt Waldheim: ein Nachbeben
  #1  
Ungelesen , 10:21
chmel chmel ist gerade online
 
Registriert seit: 07.05.2012
Beiträge: 1
Vielen herzlichen Dank für diese seltenen Worte in Österreich. Gott sei Dank hat Heinz Nußbaumer diese üble Art und Weise, in welcher man in Österreich mit dem Österreicher Kurt Waldheim umgegangen ist, öffentlich dargestellt.
Ulrich Chmel, Wien 4
  #2  
Ungelesen , 15:26
Soyka Soyka ist gerade online
 
Registriert seit: 31.01.2008
Beiträge: 30
Kurt Waldheim wurde wegen des AKW-Verzichts diskreditiert.

Kaum hatte Kurt Waldheim eine erste leise Kritik an AKWs in Osteuropa anklingen lassen, da begannen - zuerst in rotgrünen Wiener IAEA-Kreisen, und dann auch in Jugoslawien - die Anschuldigungen, Waldheim wäre ein Kriegsverbrecher gewesen.

Die Behauptung "Kriegsverbrecher" wirkte völlig absurd, denn als UNO-Generalsekretär (und damit als oberster Atom-Agentur-Boss) war gerade Kurt Waldheim zuvor der am genauesten geheimdienstlich durchleuchtete aller Menschen gewesen.

Was aber hatte Waldheim damals wirklich "falsch gemacht", wem war er wirklich (!) in die Quere gekommen:

Kurt Waldheim empfing nach der AKW-Katastrophe von Tschernobyl Frau Rosa Müller, Leiterin der "Bürgerinitiative gegen Atomgefahren", welche ihn bat, nach seiner Wahl als Österreichischer Bundespräsident weltweit aufzurufen zu einem AKW-Verzicht (Waldheims leise Antwort auf diese menschenfreundliche Bitte ist bisher nirgendwo veröffentlicht worden).

Und im Wahlkampf widersprach Waldheim auch Diskussionsbeiträgen nicht, in welchen auf "Schrott-AKWs" in Osteuropa hingewiesen wurde - Waldheim verwies in seiner Antwort damals auf die Zuständigkeit der KSZE (heute OSZE), wo er sich ausdrücklich für entsprechende "Schritte zum Schutz der Bevölkerung" einsetzen werde.

Damit sahen Österreichs Linke und Grüne (die damals teils mit der IAEA "verschwägert" waren) ihr wählerfreundliches Umweltschutz-Monopol gefährdet, und einige Konzerne konnten damals noch nicht rasch genug auf erneuerbare Energie-Technologien umstellen.

Folglich wurde Waldheim unsanft zum Schweigen gebracht - im Interesse mehrerer ganz gegensätzlich scheinender Interessensgruppen, u.a. auch Gruppen in den USA, die sehr ahnungslos waren über die atomar-kommerziellen Hintergründe von Waldheims Diskreditierung:

Es gab dann eben keine Staatsbesuche mehr, wo Waldheim als Bundespräsident das Thema "AKW-Verzicht nach Österreichischem Muster" hätte glaubwürdig ansprechen können.

So wurde weltweit nicht über Österreichs weisen Verzicht in der AKW-Volksabstimmung gesprochen, sondern (stattdessen) über das unweise Ergebnis der alten österreichischen NS-"Volksabstimmung" von 1938.

So wurde indirekt verhindert, dass nach Tschernobyl die UNO und die EU vorsichtiger geworden wären in der AKW-Thematik (während die Atomwaffenthemen langsam besser bewältigt wurden).

Somit kam es "unvermeidlich" zur nächsten großen AKW-Katastrophe in Fukushima (mit radioaktiver Xenon-Verbreitung bis in die Ost-USA, mit radioaktiven japanischen Fischkonserven in Frankreichs Supermärkten usw.).

Kurt Waldheim hätte ab 1986 beigetragen, gerade noch rechtzeitig - und weltweit - die erneuerbaren Energie-Technologien zu favorisieren. Davon bin ich weiterhin überzeugt:

Gerade weil Waldheim viel wusste über frühere Menschenrechtsverbrechen, hätte er dann wenigstens die inhumansten AKW-Folgen zu vermeiden versucht.
  #3  
Ungelesen , 14:26
halopex halopex ist gerade online
 
Registriert seit: 11.12.2007
Beiträge: 2
immer wieder kurios, die verschwörungstheoretiker; aber bitte: schreiben'S sowas in der krone
  #4  
Ungelesen , 08:16
Soyka Soyka ist gerade online
 
Registriert seit: 31.01.2008
Beiträge: 30
Kleiner Tipp:

Das ORF-Feature über Waldheim anhören, auf welches Heinz Nußbaumer in seinem Furche-Artikel reagiert hat.

Was brauche ich eine Verschwörungstheorie zu entwickeln, wo die damals Beteiligten selber ihre Motive ("WIR sind die Fortschrittlichen") und Kooperationen heute derart freimütig offenlegen ...
  #5  
Ungelesen , 18:48
J.Penzendorfer J.Penzendorfer ist gerade online
 
Registriert seit: 24.05.2012
Beiträge: 1
Kurt Waldheim - ein Nachbeben

Lieber Herr Professor Nußbaumer,
danke für Ihren Beitrag in der Furche zur Causa Waldheim. Ich höre heute noch die unselige "Jammerei" von Dr. Franz Vranitzky am Abend des Ablebens von Dr. Kurt Waldheim, was er als Bundeskanzler nicht alles hätte "richten", wiedergutmachen, ja "ausbaden" müssen. Oder hätte er es vielleicht sogar in der Hand gehabt, die Watchlist-Entscheidung zu verhindern?
Überwogen da etwa gar der politische Stolz oder die politische Räson innerhalb der SPÖ?
Eines jedenfalls steht fest: Es wäre auch Franz Vranitzky wohl keine Perle aus der Krone gefallen, hätte er an diesem Tag damals - schließlich waren Jahre inzwischen vergangen, die das ganze Geschehen rund um die Vorwürfe an Dr. Waldheim zwar kritisch beleuchtet, aber doch in ein anderes Licht gerückt hatten - ein wenig Einsicht gezeigt und vor allem ein angemessenes Maß Demut vor einem Menschen geübt, der in späten Jahren sehr wohl ungemein darunter gelitten hat, "(vor)verurteilt" worden zu sein. Dr. Kurt Waldheim jedenfalls hat all seinen "Gegnern" großzügig verziehen. Diese Größe - allein für eine realistische Betrachtungsweise - konnte Franz Vranitzky freilich nicht aufbringen. Das zeigt und beweist mir, wer der eher ehrbare, größere Mensch (im humanistischen Sinne) von diesen beiden ist!

Mit liebem Gruß
Josef Penzendorfer, Seitenstetten

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  15:47:58 07.13.2005