ro ro

Themen-Optionen Ansicht

51/2009 - Heimatschutz für Kärnten (Claus Reitan)
  #1  
Ungelesen , 13:24
I Heimatschutz für Kärnten

Fragwürdige und skandalöse Vorgänge in Banken, Firmen und Politik vernichten Geld und prägen eine neue Gegenwart. Es fehlt manch handelnden Personen an Maß und Charakter, an Moral und Ethik. Verantwortung hat sich verflüchtigt.

Von Claus Reitan

Die Vorgänge sind atemberaubend: Milliarden an Euro werden vernichtet, Millionenbeträge verschenkt, Tausende Arbeitnehmer in Ungewissheit versetzt. All diese Umstände, die einen enormen Bedarf an Sanierung durch Steuergeld auslösen, spotten in der Tag jeglicher Beschreibung. Die Verantwortung der Verursacher scheint sich völlig verflüchtigt zu haben. Zurück bleiben ein handlungsfähiger und klarsichtiger Finanzminister Josef Pröll mit gut zwei Millionen Steuerzahlern, die gemeinsam die durch Charakter*losigkeit und Maßlosigkeit eingebrockte Suppe auszulöffeln haben.
Das alles ist samt und sonders mehr als eine Finanz- und Wirtschaftskrise. Es ist eine Krise des Denkens, der Entscheidungsfindung, der Haltung jener Personen, welche die Miseren verursachen.
Es ist einfach aufgezählt, was die Republik in die Wut und den Staat in neue Ausgaben treibt. Es sind unter anderem die abenteuerlichen Ideen und Geschäfte etwa der Kärntner Hypo-Bank, die direkt und indirekt bei Immobilien und bei Leasing-Yachten Geld verliert. Es ist die Unverfrorenheit, mit der in Kärnten die Politik Geldscheine verschenkt.

Kollektivschuld der Kärntner?

Kärnten sieht sich in der Interpretation durch seine führenden Kräfte derart als Sonderfall der Geschichte, dass es inzwischen auch von außen als etwas wirklich Besonderes wahrgenommen wird. Hier offenbart sich die Komplexität der politischen Gemengelage. Weil die Kärntner Politik Land und Leute stets als ein völkisches, verfolgtes, ständig in einem Abwehrkampf befindliches Kollektiv für ihre Strategien instrumentalisiert und missbraucht, trifft heute die geballte Wut über den Hypo-Skandal das ganze Land. Zu Unrecht. Es gibt keine Kollektivschuld. Auch nicht der Kärntner. Es gibt hingegen sehr wohl eine individuelle politische und unternehmerische Verantwortung. Um nur die Lebenden zu nennen: Landeshauptmann Dörfler, Ex-Hypo-Chef Kulterer etwa. Doch vor der Verteidigung der beiden, sie hätten nur das Beste für das Land getan, muss man Kärnten in Schutz nehmen. So können das die Kärntner gar nicht gewollt haben. Man hat nur auf jene, die das auch ausdrückten, nicht gehört. Auf die Schriftsteller Josef Winkler und Egyd Gstättner etwa, auf den Theater-Intendanten Dietmar Pflegerl.
Kärntens höchstrangige Landespolitiker und früheren Top-Banker sind in ihrer unfassbaren Unverschämtheit nicht alleine. Weitere zynische Informations- und Machteliten haben Plünderungsfeldzüge in Märkte, Beutezüge in öffentliche Haushalte unternommen. Schon jetzt fordern ermittelnde Beamte aus Innenministerium und Justiz mehr Kräfte, um die fragwürdigen Vorgänge etwa rund um die Meinl Bank oder den Verkauf der bundeseigenen Wohnbaugesellschaft Buwog aufzuklären. In einem Fall gingen Anlegergelder verloren, im anderen wurden unverständlich hohe Provisionen bei verdächtig nahe beisammen liegenden Angeboten bezahlt.

Kontrolle kann Haltung nicht ersetzen

Derzeit scheinen weder der Personalstand bei Aufsicht und Justiz noch deren Expertise auszureichen, um die skizzierten Vorgänge rasch aufzuklären und Verantwortlichkeiten klar auszumachen. Die Empörung in der Öffentlichkeit wird weiter zunehmen. Genährt wird diese aus dem Unverständnis für den Mangel an Kontrolle und der Gewissheit, für die Folgen aufkommen zu müssen. Die Ankündigung des Finanzministers, den Ländern die Grenzen des „monetären Abwehrkampfes“ (Dörfler) zu markieren, ist zu begrüßen, kommt spät und zeigt das tiefer liegende Problem eindrücklich auf.
Es fehlt an Moral und an Anstand, an Klarheit darüber, was sich gehört. Die Unverfrorenheit, mit der Dörfler & Co. erklären, für Kärnten mit der Hypo ein gutes Geschäft gemacht zu haben, belegt eindrücklich, dass auch sie wissen, wie sehr es für andere ein schlechtes war. Diese geradezu bösartige Kaltschnäuzigkeit charakterisiert den Verfall der Geschäftssitten, dem nicht nur mehr Kontrolle, sondern vor allem die richtige Haltung entgegenzusetzen ist.
  #2  
Ungelesen , 17:56
Johann Wutzlhofer Johann Wutzlhofer ist gerade online
 
Registriert seit: 20.01.2008
Beiträge: 21
Wenn viele von uns wieder einmal glauben oder hoffen, diese – vom später auf kärntnerisch seliggesprochenen Dr. J. Haider – zunächst ins nationale Lager„heimgeführte“ Bubenpartie, wäre nun wirklich am Ende, dann könnten wir uns, wie schon mehrmals, täuschen. Umgefärbt wird permanent, inhaltlich in den 80er Jahren auf ein – für allzu viele Menschen gut getarntes – Braun. Das schöne Blau, das von vielen irrtümlich als Europablau gedeutet wird, mutiert immer mehr zum Kornblumenblau und ist offensichtlich eine – leider gut funktionierende – Tarnfarbe. Mittels Tarnausdrücken, wie z. B. Österreich sei als Nation eine „Missgeburt“, die man für das offizielle Österreich wieder halbherzig zurückgenommen hat, wurden bei so manchem alten Kameraden, der sich über drei Jahrzehnte als unverstandener Verlierer fühlte, die alten Augen wieder zum Leuchten gebracht. Söhne von nunmehr wiederentdeckten „Verlierern“, die Haider aus seinem Elternhaus kannte, hatten bei Tisch einige Brocken von diesem ansteckenden „kameradschaftlichen“ Gedankengut, zum Teil unbewusst, internalisiert. Nicht zu vergessen eine reformunfähige rot-schwarze Koalition, in der ein – von allzu vielen Medien verwöhnter – „Teflonkanzler“ die ÖVP Europapartei sein ließ, diese umarmte, aber den aufsteigenden „Stern des Südens“ total unterschätzte bzw. glaubte ignorieren zu können, da er zunächst beinahe ausschließlich Stimmen aus dem bürgerlichen Lager abzog. Als dieser Kanzler dann doch auf dem Cover eines Wochenmagazines entkleidet wurde, musste der für diese „Nacktaufnahme“ Verantwortliche seinen Hut nehmen. Bald meinte aber auch dieser Kanzler, dass zehn Jahre nun genug wären. Die Wochenmagazine hatten einen neuen, attraktiveren Coverboy gefunden, seinen Namen muss ich wohl hier nicht nennen.
Die Buberlpartie war beim Eintritt in die schwarz-blaue Regierung der Pubertät – jedenfalls nach Jahren – gerade entwachsen und wurde vom damaligen „Stern des Südens“ nach einem Totalcrash im zweiten Jahr der Regierung in eine neue „hellere“, nämlich orangene Zukunft geführt. Auch wenn manche von uns es nicht wirklich wahrhaben wollten, nun sehen wir die Geisteshaltungen immer deutlich über den braun-blau-orangenen Wassern auftauchen. Wie meinte doch jener Mann, der in Discos auf nackte Busen seine Autogramme geschrieben hat: den anderen Parteien stehe der „Schweiß schon auf der Stirn“. Dies kann nur bedeuten, die Regierungsparteien seien von der Angst vor der durch weitere Kameraden aus Kärnten verstärkten FPÖ bereits schwer gezeichnet. Nun, Politik ist auch Kampf um Macht und kein Mädchenpensionat, und die Kampfrethorik haben die Herrschaften aus den diversen nationalen Lagern schon zu allen Zeiten gut beherrscht. Das zynische Lachen von Scheuch, Dörfler & Co. über eine dramatische Situation, die sie selbst verursacht haben, aber die Vertreter von ÖVP und SPÖ auszubaden haben, spricht Bände. Hochkommende Erinnerung an unselige Zeiten sind kaum mehr zu unterdrücken. Nicht wenige Hiebe und Stiche gegen den politischen Feind, aber auch untereinander, wurden im Lauf der Jahre ausgeteilt, doch man ist gehärtet aus Burschentagen und trägt die Wunden öffentlich und mit Stolz zur Schau. „Versöhnung“ wenn die gerade notwendige Taktik es erfordert. Nicht zimperlich sein, „hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, flink wie Windhunde“: Heißt Obstruktion statt Opposition, durchhalten, es gibt keine Lüge, diese nennt man Flexibilität, ein Modewort, verwendet auch von Herrschaften in den Konzernzentralen, in den Investmentbanken und den Spekulationszentren, die zum Teil auch in den „seriösen“ Geldinstituten eingerichtet waren bzw. immer noch sind. Hier ist man nicht weit von dieser Geisteshaltung entfernt, der Stil – jedenfalls im Umgang mit der Kundschaft – ist allerdings wesentlich „feiner“. Szenen aus den Portisch-Filmen zur Ersten Republik erscheinen vor dem geistigen Auge.
Und wir Bürgerinnen und Bürger? Vor allem in unserer Funktion als Wählerinnen und Wähler? Auch wir sind durch Konsum höheren geistigen Ansprüchen zum Teil entwöhnt, Esoterisches geht gerade noch. Spätestens jetzt wären wir aber zur genaueren Unterscheidung der Geister aufgerufen. Und die Regierung: Heraus aus den Deckungen aus Angst vor dem Verlust der dritten, vierten, fünften Wählerstimme, weg mit der Klientelpolitik mittels Pensionistenpreisindex. In Deckung gehen sollen Khol und Blecha, oberflächliche Solidarisierung mit den Studenten ist Showpolitik aus den 70er, 80er und 90er Jahren. Herr Vizekanzler, wenn der Obmann der Kärntner ÖVP – der auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der Landesholding ist – nicht selbst weiß, was er nun zu tun hat, dann müssen Sie es ihm schon auch sagen, selbst wenn er seine Handynummer gewechselt haben sollte. Herr Bundeskanzler, an der Staatsreform – zusammensetzen bis der „weiße Rauch aufsteigt“ – führt kein Weg mehr vorbei, auch wenn Ihnen der Geruch des weißen Rauches in der Nase stinkt. Sie müssen doch nicht genau jenes Papier verwenden, das nach der Papstwahl im Vatikan angezündet wird. Verwenden Sie doch das Papier, auf der die Regierungsvereinbarung geschrieben ist. Dank der durch die Banken verursachten permanenten Krisenszenarien könnten Sie die Zahlen, sollten überhaupt welche vereinbart sein, ohnehin vergessen. Und die Landesfürsten? Österreich zuerst, meine Herren, die ihr Steuern nicht einnehmen, sondern nur ausgeben müsst. Burgenland hat keine 300.000 Einwohner – aber 36 Landtagsabgeordnete und sieben Regierungsmitglieder. Von Sopron nach Wiener Neustadt – nur wenige Kilometer – fährt man über eine Staatsgrenze, zwei Ländergrenzen und mehrere Bezirksgrenzen. Viel zu viele Grenzen, auch in den Köpfen.
Mit freundlichen Grüßen aus dem Burgenland
Johann Wutzlhofer
Berufsschulehrer i. R.
Forchtenstein
  #3  
Ungelesen , 18:55
Neno Neno ist gerade online
 
Registriert seit: 23.12.2009
Beiträge: 1
Heimatschutz für Kärnten

Natürlich ist es traurig, dass eine Gruppe Ewiggestriger den Rest von Österreich so lange zum Narren halten konnte. Aber noch trauriger ist, dass sich der intelligentere und kritischere Teil der Öffentlichkeit lieber damit befasste, jene Gruppe zu verteufeln statt sie lächerlich zu machen. Ich glaube, dass vieles nur deshalb möglich war, weil keiner ihrer Kritiker je versuchte ihnen den Spiegel vorzuhalten; nur deshalb haben sie begonnen, selber an die eigenen Märchen zu glauben, daran, dass sie sogar Gesetze der Logik aufheben können. Haider hat daraus ein politisches Programm gemacht. Sie spielten zugleich Opposition und Regierung, Law-and-Order-Partei, deren Spitzenpolitiker den obersten Verfassungsrichter lächerlich machten, Polizisten anpöbelten und überfuhren, homophobe Kampagnen führten, obwohl ... etc. Der Mangel an Widerspruch ist daran schuld, dass sie alle mit der Zeit jegliche Bodenhaftung verloren, und der arme Haider hat offenkundig zum Schluss gar begonnen zu glauben, dass für ihn auch keine physikalischen Gesetze gelten ... Traurig, traurig. Aber wir alle, die wir sie verteufeln anstatt zu sagen: Guten Morgen, wissen Sie, wo Sie sind, und welches Datum heute ist, sind noch mehr schuld, dass das alles so passieren konnte.

Powered by vBulletin® Version 3.6.5 (Deutsch) | Copyright ©2000 - 2005, Jelsoft Enterprises Ltd.
ro
ro ro
Werbung
  05:30:55 07.20.2005