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Res publica
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Ungelesen , 10:46
Johann Wutzlhofer Johann Wutzlhofer ist gerade online
 
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„Es sind nicht nur Erzengel unterwegs; also muss man Systeme bauen, bei denen anständige Menschen nicht die Dummen sind“, ist der Schluss den Manfred Prisching aus seinen Beobachtungen von drei exemplarischen Beispielen – Doping, Wirtschaftskrise und Schwarzeschafeproblematik mit Provisions- und Consultingprofiteuren – zieht.

In den 80er und 90er Jahren konnte ich beobachten, dass Bücher wie „Intelligent Lügen“ oder „Lügen stärkt Intelligenz“ nicht nur in der Auslage von Buchhandlungen, sondern im Schaukasten einer Schule ausgestellt waren, d.h. auf dem Markt sind. Flexibilität wird in vielen Lebensbereichen dort eingefordert, wo sie dem eigenen Vorteil dient, auch zur Verharmlosung der Lüge, die vielfach keine Untugend mehr ist, sondern ein „Kommunikationsmittel“. Der Markt selbst, bekam in zunehmenden Maß „gottähnlichen“ Charakter, da das „Bestehen“ – besser noch das „Siegen“ – auf eben diesem Markt mehr oder weniger zum Bewertungsmittel erster Ordnung aufgestiegen ist. Gerade in der angeführten „Schwarze-Schafe-Problematik“ ist aus österreichischer Sicht zu beobachten, dass wir zumindest zwei ehemalige Finanzminister kennen, die bereits in ihrer Amtszeit hinsichtlich ihrer Loyalität ihrem eigenen Staat gegenüber, d.h. im Umgang mit ihrer eigenen Steuermoral, zumindest - wie sagt man das jetzt ohne mehrere Rechtsanwälte am Hals zu haben – am Rande von Steuergesetzen vorbei geschrammt sind. Gerade diese Finanzminister waren aber aus zwei Gründen sehr beliebt. Einerseits wegen ihrer Fähigkeit mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren, andererseits, da sie doch durch ihren eigenen „flotteren“ Umgang mit dem Gesetz eine Entlastung für das Gewissen jener Bürger/innen waren, die hinsichtlich Steuermoral das Zudrücken zumindest eines Auges alljährlich sehr nachdrücklich pflegen.

Im Abschnitt Dialog führt Oliver Tanzer ein Interview mit dem Ökonomen Hans Christoph Binswanger über dessen Buch „Geld und Magie“ (Die ökonomische Deutung von Goethes Faust), hier scheint jedenfalls der Versuch vorzuliegen, eine Antwort auf die wichtigsten Fragen der zu beobachtenden Zeitenwende zu finden. Die Analyse des Umstandes wie Geld zum Selbstzweck werden konnte, ohne dass wir es essen können oder damit von A nach B fahren können, sind doch die Güter der eigentliche Gegenstand des Wirtschaftens. Das Geld scheint aber seine Faszination vom Umstand zu beziehen, dass es einfach und sogar wertgesichert oft sogar durch Zinsen wertgesteigert in Banken in unbegrenzter Höhe bevorratet werden kann und damit ein wichtiges Grundbedürfnis – nämlich jenes nach Sicherheit – abdeckt. Dies erklärt auch das schnelle Eingreifen der Staaten zugunsten der Banken in der von eben diesen durch Übermut verschuldeten Krise. Aus der Geschichte lernen wir jedoch, dass unsere Urgroßväter und Großväter mit Geld nicht dieses Sicherheitsgefühl verbunden haben, wie wir dies seit mehreren Jahrzehnten tun können. Konnten diese doch nicht jedes beliebige Gut in beliebiger Menge und zu jeder Zeit gegen Geld eintauschen. Manchmal verlor das Geld beträchtlich an Wert. Bis hin zur Wertlosigkeit. Binswanger meint nun, ein Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit ist nicht nur anzudenken, sondern eine Notwendigkeit. Es sei also, um Katastrophen zu vermeiden, ein rasches Aufbrechen zu anderen Ufern des Denkens erforderlich. Die von mir oben erwähnten besonders kommunikativen österreichischen Exfinanzminister sind, das kann man jedenfalls ihren öffentlichen Stellungnahmen entnehmen, allerdings noch immer auf jenem Ufer wo das Geld mit all seinen Möglichkeiten liegt, sie vertrauen also noch den Sicherheiten der vergangenen sechs Jahrzehnte. Wo soll man nun sein, wenn man anständig bleiben aber doch nicht bei den Dummen sein will?

Johann Wutzlhofer
Forchtenstein

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  09:27:43 07.20.2005