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40/2017 - Konvertiten – einfache Gläubige
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Ungelesen 04.10.2017, 10:00
Konvertiten – einfache Gläubige

Wenn von Faulheit die Rede ist, darf das „Bedingungslose Grundeinkommen“ nicht fehlen. Wobei die Frontlinien in der Debatte oft unerwartet verlaufen.

| Von Rudolf Mitlöhner

Wenn man ein Philosophicum zum Thema „Mut zur Faulheit“ veranstaltet, dann liegt es nahe, die Eröffnungsdiskussion dem „Bedingungslosen Grundeinkommen“ zu widmen. Also jenem sozialpolitischen Konzept, das – je nach Standpunkt – dem menschlichen Hang zur Faulheit Vorschub leisten oder aber der menschlichen Selbstentfaltung ungeahnte Freiräume eröffnen würde. „Ein- und Auskommen ohne Arbeit?“ lautete der Titel des nach dem Hauptsponsor des Philo*sophicums benannten „Magna-Impulsforums“.
Überraschender(?) Weise waren sich die Diskutanten weitgehend einig, dass das „Bedingungslose Grundeinkommen“ (BGE) eine feine Sache wäre. Als Konvertit trat Thomas Vasˇek, Chefredakteur der Philosophiezeitschrift Hohe Luft, auf. Früher ein Gegner des BGE, sei er nunmehr dafür. Allerdings legte er es, ganz Philosoph, dialektisch an: Das BGE beantworte keine Fragen, sondern stelle welche – man solle es als Experiment ausprobieren, um fundiert darüber diskutieren zu können.

Das BGE als liberales Projekt

Der Wirtschaftspublizist Wolf Lotter (Mitbegründer von Brand eins) argumentierte indes, man dürfe das BGE nicht im landläufigen Sinne als „Alimentation“ verstehen, sondern als Beitrag und Absicherung von Selbständigkeit. Das BGE erscheint in dieser Perspektive mithin als ein (wirtschafts)liberales Anliegen schlechthin. Was den Moderator Michael Fleischhacker zur Bemerkung veranlasste, Lotter wolle das BGE „gegen seine Befürworter *verteidigen“.
In ein ähnliches Horn stieß der Schweizer Daniel Häne, Unternehmer und Mitinitiator der Volksinitiative „Für ein bedingungsloses Grundeinkommen“, der auch die Annahme, das BGE würde zu Arbeitsverweigerung führen, vehement als unbegründet zurückwies; vielmehr gehe es um eine andere Qualität des Arbeitens: „Wer tun kann, was er will, wird nicht faul, sondern tätig.“
Zu den Befürwortern, gegen die Lotter das BGE verteidigen wolle, dürfte man dann wohl die Politologin und Grundeinkommensaktivistin Margit Appel (u. a. Katholische Sozialakademie) zählen. Ihre Argumentation folgte, wenn man so will, keinem wirtschafts-, sondern einem sozialliberalen Impetus. Insbesondere die Verhandlungsmacht der Frauen hinsichtlich der Aufteilung der Arbeit, und zwar auch nicht erwerbsmäßiger, würde sie gerne durch ein „Bedingungsloses Grundeinkommen“ gestärkt sehen.

Und wer soll das zahlen?

Gewissermaßen als „Weißer“ erwies sich Hansjörg Tutner, Global Director Human Resources bei Magna: Ihm sei es eigentlich egal, ob es ein BGE gebe oder nicht. Sein Unternehmen sei als Arbeitgeber dermaßen attraktiv, dass man auch bei einem BGE Mitarbeiter finden würde – und im übrigen sei es auch jetzt schon schwierig, hochqualifizierte Leute zu finden.
Ach ja, und das obligate „Krokodil“ der Runde? Barbara Kolm , Präsidentin des Friedrich-Hayek-Instituts, stand in der Runde ziemlich allein auf weiter Flur. So wie Appel die klassische Befürworterin, war sie die klassische Gegnerin des BGE. Sie kam nicht als Konvertitin, hatte keine überraschenden intellektuellen Wendungen parat –nur Kritik an einer überzogenen Umverteilungspolitik des Staates, und eine vielleicht doch nicht ganz unwesentliche Frage: Wer soll das zahlen? Der Staat? Über mehr Schulden? Höhere Steuern? Aber mit solchen Spaßbremsen-Fragen kann man bei einem Philosophicum naturgemäß nicht wirklich punkten.

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