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43/2017 - Nationen im Storchennest (Oliver Tanzer)
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Ungelesen 24.10.2017, 07:43
Nationen im Storchennest

Europa steht unter dem Eindruck eines neuen Politiker-Typs. Die großen EU-Ideale haben für ihn ausgedient, Nüchternheit soll regieren. Zur Zukunft dieser Illusion.


| Von Oliver Tanzer

Andrej Babiˇs ist ein honoriger und geschätzter Mann. Das war schon unter den Kommunisten der CSSR so, die Václav Havel und die Aktivisten der Charta 77 ins Gefängnis warfen. Auch die Revolution und die Wende hat er gut überstanden. Er hat jenen Agrokonzern erworben, den er zu Regimezeiten führte. Und er hat diesen Betrieb zu einem europäischen Milliardenunternehmen ausgebaut. Vor ein paar Jahren ist er als Milliardär in die Politik gegangen. Und nun will er als großer Sieger der tschechischen Wahlen ein neues Europa schaffen. Es nimmt Maß an jenem der Visegrád-Staaten und vielleicht auch jenem von Österreichs neuer Regierung. Keine Immigration, weniger Kontrolle durch Brüssel, das sind die Hauptzutaten des Neuen. Babiˇs nennt Sebastian Kurz einen sicheren Alliierten.
Tatsächlich wird dieser Tage ein neues Europa geschaffen. Es gehorcht einer neuen Erzählung. Dem vom Unternehmen Europa, das wie ein Unternehmen geführt wird (Babiš). Den alten Erzählungen von der internationalen Verantwortung, vom „guten Europa“ stehen er und Sebastian Kurz dabei nicht einmal feindlich gegenüber. Nein, diese Geschichen sind ihnen einfach egal. Sie sind für derlei „Pathos“ (Babiš) zu nüchtern. Ihre Nüchternheit braucht keine großen intellektuellen Gesten. Sie genügt sich selbst.

Das Europa für den eigenen Vorteil

Das heißt nicht, dass Europa für sie keinen Wert hätte. Das hat es sehr wohl: als Binnenmarkt für den eigenen Vorteil. Diese Politiker sind, wenn man so will, die neuen