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19/2015 - Alles Gute zum Muttertag! (Rudolf Mitlöhner)
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Ungelesen , 11:11
Alles Gute zum Muttertag!

Der zweite Sonntag im Mai bietet alljährlich Anlass für jede Menge gendermäßig
aufgeladene Betrachtungen zu Rollenbildern von Mann & Frau. Ein Kontrapunkt.

| Von Rudolf Mitlöhner


Kaum etwas ist so überfrachtet wie der Muttertag. Außer Weihnachten – aber das ist, wahrlich, eine andere Geschichte. Vor quasireligiöser Überhöhung ist freilich auch der Muttertag nicht gefeit, ebensowenig vor Spott und Häme, Verachtung und demonstrativer Ignoranz. Und, auch das verbindet ihn wohl mit Weihnachten: im wirklichen Leben, also jenseits des öffentlichen Diskurses resp. der veröffentlichten Meinung, haben die meisten Menschen vermutlich einen sehr pragmatischen Zugang zum Thema: Man macht sich ein bisserl lustig über das ganze Drumherum, ärgert sich über den Stress, den man vielleicht hat oder sich macht, findet es aber alles in allem doch nett und möchte daran festhalten.
Jenseits des wirklichen Lebens aber, also im öffentlichen Diskurs resp. in der veröffentlichten Meinung, ist der Tag beliebter Anlass für allerlei Betrachtungen zum Thema Mutter, Frau, Familie & Co. Das fängt schon einmal damit an, dass Leitartikel und Kommentare anlässlich des Muttertags meist von weiblichen Redaktionsmitgliedern geschrieben werden. (Zumindest insofern ist dieser Text hier schwer politisch unkorrekt – aber ich kann zu meiner Verteidigung sagen, dass es nicht jedes Jahr so ist; und dass ich dafür gerne zum Vatertag einer meiner Kolleginnen den Vortritt lasse.)

Gestiegene Herausforderungen – und Ansprüche

Das setzt sich dann darin fort, dass die immergleichen Klagen erhoben werden: Unterprivilegierungen, wohin man nur blickt – Einkommensschere, Teilzeitfalle, Karriereknick lauten die gängigen Schlagworte dazu; die härteren Bandagen sind dann „Zurück an den Herd“, KKK (Kinder, Küche, Kirche) oder gar – NS-Assoziationen wirken immer – das „Mutterkreuz“. Um nicht missverstanden zu werden: Die Entwicklung hin zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen am sozialen, beruflichen und öffentlichen Leben ist ein großes Glück für die Gesellschaft insgesamt. Sie ist dadurch bunter, vielfältiger, lebendiger geworden. Und, nein, es hat sich dadurch auch in den Familien nicht alles zum Schlechteren gewandelt. Weder war früher die Familienwelt heil, noch gibt es heute kein gelingendes Familienleben mehr. Die An- und Herausforderungen sind größer geworden, das ist wahr, aber aus einer Vielzahl von Gründen, von denen die doppelte Berufstätigkeit nur einer ist – und ein ganz wesentlicher sicherlich unsere gesteigerten, vielfach auch übersteigerten Ansprüche und überzogenen Erwartungen an das Leben.

Geschlechterdifferenz als „soziales Konstrukt“

Ungeachtet all dessen darf man freilich dennoch fragen, ob es heute nicht Männer – wenn auch in anderer Weise – ebenso schwer haben, auch weil sie Männer sind (die Zahl der Aufsichtsratsposten allein sagt da wohl zu wenig aus). Und man sollte insbesondere den Kern einer einschlägig feministischen Betrachtungsweise benennen: Der nämlich besteht darin, Differenzen zwischen den Geschlechtern prinzipiell für obsolet zu erklären bzw. als „soziales Konstrukt“ zu entlarven. So wie es zwischen Männern und Frauen keine Unterschiede geben darf, so haben auch Väter und Mütter gleich zu sein (weswegen es dann ja auch, wie die Frauenministerin meint, völlig egal ist, ob ein Kind „Mama, Papa“ sagt oder „Papa, Papa“ bzw. „Mama, Mama“).
Tatsächlich weiß natürlich jeder Vater und jede Mutter, dass bereits kleine Kinder – noch bevor das Patriarchat mit voller Wucht zugeschlagen hat – sich als Buben und Mädchen voneinander unterscheiden, da hilft auch „gendersensible“ Erziehung wenig. Sie „ticken“ einfach anders, so wie Väter und Mütter anders „ticken“ und auch andere Rollen haben – und eben ganz generell auch Männer und Frauen. Da gibt es natürlich Ausnahmen, Grenzfälle sowieso – aber das ändert nichts am grundsätzlichen Befund. Jedenfalls im wirklichen, prallen Leben. Schönen Muttertag!

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