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  #11  
Ungelesen , 23:34
tulipan tulipan ist offline
 
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Sühneopfer-Theologie

Viel Gescheites wurde über dieses Machwerk des Herrn Moser schon geschrieben. Von mir nur eine kleine Ergänzung: Was ich da zwischen den bissigen und zynischen Parteipropagandazeilen des Herrn Moser herauslese, ist die alte Sühneopfer-Theologie: „Durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.“ Wende dich vertrauend deinem Herrgott zu, er ist für dich gestorben, nur durch ihn kommst du ins Himmelreich. Reduzierung des Topos Auferstehung auf die Rettung des Einzelnen aus der ewigen Verdammnis. Was es dazu braucht, ist das entsprechend infantile und einseitig negative Menschenbild. Klar ist: Die reale Welt ist oft brutal, sehr brutal. Doch: Sind wir nicht eigentlich doch potenziell unbegrenzt lernfähig, begabt die Güte der Schöpfung zu erkennen und uns für sie einzusetzen, ja sie kokreativ weiterzuentwickeln? Die Sühneopfer-Theologie ist grundlegend weltskeptisch, forciert den Blick auf ein Jenseits und übesieht dabei die kleinen Auferstehungen im Diesseits – nein, die darf ’s beim Herrn Moser nicht geben, wo kämnen wir denn da hin!
Dem entgegen steht eine optimische Theologie, die auch das persönliche und gesellschaftliche Tun als Teil des Heilsplanes sieht, die mit der Güte des Menschen rechnet: „Mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens.“ Es ist mir völlig unbegreiflich, warum Herr Moser – völlig unjesuanisch meines Erachtens – auf (grüne) Gutmenschen hinpeckt. Dabei kann die Welt nicht genug von ihnen haben!! Von Leuten, die die Ungerechtigkeiten menschlichen Zusammenlebens nicht als von Gott gegeben hinnehmen, sondern für eine menschenfreundlichere Welt einstehen und notfalls kämpfen und notfalls am Kreuz sterben. Wir können das Paradies erträumen und werden es doch nie erringen, gewiss. Aber ihm näher kommen, das sollten wir zumindest wagen.
J. Langer

Geändert von tulipan ( um 11:25 Uhr).
  #12  
Ungelesen , 14:48
A. K. A. K. ist offline
 
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@tulipan: Text „Sühneopfer-Theologie“; Glaubensverständnis

@tulipan
Ich möchte Sie nicht kränken und auch nicht über Ihr Glaubensverständnis mir ein Urteil anmaßen. Nur: Auf Basis Ihres Textes „Sühneopfer-Theologie“ frage ich mich, ob - und falls ja, wie - Sie das Glaubensbekenntnis beten. Ich bin modernen Ideen gegenüber durchaus aufgeschlossen, doch möchte ich weiterhin katholisch bleiben. Wie beantworten Sie für sich diese Frage?
  #13  
Ungelesen , 12:01
tulipan tulipan ist offline
 
Registriert seit: 20.01.2010
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Nachfolge

Wie ich es verstanden habe, wollte Jesus die ganzheitliche Befreiung des Menschen aus seinen eigenen und den sozialen Zwängen. Seinem Weg der personalen Zuwendung und gesellschaftlichen Einmahnung des „Gesetzes“ (also auch des Deuteronomiums!) möchte ich folgen, Gebete und Bekenntnisse im Zusammenhang mit einem „Sühneopfer“ kann ich tatsächlich nicht beten und konnte es auch nie.
J. Langer
  #14  
Ungelesen , 22:03
Leserbrief Leserbrief ist offline
 
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Durchsichtige Schwarz-Weiß- bzw. Grün-Malerei

Der Artikel von Christian Moser ist wahrlich kein Ruhmesblatt in der ansonsten von Qualitätsjournalismus geprägten Berichterstattung der FURCHE. Was der Autor unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit hier über die Grünen schreibt, ist in Wirklichkeit nichts anderes als ziemlich durchsichtige einseitige Schwarz-Weiß-Malerei (oder sollte man sagen Schwarz-Grün-Malerei?), die auch einem Leser, der nicht theologisch gebildet ist, auffällt. Herr Moser wirft den Grünen die Verwendung von „Totschlagvokabeln“ vor, verwendet sie selbst aber ungeniert in seinem Artikel (gouvernantenhaft, unfassbarer Tabubruch, Selbstgerechtigkeit, Unwissen, Irrtum etc.).
Der absolute „Höhepunkt“ ist seine Feststellung, dass die Christdemokraten „in ihrer Amtsausübung meist demütig und bescheiden auftreten“, während die Grünen selbstgerecht seien. Mit einer derart selbstgerechten Argumentation gibt sich der Autor der Lächerlichkeit preis.
OStR Mag. Rudolf Wimmer
4421 Aschach/Steyr
rudolf.wimmer@eduhi.at
  #15  
Ungelesen , 22:10
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Wir haben nicht mehr das Jammertal auf Erden

Mich erstaunt Herrn Mosers Meinung, dass er, weil ÖVP-Funktionär, definieren kann, was christliche Politik ist. Mich erstaunt seine Einschätzung, wenn jemand sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt, sitze er einer Selbsterlösungsidee auf. Und noch mehr, dass diese „Irrlehre der Sozialreligion … im Fahrwasser des Zweiten Vatikanums“ verbreitet worden sei.
Wir haben nicht mehr hier auf Erden das Jammertal für die Armen, die dann später im Himmel dafür belohnt werden, sondern wir haben Fähigkeiten und Möglichkeiten bekommen, uns umeinander zu kümmern, uns füreinander einzusetzen, über Grenzen hinweg und ohne Kalkül – sonst hätte uns Jesus nicht das Gleichnis vom barmherzigen Samariter erzählen brauchen. Dass dieses Bemühen nicht dazu führen wird, ein Paradies auf Erden zu erschaffen, wissen wir von der „sozialpädagogischen Intelligenz“ nur zu gut!
Ich empfehle Herrn Moser die Lektüre des Buches von Heiner Geißler „Was würde Jesus heute sagen? Die politische Botschaft des Evangeliums“ mit durchaus kritischen Anmerkungen zu den Aktivitäten der eigenen „christlichen“ Partei.
Hermenegilde Heubrandner
8051 Thal bei Graz
gilda.heubrandner@gmail.com
  #16  
Ungelesen , 18:47
carlo carlo ist gerade online
 
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Schlecht getarnte Parteiwerbung

Einen größeren Stuss, als den Artikel von Herrn Moser habe ich in der FURCHE noch selten gelesen. Gut, wir haben Wahlkampf, und da ist es sicher legitim, für die jeweils eigene Partei Werbung zu machen. Dass das aber so wie hier nur mit Loshacken auf politische Gegner gemacht wird – und das Ganze noch unter dem Deckmantel einer Analyse – das hätte der FURCHE-Redaktion schon auffallen müssen; solche elementaren Fehler in der Auswahl der Beiträge sollte es nicht wieder geben. Entweder der Autor macht eine Analyse einer politischen Partei in einer bestimmten Art und Weise, dann hat diese Analyse fundiert und neutral zu sein. Beide Voraussetzungen werden in diesem Pamphlet bei weitem verfehlt. Oder der Autor betreibt Werbung für die eigene Partei, dann frage ich: Wie groß war die Spende der ÖVP für die FURCHE nach deren weihnachtlichem Aufruf, dass man sich verpflichtet gefühlt hat, solchem Unsinn wie dem Artikel von Herrn Moser Raum zu geben?
Und was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass dieser Herr an der Uni Wien unterrichtet. Ist man da wirklich schon so tief gesunken, dass man auf junge Leute solche Menschen loslässt, bei denen schon ein Blinder mit Krückstock erkennen kann, wes Geistes Kind sie sind?
Ich bin zweifach enttäuscht: zum einen, dass in der FURCHE, die normal für qualitativ hochstehenden Journalismus bekannt ist, solcher Quatsch abgedruckt wird, und zum anderen, dass es in Österreich noch immer möglich ist, Leute wie Moser in einer einflussreichen Position anzutreffen. Ich werde mir jedenfalls in Zukunft sehr genau anschauen, was ich in der FURCHE vorfinde und dann meine Entscheidung entsprechend treffen.
Ing. K. Reiter
St. Kathrein/Off.
  #17  
Ungelesen , 16:51
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Bestenfalls katholisch, sicher nicht christlich

Nicht nur, dass Ihre Diktion und Ihre Gedanken atemberaubend seltsam sind, verwechseln Sie auch – wie so viele – offensichtlich katholisch mit christlich. Denn Ihre Gedanken sind im besten Fall katholisch, aber nie und nimmer christlich („Dogmen des christlichen Glaubens“ können jedenfalls nur katholische Dogmen sein).
Wenn Ihre Gedanken auch nur einigermaßen von der Volkspartei vertreten werden, kann ich verstehen, warum ein so großer Abgrund, ja vielleicht sogar Hass zwischen den einzelnen politischen Parteien in Österreich herrscht. Nicht falsch verstehen, ich bin weder „grün“ noch kritiklos gegenüber den Grünen (und allen anderen Parteien), aber diese extrem ausgeprägte Antipathie in Ihrem Artikel macht mich doch schaudern. Und gerade Sie als „Bereichsleiter“ public affairs sollten den Unterscheid zwischen Propaganda und kontroversieller Sicht der Dinge nicht nur verstehen, sondern auch behutsam in Ihre Rede einbauen.
Ing. Gerhard Fischer
1140 Wien, Steinböckengasse 6/19
gerhard.fischer@mcp-austria.at
  #18  
Ungelesen , 17:10
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Registriert seit: 15.11.2007
Beiträge: 423
Und wie christlich sind die Christdemokraten?

Herr Moser versucht den Grünen und in einem Aufwischen auch den Sozialarbeiter/inne/n und Lehrer/inne/n verächtliche Etiketten umzuhängen. Er will den Beweis erbringen, dass sie gar nicht christlich sein können und verwickelt sich dabei in absurde Widersprüche.
Ein Beispiel dafür sei genannt:
„Die Anhänger der Sozialreligion fordern die soziale Gerechtigkeit auf Erden und betrachten die Wirklichkeit als verdorben und böse, weshalb diese mittels Sozialtechniken verbessert und repariert werden müsse.“ Wenige Absätze weiter heißt es: „Daher kommt die Tendenz der Grünen, jede Person als Opfer der Gesellschaft und struktureller Diskriminierung zu betrachten, da sie von der prinzipiellen Gutheit des Menschen ausgehen.“
Dass Herr Moser Rousseau gelesen hat, bezweifle ich, sonst würde er es nicht wagen, dessen Werk in zwei Sätzen zusammenzufassen und ihn mit einem Nachsatz persönlich zu verunglimpfen. Ein Satz von Rousseau möge – Mosers Darstellung widersprechend – zu denken geben: „Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers hervorgeht; alles entartet unter den Händen des Menschen.“
Geradezu amüsiert hat mich Mosers Behauptung vom „Habitus der Christdemokraten, die in ihrer Amtsausübung meist demütig und bescheiden auftreten“.
Moser meint: „Die Positionierung der Grünen als zivilreligiöse politische Bewegung … ist … legitim, nur christlich ist sie mit Sicherheit nicht.“ (Haben sie meines Wissens auch nie behauptet.) Auch die Christdemokraten sind eine legitime politische Bewegung, die zum Wohl des Staates beiträgt, nur sehe ich selten Christliches durchschimmern.
Josef Kramer
4273 Unterweißenbach
josefkramer@gmx.at
  #19  
Ungelesen , 18:05
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Registriert seit: 15.11.2007
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Da ist jemand offenbar schwer gekränkt …

Die „Widerrede“ von Herrn Christian Moser lässt sehr viel Kränkung vermuten. Da wagt es ein Absolvent der ÖVP-Raab-Stiftung ein Amt bei den Grünen anzunehmen. Da kann einem schon mal die Emotion durchgehen! Aber dennoch würde ich von einem Mitarbeiter der Politischen Akademie der ÖVP und Lehrenden an der Universität Wien ein wenig mehr Sachlichkeit erwarten.
Schon allein im „gouvernantenhaften Fordern von Rauchverboten einen an Realitätsferne kaum mehr zu überbietenden Zynismus“ zu orten, scheint mir eine sehr selektive Wahrnehmung zu sein. Mit der Aburteilung all jener, die das Streben nach sozialer Gerechtigkeit als einen biblischen Auftrag sehen, als der „gnostischen Irrlehre der Sozialreligion“ anhängend bekommt auch gleich das Zweite Vatikanische Konzil sein Fett ab. Da wir täglich mit dem „faszinierenden Alleinstellungsmerkmal der Christdemokratie“ in seiner konkreten Ausformung konfrontiert sind, fällt es schwer, anzuerkennen, dass „das Soziale und das Marktwirtschaftliche als untrennbare Einheit“ das christliche Fundament bilden sollten, auch wenn dieses Zitat von Maria Schaumayer stammt.
Völlig skurril wird es aber, wenn Herr Moser dem „Habitus der Christdemokraten, die in ihrer Amtsausübung meist demütig und bescheiden auftreten“ die Grünen gegenüberstellt, die an die „Veredelungsfähigkeit“ der Menschen glauben und deshalb „gesellschaftliche Fortschrittsprojekte, egal ob in der Schule, in der Umwelt, in der Forschung, in der Familie, im Verhältnis der Geschlechter“ anstreben.
Eine Frage drängt sich mir allerdings schon auf – Wie kommt so ein Text in die FURCHE, die ich sonst als seriöse und inspirierende Zeitschrift schätze.
Traude Novy
edeltraud.novy@aon.at
  #20  
Ungelesen , 20:22
stein539 stein539 ist offline
 
Registriert seit: 30.01.2010
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Die ÖVP und ihr wahres Menschenbild

Genau so wenig wie ich ein Auto bin, nur weil ich in einer Garage stehe, ist die ÖVP christlich-sozial, nur weil es in ihrem Parteiprogramm steht.
Beispiel 1: Migrationspolitik
Jesus sagt in der Bibel: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35). Der ÖVP gegenüber müsste er sagen: „Ich war fremd und ihr habt mich kriminalisiert, eingesperrt und abgeschoben.“
Beispiel 2: Mitverantwortung an der Hypo-Alpe-Adria-Katastrophe
Gott sagt in der Bibel: „Wie Wasser flute das Recht, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“ (Amos 5,24). Zur ÖVP passt aber besser, was einige Kapitel weiter steht: „Wir wollen … das Maß kleiner und den Preis größer machen und die Gewichte fälschen“ (Amos 8,5).
Beispiel 3: Geschäftsöffnung am 8. Dezember
Gott sagt in der Bibel: „Gedenke des Sabbats (Feiertags): Halte ihn heilig!“ (Ex 20,8). Die ÖVP dagegen mischte bei der Demontage dieses Feiertags 1995 kräftig mit, obwohl ihr eigener Abgeordneter Franz Kranebitter in der ungleich schwierigeren Nachkriegszeit der 1950er Jahre für dessen Einführung kämpfte. Denn wer braucht heute noch im stressigen Advent zu den vier Sonntagen einen weiteren freien Tag zum Auftanken und Atemholen?
Wie sagt Jesus in der Bibel so treffend? – „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Mt 7,16).
Mag. Michael Steiner, Theologe
4061 Pasching, Ringstraße 32
mag.michael.steiner@aon.at

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