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28/2018 - An der Kippe der Relevanz (Otto Friedrich)
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Alt , 07:02
An der Kippe der Relevanz

Das – vorläufige? – vatikanische Njet zum Versuch der deutschen Bischöfe, den Kommunionempfang für gemischtkonfessionelle Paare zu öffnen, ist nicht hinzunehmen.


| Von Otto Friedrich


Man nimmt die römische Anweisung an die deutschen Bischöfe, ihre mit Dreiviertelmehrheit beschlossene Handreichung, in begründeten Einzelfällen auch einem nichtkatholischen Partner den Kommunionempfang zu ermöglichen, nicht zu veröffentlichen, mit Empörung zur Kenntnis. Aber man kann ob der Vorgänge, die sich da leider einmal mehr offenbaren, nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.
Da ist einmal die Tatsache, dass der diesbezügliche Brief des Chefs der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, bereits in den Medien war, bevor ihn dessen Adressat, Bischofsvorsitzender Kardinal Reinhard Marx, in Händen hielt. Es handelt sich dabei eine veritable Intrige. Wenn es sich bei dem Schreiben um den Versuch gehandelt haben sollte, Tempo aus der Debatte herauszunehmen, so ist das misslungen: Denn nun (und das war mutmaßlich die Absicht der undichten Stelle im Vatikan) sieht es so aus, als würde der Papst Kardinal Marx & Co. zurückpfeifen.
Unmöglich scheint die Vorgangsweise auch, weil am 3. Mai – nach der Aussprache von Vertretern der Bischofsmehrheit unter Kardinal Marx und der Minderheit mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der sich hinter Marx’ Rücken in Rom beschwert hatte – Erzbischof Ladaria verkündet hatte, der Papst wünsche, die deutschen Bischöfe mögen selber zu einer „einmütigen“ Lösung kommen. Das nun keinen Monat später zu ignorieren, wäre inakzeptabel und passt auch nicht zum Stil von Franziskus.

Ein Sieg des Apparats gegen diesen Papst?

Bislang ist der Papst selber in der Causa nicht in Erscheinung getreten, sondern nur der von ihm ins Kardinalskollegium berufene Erzbischof Ladaria. Natürlich trägt in der Verfasstheit der katholischen Kirche Franziskus die Letztverantwortung auch hier. Aber dafür, dass es sich um Querschüsse aus der katholischen Betonfraktion handelt, spricht, dass der Ladaria-Brief in jenen Medien auftauchte, die gern von den innerkirchlichen Feinden dieses Papstes bedient werden. Der Apparat, der jede Beschneidung zentralistischer Glaubensmacht bekämpft, hätte somit einen Sieg errungen und Franziskus alt aussehen lassen.
Für diese Sicht spricht auch, dass da aus einer Mücke ein Elefant gemacht wurde, als ob es um die Grundfesten des Glaubens ginge. Aber nüchtern betrachtet ist der deutsche Bischofsvorstoß, in einem Detail auf dem Weg zu einer eucharistischen Tischgemeinschaft mit den Protestanten eine pastorale Lösung zu versuchen, bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein.

Viele tun einfach, was ihnen ihr Gewissen gebietet

Man konnte sich nur über die Ereiferung wundern, die der konservative Kirchenflügel global entfachte. Man gewann den Eindruck, dass es wieder einmal um den Primat von kirchlichen Gesetzen vor dem Menschen geht. Dass aber Jesus im Neuen Testament derartige Gesetzesversessenheit beständig gegeißelt hat und den Menschen und seine Fragen vor Gott in den Mittelpunkt stellte, kommt in den Ereiferungen wider die deutschen Bischöfe nicht vor. Und Jesus hat bei der Einsetzung der Eucharistie nur gesagt „Tut dies zu meinem Gedächtnis …“ und nicht
„… aber nur dann, wenn ihr das katholische Dogma beachtet“.
Immer wieder hat Papst Franziskus versucht, Dogmenfixiertheit im Sinn einer menschenfreundlichen Barmherzigkeit aufzulösen. Der Starrsinn der Gegner dieses Versuchs bleibt dennoch unübersehbar. Wenn es aber nicht gelingt, diesen in Richtung „Fest im Glauben, mit einem übergroßen Herzen für die Menschen“ aufzulösen, dann wird die Relevanz dessen, was aus Rom und von den Eiferern kommt, verschwinden.
Viele Katholiken haben längst erkannt, dass es nichts bringt, auf Reformerl aus Rom zu warten, die von den Hardlinern überdies verwässert werden, wo sie nur können. Viele tun einfach, was ihnen ihr Gewissen gebietet. Das kann auch heißen, den evangelischen Partner mit zur Kommunion zu nehmen, auch wenn Rom immer etwas Neues einfällt, das zu untersagen.

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