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45/2010 - Das Wagnis Familie (Rudolf Mitlöhner)
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Ungelesen , 14:56
Das Wagnis Familie

Die geplanten Kürzungen im Familienbereich haben für viel Aufregung gesorgt, zuletzt war von einer „Kehrtwende“ in der Familienpolitik innerhalb der ÖVP die Rede. Mit den eigentlichen Problemen hat das alles recht wenig zu tun.

Von Rudolf Mitlöhner

Irgendwann musste es ja wieder kommen: das Magazincover, das die sogenannte traditionelle Familie vorführt. Einmal mehr hatte profil die Nase vorn: Das Titelblatt der letzten Ausgabe zierten Papa, Mama und drei Kinder, Buben wohlgemerkt, nennen wir sie Franz, Karl und Anton – jawohl, natürlich alle fünf in Tracht, damit jeder gleich versteht: hoffnungslos rückständiges Modell. Titel dazu: „Die gescheiterte Familie“. Schuld daran: „Österreichs stockkonservative Familienpolitik“. Noch Fragen? Ein besonderes Gustostückerl konnte man auch bieten: Andreas Khol als Kronzeugen. „Familienpolitik ist gescheitert“, war das Interview mit ihm im Blattinneren überschrieben, im Bildtext: „Geläuterter Khol: ‚Mit dem moralischen Standpunkt kommen wir nicht weiter‘“

Inszenierter VP-Familienkrach

Wunderbar, dachte man sich da im ORF – und bat Khol sowie die Präsidentin des Österreichischen Familien*bunds Andrea Gottweis in die ZIB2 zum Streitgespräch. Der Moderator gab sich dann auch alle Mühe, den VP-internen Familienkrach zu inszenieren – doch die Rechnung ging nicht ganz auf: Khol und Gottweis waren leider doch nicht dumm genug, sich vom ORF ideologisch instrumentalisieren zu lassen.
Man muss die mediale Dramaturgie gerade bei solch aufgeladenen Themen immer mitreflektieren, darf dabei aber natürlich nicht den Kern der Sache aus dem Auge verlieren. Dieser besteht darin, dass Familie* strukturell immer vom Scheitern bedroht ist und keine Familienpolitik der Welt daran etwas ändern kann. Dass Ehen in früheren Zeiten hielten und aus ihnen mehr Kinder hervorgingen, ist ja kein Erweis moralischer Höherqualifikation vorangegangener Generationen, sondern Ergebnis vormoderner Bedingungen und kürzerer Lebenserwartung (die ihrerseits natürlich im Zusammenhang mit ebendiesen Bedingungen stand).
Es sagt jedenfalls nichts darüber aus, inwieweit diese Ehen jenem Ideal entsprachen, das man als das anspruchsvollste Modell menschlichen Zusammenlebens bezeichnen darf: der christlichen Ehe, basierend auf wechselseitiger Liebe und lebenslanger Treue, offen für Kinder, die man gemeinsam zu Liebe, Freiheit und Verantwortung erzieht.
Wer sich darauf heute, unter pluralistischen, modernen Verhältnissen, einlässt, begibt sich auf ungesichertes Gelände. Die solch riskantes Unterfangen wagen, sind – anders als der Mainstream der veröffentlichten Meinung nicht müde wird, zu suggerieren (siehe oben) – nicht Nachhut, sondern Avantgarde. Zwangsläufig können sie dabei auch scheitern – und statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass das passiert.
Es ist indes nicht nur die prinzipielle Verfasstheit offener Gesellschaften (die wir nicht zur Disposition stellen sollten), die das Gelingen von Ehe und Familie als Wagnis erscheinen lässt. Erschwerend kommt ein medial forciertes gesamtgesellschaftliches Bewusstsein hinzu, ein von Freizeit- und Unterhaltungsindustrie gespeistes Bild vom „guten Leben“, das auf den gesunden, aktiven, wohlhabenden Single (am besten im Doppelpack) fokussiert ist und in dem Kinder nicht vorkommen. Dort aber, wo diese Freizeit- und Unterhaltungsindustrie die Kinder schon entdeckt hat, ist sie tendenziell kontraproduktiv, weil sie das Leben mit Kindern nicht leichter, sondern schwieriger macht.


Ideal und Realität

Wie gesagt, Politik kann hier wenig tun. Konservative Politik sollte dennoch den Mut haben, nicht nur vom „der Realität anpassen“ zu faseln, sondern auch am Bekenntnis zur Familie als Ideal festzuhalten (sie ist es ja auch nach wie vor für viele junge Menschen, auch wenn sie es aus welchen Gründen immer dann nicht realisieren). Das kann man tun, ohne eine 14. und 15. Familienbeihilfe einzuführen oder die Familienbeihilfe bis 30 auszuzahlen. Denn – und insofern haben die Kritiker der „stockkonservativen Familienpolitik“ schon recht – Geld spielt natürlich eine Rolle, doch den Brandherd der familiären Nöte löscht man damit nicht.

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