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Schwarze, wie habt ihr ’s mit der Redlichkeit?
  #1  
Ungelesen , 13:11
jneumayer jneumayer ist gerade online
 
Registriert seit: 15.01.2010
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Betrifft: Grüne, wie habt ihr ’s mit der Religion? (Nr. 2, 14. 1. 2010, S. 12)

Interessantes Thema, hab’ ich mir als aufmerksamer Beobachter gedacht beim Lesen der Überschrift und mir eine kritische und durchaus parteiische Analyse eines vielschichtigen Themas erwartet.
Was ich dann aber gefunden habe, ist eine unterklassige ÖVP-Werbung und ein wirklich unglaublich simples Deutungsmuster der „Religiosität“ der Grünen. Natürlich ist der eschatologische Vorbehalt eine Realität jedes theologischen Denkens, und natürlich wissen Theologen von der Sündenverhaftetheit des – guten – Menschen und erwarten nicht den Himmel in Vollgestalt auf Erden. Aber den naiven ethischen Optimismus, noch dazu als gnostische Irrlehre konnotiert, den Herr Moser da unterstellt, habe ich weder bei meinen grünen noch meinen schwarzen Freunden erlebt. Das Böse auch in der ungerechten Verteilung des Reichtums zu sehen, ist im Übrigen gut jüdisch-christlich, ich will Hosea und Amos gar nicht bemühen dazu. Der implizite Verweis, die Christen sollten doch in den Sakristeien bleiben und nicht gesellschaftspolitisch mitreden, ist im Übrigen immer wieder schnell zu hören, wenn es einmal jemand unangenehmerweise nicht in der ÖVP verwirklichen will. Dermaßen anmaßend wie von Christian Moser erlebt man es aber auch nicht alle Tage.
Ich erspare Ihnen und mir eine ähnlich simplifizierende Analyse der „Religiosität“ der ÖVP.
Mir bleiben nur zwei Fragen:
1. Wie kommt jemand dazu, seine plakativen Schwarz-Weiß-Ergüsse allen Ernstes für theologische Argumentation zu halten, ohne Hinweis auf Quellen (außer Zitatfetzen oder Rousseau, aber der hat nun wirklich nicht die Grünen gegründet) und ohne irgendwelche empirischen Befunde? Ist die ÖVP wegen Stefan Wallner wirklich derart nervös?
2. Wie kommt die FURCHE zu so einem Artikelschreiber? Ich schätze Ihre Zeitung sehr, aber das ist doch sehr unter dem gewohnten Niveau. Sie werden Ihren Spendenaufruf vor Weihnachten doch nicht auch an Parteien gerichtet haben …
Johann Neumayer
  #2  
Ungelesen , 14:16
Karl Wagner Karl Wagner ist offline
 
Registriert seit: 18.10.2009
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Ich hoffe, Sie sehen den Balken in Ihrem eigenen Auge, Herr Moser

Lieber Herr Moser!
Wenn die Werte Personalität, Solidarität und Subsidiarität verbindliche Richtschnur jedes christdemokratischen Politikers sein sollen, habe ich das deutliche Gefühl, dass sich einige von dieser Schnur abgenabelt haben. Warum fällt mir hier die ÖVP ein? Wie sonst sind beispielsweise die Zustände in unserem Asylrecht zu erklären? Ebenso finde ich den Impetus der Selbstgerechtigkeit in allen politischen Parteien, besonders dann, wenn deren Mitglieder öffentlich auftreten.
Doch ganz egal wer sich anmaßt, christliche Werte zu vertreten. Was soll die Diskussion bringen? Was haben wir davon, wenn wir wissen, dass die Wirklichkeit nur in ihrer Endlichkeit böse ist?
Eine andere Frage interessiert mich viel mehr: Wenn soziale Gerechtigkeit nicht möglich ist – warum arbeiten wir dann darauf hin? Oder tut das Ihre Partei nicht?
Soll Ungerechtigkeit, Gewalt gegen Schwächere, Ausbeutung und Missbrauch freier Lauf gelassen werden, weil das ganz natürlich ist?
Müssen wir uns also nicht dafür interessieren, ob die alte Nachbarin genug Geld hat, um die Heizung bezahlen zu können? Kann es uns also egal sein, ob es sich Eltern leisten können, ihren Kindern eine adäquate Ausbildung zu bieten? Geht es uns also nichts mehr an, ob Asylwerber auf die Saualm transportiert oder wie Kriminelle eingesperrt werden, weil es ganz natürlich ist, dass wir keine Fremden mögen?
Diskussionen darüber, was christlich ist und was nicht lenken – mit Verlaub – vom Thema ab!
Im übrigen, weil da irgendwie die Bibel gefragt ist: Ich hoffe, Sie sehen den Balken in Ihrem eigenen Auge!
  #3  
Ungelesen , 14:45
thomasweinschenk thomasweinschenk ist gerade online
 
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Beiträge: 2
Bitte um Schadensbegrenzung für Ihr Blatt

Liebe FURCHE-Redaktion!
Trotz relativ großer Sympathie für Ihr Blatt komme ich leider nicht umhin, Ihnen mitteilen zu müssen, dass der Artikel von Christian Moser von einem Argumentationsstil der Pseudo-Wissenschaftlichkeit durchdrungen ist, wie man ihn sonst nur von Publikationen der extremen politischen Ränder her kennt (z. B. der "Nationalzeitung" am rechten oder der "Linkswende" am linken Rand des Spektrums). Dieser Artikel ist auf jeder Stufe der Argumentation tendenziös. Der Umstand seiner Veröffentlichung unter der Rubrik „Meinung“ rechtfertigt nicht einen solchen Stil. Denn auch derjenige kritische Leser, welcher ein großes Maß an Verständnis für divergierende Auffassungen mitbringt und sich vielleicht auch gerne auf subjektiv akzentuierte Beiträge einlässt, der wird bei Herrn Mosers Ergüssen den Rahmen der intellektuellen Zumutbarkeit wohl gesprengt sehen müssen. Diesem Autor geht es ganz offensichtlich nur um eine Verunglimpfung von politischen Gegnern, und zwar um jeden Preis.
Der kluge wie konzise Leserkommentar „Schwarze, wie habt ihr ’s mit der Redlichkeit?“ sollte meines Erachtens unbedingt in der nächsten Print-Ausgabe der FURCHE veröffentlicht werden – als erster Schritt einer Schadensbegrenzung für Ihr Blatt.
Weiters möchte ich Sie hiermit dazu anregen, einem redlicheren Geist als Herrn Moser Raum zu geben für eine pointierte Replik. Wieso fragen Sie nicht einmal bei jemandem aus dem benachbarten Ausland an? Bei jemandem vom Fach? Wenn sie eine Empfehlung brauchen: Ein Spezialist für den Themenkomplex Demokratie und Religion ist Wolfgang M. Schröder von der Universität Tübingen.
  #4  
Ungelesen , 21:44
Faltlhansl Faltlhansl ist offline
 
Registriert seit: 09.11.2007
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Ich bin Christin, und ich bin grün – ja, das geht!
Und den Artikel von Herrn Moser finde ich so ärgerlich, dass ich gar keine Lust habe, auf seine Argumente (?) einzugehen.
Ich frage mich auch, warum dieser Artikel in der FURCHE steht!
Jutta Schätz
  #5  
Ungelesen , 13:37
A. K. A. K. ist offline
 
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Grüne und Religion

Der Beitrag von Christian Moser ist das Beste, was ich zu diesem Thema bisher gelesen habe. Allein die Überschriften „Gnostische Irrlehre“, „Sozialisierung & Pädagogisierung“ und „Fehlendes Wissen um Schuld und Erbsünde“ charakterisieren die hohe Qualität der gemachten Analyse. Die Anmerkung der systematischen Verwechslung und Gleichsetzung von „Sozialreligion“ mit den Dogmen des christlichen Glaubens, als Irrtum von Teilen der „sozialpädagogischen Intelligenz“, verdient Aufnahme in zukünftige Nachschlagwerke.
Dieser Beitrag macht vieles an Ärger wieder gut, den fast alle Beiträge von Otto Friedrich bei mir auslösen. Er kann schreiben was er will – zuletzt in der erwähnten Ausgabe „Ein gefährdetes Verhältnis“ und „Österreichs Kardinal“ – stets muss ein Seitenhieb gegen den Papst und den „konservativen Mainstream“ enthalten sein.
A. K.
  #6  
Ungelesen , 18:28
Leserbrief Leserbrief ist offline
 
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Brandrede für enttäuschte VP-Freunde

Die Zugangsweise zu Programm und Praxis der Grünen und die philosophischen und theologischen Argumente, die Moser bringt, sind in dieser platten und überzeichneten Form zurückzuweisen. So kann man vielleicht eine Brandrede vor enttäuschten Parteifreunden halten, aber so sollte man sich nicht als Vertreter der Politischen Akademie präsentieren. Welche Schlüsse wären dann bei der ÖVP zu ziehen, würde man ihr Programm mit ebensolcher Strenge kommentieren? Und ist es wirklich so, dass Wähler bzw. Unterstützer politischer Parteien sich einer solch umfassenden Weltdeutung unterwerfen (wenn es sie überhaupt in dieser Weise gibt)? Herr Moser müsste als jemand, der Politikwissenschaft unterrichtet, besser wissen, wie Parteiprogramme, Stellungnahmen und Meinungen einzelner Proponenten zu interpretieren sind. Zudem präsentiert er das „Christliche“ in einer sehr einseitigen und holzschnittartigen Form. Gerade hier liegt aber das Problem. Denn es ist durchaus strittig, wie das „Christliche“ heute in der Politik zu bestimmen ist, und welche Schwerpunkte politischen Handelns die Berufung auf das christliche Menschenbild nahelegt. Ebenso verhält es sich mit den politischen Denkern, die Moser so zitiert und darstellt, wie es für sein Anliegen passt. Gerade aber bei Gehlen und Schelsky sollte man vorsichtig sein, sind doch auch deren Menschen- und Gesellschaftsbild durch oft sehr einseitige Standpunkte geprägt.
Dr. Christoph Konrath
  #7  
Ungelesen , 18:30
Leserbrief Leserbrief ist offline
 
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Das raubt einem fast die Sprache …

Ihr Beitrag hat mich überaus verärgert. Aus ihm spricht eine argumentative Selbstgewissheit und Arroganz, die einem fast weh tut. Recht gebe ich Ihnen zwar mit der Feststellung, dass Religion und die Grünen nicht ganz reibungslos zusammengehen. Aber Ihr Vergleich – und somit die wesentliche argumentative Grundlage Ihres Beitrags – hinkt insofern, als die Grünen – so weit ich das beurteilen kann – sich auf kein festgefügtes ideologisches oder sonstwie weltanschauliches Fundament berufen. Ganz im Gegenteil: Man verzichtet gerade wegen der Erfahrungen des 20. Jahrhunderts (und wohl auch der vorhergehenden Zeitalter) auf eine Festlegung darauf, was und wie der Mensch grundsätzlich beschaffen sei. Diese Haltung als „naive grüne Anthropologie“ abzukanzeln, Grünen soziale Züchtungsfantasien zu unterstellen und dabei auch nicht vor dem ebenso obligatorischen wie geschmacklosen Nazi- und Kommunistenvergleich zurückzuschrecken, das raubt einem fast die Sprache.
Die Grünen sind dem liberalen Menschenbild wesentlich näher als der von Ihnen nun diffus allgemein postulierten und zweifellos auch problematischen christlichen Anbiederung. Weder sind alle Grünen Christen, noch verdienen sich jene, die es trotzdem sind, von Ihnen auf diese Art und Weise denunziert zu werden. Man kann, sollte Ihnen das entgangen sein, sich dem Christsein wesentlich verbunden fühlen und trotzdem darauf verzichten, unhinterfragten Dogmen hinterherzulaufen und diese auch noch abfällig gegen andere ins Treffen zu führen, so wie Sie das tun. Sie verwenden das Wort „Gutheit“ genauso abschätzig wie den immer wieder gegen die Grünen und andere ins Treffen „Gutmenschen“, so als ob nur der eine, „richtige“ Christ, den Sie offenkundig im Auge haben, fähig wäre, die „wahre“ Fehlbarkeit des Menschen recht zu erkennen und daraus die einzig richtigen Prämissen für das eigene Handeln abzuleiten. (Sollte Ihnen das entgangen sein: Auch Christen handeln keineswegs auf einer homogenen ethischen Grundlage. Das, was sie unhinterfragt mit „Christentum“ ins Treffen führen, ist vielfältiger und widersprüchlicher, als Sie und wesentliche Vertreter der amtlichen Kirchenmeinung es offenkundig wahrhaben wollen.)
Vonwegen „Christdemokraten, die in ihrer Amtsausübung meist demütig und bescheiden auftreten, während Grüne immer wieder mit dem impetus der Selbstgerechtigkeit und Unfehlbar verstören“: So einen Blödsinn habe ich in der FURCHE schon lange nicht mehr gelesen. Jedem, der die alltäglichen Praktiken der „Christdemokraten“ aus eigener Anschauung kennt, muss Ihre Verteidigung derselben fast wie eine Verhöhnung vorkommen (freilich, da Sie Lehrer an der Politischen Akademie der ÖVP sind, wird Ihre Haltung verständlicher). Wo ist im politischen Alltag Österreichs und anderswo etwas von der Christdemokratie zu hören, wenn es um prinzipielle Ungerechtigkeiten im Wirtschaftssystem geht? Um die reale Gier, die diese Welt unter wesentlicher Beteiligung christdemokratischer Unternehmerideologie dominiert? Wo, wenn es um die tausendfach praktizierten Packeleien auf Gemeindeebene geht? Und wo bleibt der Christdemokrat, wenn es darum geht, schwierige Themen ohne Angst vor der Auseinandersetzung mit Populismen anzugehen?
Wenn Sie in Ihrer oberflächlichen Analyse nur ein paar Sätze übrig hätten für die Wirklichkeit, könnten Sie vielleicht auch verstehen, warum einem Grünen christdemokratische Lippenbekenntnisse in dieser Art schäbig vorkommen. Wie es jedem halbwegs aufrichtigen Menschen schäbig erscheinen sollte, unter Berufung auf Gott Banalitäten vorgesetzt zu bekommen, so wie Sie das tun.
Mit ihrer vollkommen unhinterfragten Verteidigung der „Christdemokratie“ sprechen Sie ideengeschichtlich einer Politik das Wort, die weit hinter das zurückfällt, was seit der Aufklärung eigentlich Standard modernen Denkens sein sollte. Es geht Ihnen nicht um die Sache, wo es trotz der weltanschaulichen Unterschiede politisch durchaus Anknüpfungspunkte zwischen Grünen und den Christdemokraten gibt (Demokratie ist ihrem Wesen nach die Fähigkeit, ungeachtet prinzipieller Unterschiede und Interessen im Alltag einen gedeihlichen Ausgleich zu organisieren), sondern es geht Ihnen um das Denunzieren der Grünen an sich. So wie das die ÖVP und Leute, die in ihrem Umkreis ihr Auskommen finden, immer wieder gerne tun. Ich finde das abscheulich.
Kurt Höretzeder
  #8  
Ungelesen , 18:59
Leserbrief Leserbrief ist offline
 
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Schwer Unchristliches auch in der ÖVP

Gegen bloß innerweltliche Heilslehren zu argumentieren ist berechtigt. Wenn aber schon die Forderung nach „sozialer Gerechtigkeit“ angesichts der „ungerechten Verteilung von Eigentum und Einkommen“ sowie von „strukturellen Diskriminierungen“ unter das Verdikt einer falschen „Sozialreligion“ fällt, dann – bitte Herr Moser! – ist auch die katholische Soziallehre irrgläubig.
Sie blasen den unglücklichen Popanz-Begriff „Sozialreligion“ kühn zu einer „gnostischen Irrlehre … im Fahrwasser des Zweiten Vatikanums“ auf und stempeln damit u. a. gleich zwei Päpste zu Irrlehrern! Johannes Paul II. hat nämlich z. B. in seiner Sozialenzyklika „Die soziale Sorge“ von 1987 das „Bestehen wirtschaftlicher, finanzieller und sozialer Mechanismen“ angeprangert, welche „die Situation des Reichtums der einen und der Armut der anderen verfestigen“, und ganz klar von „Strukturen der Sünde“ gesprochen. Der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Ratzinger, hat ein Jahr davor die „christliche Praxis der Befreiung“ wörtlich so auf den Punkt gebracht: „Man muss sich zugleich um die Bekehrung der Herzen und um die Verbesserung der Strukturen bemühen“ (Instruktion der Kongregation für die Glaubenslehre über die christliche Freiheit und die Befreiung, V. Kapitel: „Die Soziallehre der Kirche im Dienst einer christlichen Praxis der Befreiung“).
Ihrer inhaltlichen Kritik an Positionen der Grünen stimme ich zu: Warum sollen nur die Frösche in der Au, nicht aber Kinder im Mutterleib geschützt werden? Offenkundig fehlt den etablierten Grünen das Bewusstsein für eine Ökologie menschlicher Beziehungen, sonst prononcierten sie sich nicht so ehe- und familienfeindlich und forderten nicht eine Politik der Geschlechterverirrungen.
Als Generalsekretär einer großen katholischen, überparteilichen Laienorganisation musste ich allerdings auch – über Jahrzehnte hinweg – schwer Unchristliches an der ÖVP bitter erfahren: Wenn ’s darauf ankommt, wird eher eine Politik für die Reichen betrieben. Und eine ausländerfeindliche Politik gibt es in der ÖVP nicht erst seit Fekter. Woher Sie den „Habitus der Christdemokraten“ beziehen, „die in ihrer Amtsausübung meist demütig und bescheiden auftreten“, bleibt mir schleierhaft. Schüssel oder Pröll werden Sie damit ja nicht meinen!
Prof. Mag. Dr. Alfred Racek
1170 Wien, Zwerngasse 53
aracek@utanet.at
  #9  
Ungelesen , 23:28
Vosecek Vosecek ist gerade online
 
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An Menschen wie Moser zerbricht in Österreich jede vernünftige Politik

„Menschen sind fehlbare Mangelwesen und können in der Politik nur versuchen, das Menschenmögliche, nicht aber das Paradies zu schaffen.“ Das sicher, denn an Menschen wie Moser zerbricht in Österreich jede vernünftige Politik. Schließlich – Herr Moser strebt ja keine Verbesserung des Zustands der Welt an – sollen wir abwarten, bis wir tot sind, und nach dem Tod wird es schon besser werden. Ein solcher Zyniker nennt sich Christ? Und wann hat er zum letzten Mal die Bibel gelesen?
Homosexualität und Transgender sind laut Moser offenbar nicht in der Natur des Menschen begründet, sondern im wilden Treiben der „Sozialingenieure“. Die Homosexualität aber mit Nazis und Kommunismus zu vergleichen, das zeugt von einer Lebensferne, dass mir die Luft wegbleibt. Dafür bedient sich allerdings der Autor Ausdrücke wie „Endziel unserer Erlösung“. Das kommt mir irgendwie bekannt vor.
Auf den unglaublichen Schwachsinn, dass die christdemokratischen Politiker „in ihrer Amtsausübung besonders demütig und bescheiden auftreten“, ist schon ein anderer Beitrag eingegangen.
Dass dieser Mensch an der Universität Wien unterrichtet, das halte ich für richtig gefährlich.
Und einen solchen Ausrutscher erlaubt sich eine Zeitung wie die FURCHE nur einmal.
Simon Vosecek
  #10  
Ungelesen , 11:30
A. K. A. K. ist offline
 
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Totalitäre „Staatsideologie des ethischen Relativismus“

In Europa ist – viel zu wenig beachtet – eine neue totalitäre „Staatsideologie des ethischen Relativismus“ aufgekommen, die alle diejenigen diskriminiert, die an objektive Wahrheit glauben. Diese Ideologie ist eben dabei, das „Prinzip Toleranz“ in unserem Gemeinwesen zu zerstören. Dem Toleranzprinzip entsprechend haben andere das „Recht zu irren“, was in privater Sphäre das Recht bedeutet, die Freiheit nach eigener Ansicht zu gebrauchen. Deshalb haben aber auch diejenigen, die an objektive Wahrheit glauben, das Recht zu sagen, was sie für Recht oder Unrecht halten. Wer an objektive Wahrheit glaubt, hat zwar nicht das Recht, dies anderen aufzuzwingen, hingegen aber das Recht, diese Meinung vorzubringen. Dem entgegen verlangt der neue „intolerante ethische Relativismus“ – meist in Form der „political correctness“ –, dass man nicht einmal denken dürfe, dass es richtig und falsch gibt. Richtig und falsch werden gegenwärtig als „konservativ-katholische“ Ansichten hingestellt. Diese „political correctness“ verunsichert leider derzeit viele Menschen mit gesundem Hausverstand. Dazu Beispiele:
- Der Schwangerschaftsabbruch ist in Österreich seit 1975 straffrei, wenn er – nach ärztlicher Beratung – in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft erfolgt. Dieses Gesetz ist 1974 nach harten Kontroversen letztlich nur mit den Stimmen der SPÖ beschlossen worden. Widerstand gegen dieses Vorhaben kam von ÖVP und FPÖ sowie von der Katholischen Kirche. Auf Seiten der Abtreibungsgegner wurde durch die „Aktion Leben“ eine Unterschriftenaktion gegen die SPÖ-Pläne mit 800.000 Unterzeichnern durchgeführt. Das 1975 durchgeführte Volksbegehren erhielt knapp 900.000 Unterschriften. Den Gegnern der Fristenlösung ist es leider nur gelungen, „flankierende Maßnahmen“ durchzusetzen.
Dem richtigen(!) langjährigen Widerstand der ÖVP gegen die Fristenlösung würde ein Ehrenmal gebühren. 2006 war es aber nun soweit gekommen, dass die Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) – „politisch korrekt“ – die Fristenlösung gegen Ewald Stadler verteidigte! Zu diesem Zeitpunkt hatte doch die ÖVP zur Verteidigung der Fristenlösung – also für Falsches – von ihren Wählern keinen Auftrag erhalten! Sind ehemalige Volksbegehrensunterzeichner nun extreme Rechte geworden, nur weil die FPÖ dieses Thema aufgegriffen hat? Hier ist ethischer Relativismus auf dem Vormarsch!
Die demographische Entwicklung – nicht zuletzt auch durch Abtreibungen verursacht – in ganz Europa führt zur Vergreisung unseres Kontinents und damit einhergehender teilweise problematischer Zuwanderung. Es wäre doch Aufgabe verantwortungsbewusster Parteien gewesen, einen Schutz gegen „ethischen Relativismus“ in Form der Fristenlösung zu bieten und so ihre Position bei über „konservativ-katholische“ Kreise hinausgehenden Wählerschichten zu vertreten und intelligent zu argumentieren.
- Vor solchem demographischen Hintergrund werden in Wien „Zeichen gegen die heutige Diskriminierung der Homosexuellen“ gesetzt. „Political correctness“ verpflichtet scheinbar, nicht nur die Rechte der Homosexuellen zu respektieren, sondern zu denken, Homosexualität sei in sich ethisch positiv. Man kann sich schwer des Eindrucks erwehren, dass hingegen negative Urteile über Ehe und Familie von den Massenmedien problemlos akzeptiert werden. Von Seiten der SPÖ und der Grünen(!) werden Patchwork-Familien und Singles gefördert statt funktionierende Familien – die durch Kinder für die Lebenskraft unseres Staates sorgen – zu unterstützen. Wo, wann zuletzt, ist letztere Position von allen politischen Parteien intelligent vertreten worden?
Ein Lichtblick bezüglich eines neuen Aufbruchs gegen falsche „political correctness“ kam Ende 2006 von Franz Karl (ÖVP), Mitglied der Bioethikkommission für die Bundesregierung. Er kritisierte nämlich den Obersten Gerichtshof, der einen Arzt in einem speziellen Fall dazu verurteilte, einer Frau lebenslang Schadenersatz zu leisten, was implizit besagt: Behinderte Kinder sind ein Schaden, sind „lebensunwert“, gehören jedenfalls abgetrieben. Franz Karl meinte dazu: „Ärger war es zwischen 1938 und 1945 auch nicht.“ Er sprach als einer von wenigen klar von richtig und falsch, einer Unterscheidung, die in den letzten Jahren von den Verantwortlichen als Aufgabe sträflich vernachlässigt wurde.
Frage an alle Grün- und Rot-Anhänger: Um Tierschutz und Natur sind Sie besorgt, warum treten Sie nicht für die Schwächsten ein, nämlich für gefährdete Kinder im Mutterleib?

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