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02/2010 - Streitpunkt: Wirkt die Pille danach „frühabtreibend“?
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Ungelesen , 15:41
I Streitpunkt: Wirkt die Pille danach „frühabtreibend“?

Von
Regine Bogensberger

Das zur Notfallsverhütung freigegebene Präparat „Vikela“ (es wird seit Jahresbeginn von Sanova Pharma vertrieben), enthält 1,5 Milligramm Levonorgestrel. Der Wirkstoff ist ein synthetisches Gestagen oder Gelbkörperhormon. Im normalen Zyklus der Frau sorgt das Gelbkörperhormon dafür, dass eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet und im Fall einer Befruchtung erhalten wird.
Die Wirkungsweise des Levonorgestrel hängt davon ab, zu welchem Zeitpunkt im Zyklus es eingenommen wird. Wird es vor dem Eisprung geschluckt, verhindert es diesen. Der Eisprung verschiebt sich oder bleibt aus. (Das heißt, im selben Zyklus kann es trotz Pille danach immer noch zu einer Befruchtung kommen.) Diese Eisprung-verhindernde Wirkung liegt auch der „Antibabypille“ zugrunde (hier werden aber über längere Phasen des Zyklus Hormone zugeführt): Dem Körper wird durch die Hormondosis signalisiert, dass bereits eine Schwangerschaft vorliegt, dadurch kommt es nicht zum Eisprung (Ovulation). Über diese Wirkung herrscht wissenschaftlicher Konsens.
Umstritten ist aber immer noch die Frage, ob der Wirkstoff auch die Einnistung (Nidation) einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut negativ beeinflusst oder verhindert. Die Einnistung erfolgt in der Regel vier bis sechs Tage nach der Befruchtung. Diese Wirkung ist auch ideologisch von Belang, denn für bestimmte Gruppen (etwa für die katholische Kirche) wäre eine nidationshemmende Wirkung ethisch bedenklich, da gleichbedeutend mit einer Frühabtreibung, denn eine befruchtete Eizelle könnte sich nicht einnisten.

WHO: Unwirksam, wenn Einnistung begonnen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt in einem Faktenblatt 2005 fest: „Es konnte gezeigt werden, dass die ‚Pille danach‘ (Levonorgestrel) den Eisprung verhindert. Eine (negative) Wirkung von Levonorgestrel auf die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) oder die Produktion von Progesteron (Gelbkörperhormon) konnte nicht nachgewiesen werden, wenn die ‚Pille danach‘ erst nach dem Eisprung genommen wurde. Die ‚Pille danach‘ ist unwirksam, sobald der Prozess der Einnistung bereits begonnen hat. Die ‚Pille danach‘ führt zu keinem Schwangerschaftsabbruch.“ Auch eine Metaanalyse des Karolinska Institutet in Stockholm 2004 kam zu diesem Ergebnis. Das heißt demnach, dass die Einnahme der Pille danach zum Zeitpunkt des Eisprungs und danach keine Wirkung mehr hat und nur in der ersten Zyklushälfte wirksam ist.
Andererseits weist der Hersteller in einer aktuellen Gebrauchsinformation darauf hin (Juli 2009): „Vikela wirkt vermutlich auf folgende Weise: es verhindert, dass Ihre Eierstöcke eine Eizelle freisetzen; es verhindert, dass sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistet.“ Das Gesundheitsministerium und dessen Experten kommen zum Schluss: „Ob Levonor*gestrel die Einnistung bereits befruchteter Eizellen in die Gebärmutterschleimhaut hemmt, ist wissenschaftlich umstritten. Direkte Hinweise für eine solche Nidationshemmung existieren nicht.“

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