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49/2017 - „Als ob der Himmel die Erde berührt“
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Alt 23.04.2005, 02:59
„Als ob der Himmel die Erde berührt“

Über den Ursprung, den Sinn und den vergessenen Sinn des Advents und seines Brauchtums.
Ein Gespräch über Nikolo, Silvesterknallen und die wilde Frau Holle.


| Das Gespräch führte Oliver Tanzer

Die Vorweihnachtszeit ist voll mit alten Traditionen, die mit ihren Ursprüngen oft wenig zu tun haben. Ein Interview mit dem Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti.

DIE FURCHE: Einige sehr laute Stimmen in der stillen Zeit warnen davor, dass die Gebräuche um den Advent und vor dem Weihnachtsfest verloren gehen oder abgeschafft werden könnten. Was nicht gefragt wird ist: wie ursprünglich – also im Sinne der Erfinder – ist denn eigentlich unsere Art, den Advent zu begehen?
Manfred Becker-Huberti: Der Advent, wie er heute gefeiert wird, erinnert wenig an das, was er eigentlich ursprünglich bedeutete. Es geht dabei nicht um unsere Ankunft an Weihnachten, sondern um die Ankunft von Weihnachten bei uns. Um die Geburt Christi zu feiern, hat man einen Festkreis gegründet, der sich an Ostern orientiert und an Ostern angelegt ist. Vor allem nämlich mit einer 40-tägigen Fastenzeit vorneweg. Advents-Quadragese hieß das früher. Heute erinnert daran noch das Martinsfest. An einen Tag also, an dem man noch alles tun kann, was einem danach verboten ist.
DIE FURCHE: Heute ist das Martinsfest nicht das Ende, sondern der erste kleine Auftakt zum großen Vor-Schlemmen vor dem noch größeren Fest-Schlemmen. Wie kam es zu dieser Verdrehung?
Becker-Huberti: Die Fastenzeit blieb bis in das 18. Jahrhundert bestehen und wurde dann ersetzt durch eine vierwöchige Vorbereitungszeit. Raffinierterweise fallen dabei zwei Gedenken in eines. Am 24. Dezember ist der Gedenktag von Adam und Eva, also an die Erbschuld. Der 25. aber ist der Geburtstag dessen, der die Schuld aus der Welt geschafft hat. Das Verbindungsstück zwischen diesen beiden ist der Apfel. Der Apfel symbolisiert einerseits die Frucht vom Baum der Erkenntnis – und damit die Sünde. Südlich der Alpen ist es übrigens eine Feige. Aber wichtiger: In der Hand der neuen Eva, nämlich Maria symbolisiert er die Erlösung und die Befreiung.
DIE FURCHE: Und so k