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49/2007 - Heilen mit nichts
  #1  
Alt 04.12.2007, 12:58
Die Homöopathie ist nicht wissenschaftlich begründbar. Doch bleibt sie populär.
Eine Polemik von Krista Federspiel.

Das britische Gesundheitssystem dreht homöopathischen Einrichtungen den Geldhahn zu, in den USA weht dem nationalen Zentrum für komplementäre und alternative Medizin scharfer Wind entgegen, in Deutschland tobt eine Kontroverse zwischen ZDF und Homöopathen. Was ist geschehen? In der Medizin haben sich wissenschaftlich überprüfbare Kriterien – Stichwort Evidenz – durchgesetzt. Von der „evidenzbasierten Medizin“ sind bereits viele Veränderungen ausgegangen. Denn mit so genannten randomisierten Doppelblindstudien lässt sich überprüfen, welche Behandlung bei einer Krankheit den größten Erfolg verspricht. So können Placebo-Effekte ausgeschlossen, therapeutische Irrtümer vermieden, Gelder eingespart werden.

Mächtiger Placebo-Effekt
Der Placebo-Effekt – die Wirkung, die ein Scheinmittel auslösen kann – ist ein mächtiges Heilmittel. Er entsteht durch die Hoffnung auf Linderung einer Krankheit und fußt auf Erwartungen an den Arzt; er wird verstärkt durch die Überzeugung des Mediziners, helfen zu können, durch die medizinischen Rituale und den gemeinsamen Glauben von Arzt und Patient an das Mittel. Placebo-Effekte machen bei jeder Behandlung ein Drittel und mehr des Behandlungserfolges aus. Placebos können sogar messbare biologische Veränderungen bewirken: Körper, Geist und Psyche sind viel enger verwoben, als man gemeinhin glaubt. Klug ist der Mediziner, der Placebo-Effekte nützt. Darüber hinaus sollte er jedoch auch ein potentes, wirksames Mittel einsetzen, das die Krankheit tatsächlich eindämmt.
Früher gaben Homöopathen an, ihre Methode sei so individualisiert, dass man sie nicht klinisch überprüfen könne. Als deutlich wurde, dass der Weg zur Anerkennung ihrer Medizin nur über den klinischen Nachweis gehen kann, bemühten sie sich, den Erfolg homöopathischer Behandlung mit klinischen Studien zu belegen. Veröffentlicht wurden viele Tests mit positiven Ergebnissen – so kamen zum Beispiel im Jahr 1995 nur ein Prozent aller in alternativen Fachzeitschriften publizierten Untersuchungen zu einem negativen Ergebnis.

Negative Fakten ...
Eine Meta-Studie – eine systematische Überprüfungen vorliegender Studien nach ihrer Qualität und Aussagefähigkeit – unter der Leitung des Berner Epidemiologen Matthias Egger hat schließlich eindeutig belegt: Je genauer der Test-Aufbau nach wissenschaftlichen Kriterien, desto geringer die Effekte homöopathischer Behandlungen. Das Ergebnis wurde im August 2005 in der anerkannten Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht. Lapidar forderten die Herausgeber die Homöopathen auf, endlich offen zu bekennen, dass ihre Methode ein Placebo sei. Die Schweizer Regierung schloss Homöopathie aus der Kassen-Erstattung aus. Ein Sturm der Entrüstung brach los; den kritischen Forschern wurden Fehler vor- und Schmähungen nachgeworfen. Doch Fakten konnten die Homöopathen der Kritik nicht entgegensetzen. Das konnte nicht einmal das Zent*rum für alternative Medizin (NCCAM) in den USA, dem im letzten Jahrzehnt 200 Millionen Dollar für Forschung zugeflossen waren. Nun sehen sich homöopathische Ärzte auch in Deutschland massiver Kritik ausgesetzt. Die Stiftung Warentest bewertete die Homöopathie als „zur Behandlung von Krankheiten ungeeignet“. An den Befürwortern prallte die fundierte Kritik ab: Als vor zwei Monaten im ZDF Joachim Bublath im Beitrag über „Die modernen Wunderheiler“ Homöo*pathika als „nicht wirksamer als Placebos“ einstufte, lösten diese eine Protestwelle aus und riefen gar zum E-Mail Terror auf. Schließlich kapitulierte das ZDF und nahm den Beitrag aus dem Internet. Attacken statt Beweisen.

... und positives Image
Warum sind so viele Patienten überzeugt von der Homöopathie? Weil sie ihnen gut tut: Homöopathie ist – ihrer Marketing-Strategie gemäß – sanft, biologisch und nebenwirkungsfrei; sie stärkt mit geringer Dosis die Selbstheilungskräfte statt „giftige“ Chemie einzusetzen, behandelt individuell nicht nur die Krankheit, sondern den ganzen Menschen. Diese Versprechen werden von allen Medien verbreitet. Sie treffen punktgenau auf die Wünsche verunsicherter Patienten; sie sind der Wirkstoff, der bis heute die Sympathie für dieses 200 Jahre alte, geschlossene Medizinsystem erhält. Der Glaube versetzt Berge, und wer sanfte Hilfe erwartet, wird sich nach ein paar Tropfen oder Globuli besser fühlen.
Homöopathie ist die bei uns am meisten verbreitete alternative Heilmethode. Sie wurde von dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann (1755–1843) entwickelt. Ihre Grundlage – von Selbstversuchen mit Chinarinde abgeleitet – ist das Simileprinzip: Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden. Ein homöopathisches Mittel wird so ausgewählt, dass die Symptome, die es bei Gesunden auslöst – das so genannte „Arzneimittelbild“ – den Symptomen und Beschwerden des Kranken, dem „Symptombild“, möglichst ähnlich sind. Jedes Mittel wird nur an Gesunden, nicht an Kranken erprobt. Unter der Vorstellung, dass sich mit Verschütteln oder Verreiben die Wirksamkeit des Mittels verstärke, werden die Grundstoffe in mehreren Schritten entweder 1:10 (D-Potenzen), 1:100 (C) oder 1:50.000 (Q oder LM) verdünnt und verschüttelt (siehe auch Kasten: Potenzen). Je dünner die Lösung, desto höher angeblich ihre „Potenz“, um die „verstimmte Lebenskraft“ wieder zu normalisieren. Heute erklären Anwender die Wirkung damit, dass die „Information“ des Wirkstoffes durch Schütteln dem Lösungsmittel Wasser aufgeprägt werde. Neueste Erklärungsversuche für Laien bemühen sogar die Quantenphysik.

Wider die Wissenschaft
Dieses Konzept ist wissenschaftlich nicht plausibel: Es widerspricht der Logik, den Naturgesetzen und medizinischen Erkenntnissen. Der berühmte Chinarinden-Versuch, auf dem die Lehre beruht, war ein Irrtum: Obwohl Chinarinde die Körpertemperatur senkt, empfand Hahnemann nach der Einnahme Fieber. Möglicherweise eine allergische Reaktion. Auch die „Arzneimittelprüfungen“ ohne Ausschaltung eines möglichen Placeboeffekts sind nicht akzeptabel. Bei Wiederholungen von Hahnemanns ursprünglichen „Arznei-Tests“ konnten seine Angaben nicht bestätigt werden. Hochpotenzen ab D 23 bzw. C 12 enthalten kein Molekül des Grundstoffes. Wie sollen Tropfen, die nur noch aus Lösungsmitteln bestehen, wirken? Ein Wassergedächtnis, das „Information“ aufnehmen könnte, gibt es nicht. Und schließlich soll der Hinweis auf die Quantenlogik bloß den Nonsens der Lehre verschleiern (siehe auch Kasten: Fragen).

Heftige Diskussionen
Hahnemanns Lehre löste schon zu seinen Lebzeiten heftige Diskussionen aus und es kam zu einer Flut von Streitschriften. Schon die damaligen Tests mit Homöopathika verliefen negativ. In der Hoffnung auf Einsparungen im Gesundheitswesen erprobte man im Dritten Reich neuerlich homöopathische Mittel – mit letalen Erfolgen für die Patienten. Doch das fatale Ergebnis wurde erst in den 1960er Jahren publik. Seit damals mehrten sich die kritischen Stimmen. In der Marburger Erklärung von 1992 bezeichneten 16 Universitätsprofessoren die Homöopathie als „Irrlehre“ und „Täuschung des Patienten“. 2004 stellte die Académie de Médicine Française fest, dass sie auf „Vorstellungen ohne jegliche Absicherung“ gründet. Am öffentlichen Image hat das nicht gekratzt: Der Streit mit der etablierten Medizin hat bei Patienten die Neugierde und das Wunschdenken, nicht ihr kritisches Nachdenken, angespornt. Schon Hahnemann war ein geschickter Vermarkter, verschaffte sich Zutritt zum Adel und nutzte geschickt die Mundpropaganda. Noch heute verbreiten die Medien meist unkritisch die Mär von der sanften Medizin (siehe auch Kasten: Grundstoffe).

Placebo mit Nebenwirkung
Zum Fortschritt der Medizin hat die Homöopathie nichts beigetragen. Seit 200 Jahren unverändert, heilt sie mit nichts. Doch auch Placebos haben Nebenwirkungen. So besteht die Gefahr, dass eine dringend notwendige Behandlung versäumt wird: Manche Homöopathen bieten ihre wirkungslose Medizin sogar für Kinder mit Lungenentzündung oder für HIV-Infizierte an. Homöopathen sind in der Mehrzahl Impfgegner. Sie haben auf Eltern so großen Einfluss, dass die Bevölkerung nicht mehr ausreichend durchgeimpft ist; so ist zum Beispiel der Schutz vor den gefährlichen Masern nicht mehr sicher. Nach wie vor bieten Homöopathen Malariaprophylaxe an – obwohl das schon einigen Menschen den Tod gebracht hat. Homöopathen schmähen die „Schul“-Medizin als aggressiv. Nun, die konventionelle Medizin kann in solchen Fällen immerhin lebensrettend eingreifen.

Die Autorin ist freie Medizinjournalistin und GWUP-Mitglied (Gesellschaft der Skeptiker).


Potenzen
Potentenzieren am Beispiel von Salz, das ein häufig eingesetztes Homöopathikum ist:
D3 = 1 Gramm Salz gelöst in 1 Liter Wasser
D4 = 1Gramm Salz gelöst in einem Eimer Wasser
D20 = 1 Gramm Salz gelöst im Atlantik
D23 = kein einziges Molekül Salz mehr in einem Fläschchen
D27 = 1 Gramm Salz verdünnt in der Menge der ganzen Erdmasse
C30 = die gebräuchlichste Verdünnung: ein Salzkorn in Zehntausendmilliarden Kugeln, jede so groß wie das gesamte Sonnensystem


Fragen
Jedes Lösungsmittel – sei es noch so rein – enthält eine Vielzahl von Verunreinigungen. Sie werden bei jedem Verdünnungsvorgang zugesetzt. Woher weiß das Homöopathikum, dass es nur die Information der Ursubstanz potenzieren darf?
Was ist mit den Informationen der Verunreinigungen? Und warum haben die Salzkörner keine potenzierte und heilsame Wirkung, wenn man den Salzstreuer über dem Essen schüttelt?


Böse Grundstoffe
Es ist ein Irrtum, dass nur harmlose Pflanzen verarbeitet werden. Hier eine Auswahl aus der Fachliteratur:
Amber (aus dem Darm des Pottwals)
Arsen
Bettwanze
Blei
Brustkrebs-Nosode (aus Tumorgewebe)
Chloroform
Eiterflüssigkeit (aus Krätzebläschen)
Fliegenpilz
Formaldehyd
Getrocknete Tintenfischtinte
Haschisch
Hundemilch
Iridium
Kakerlaken
Korallen
Kreuzspinne
Maisbrand
Menschenfloh
Nickel
Ohrenqualle
Pocken-Nosode
Quecksilber
Rindergalle
Röntgenstrahlen (eine bestrahlte Alkoholampulle)
Schierling
Stinktiersekret
TNT
Tripper-Nosode
Vogelspinne
Zyankali

nach W. Boericke: „Handbuch der homöopathischen Materia medica“, Stuttgart 2004.
  #2  
Alt 05.12.2007, 13:30
marak marak ist offline
 
Registriert seit: 20.10.2007
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Arroganz des Skeptikers

Als Skeptiker lässt es sich leicht leben. Allem voran: Ich bin kein Verfechter von pro oder kontra Homöopathie, sondern lediglich am Thema interessiert. Dazu ein paar Aspekte und Denkansätze, die obiger einseitiger Artikel einfach erfordert:
Zum Thema Placebo: Bei Babies und Kleinkindern konnte ich verblüffende Effekte nach der Gabe von Globuli miterleben. Auch ich selbst versuchte diese Heilform – und interessanterweise verschwand danach eine recht häufige und unangenehme Beschwerde komplett, obwohl ich den Homöopathen nur eines anderen Problemes wegen aufsuchte. Ich hörte auch schon von guten Erfolgen bei der Anwendung bei Tieren.
Ich denke, man muss kritisch bleiben, nicht nur jeglichem Heilsversprechen gegenüber, sondern auch und vor allem den „wissenschaftlichen Messmethoden“ gegenüber. Wer maßt sich an zu sagen, dass wir bereits am endgültigen Höhepunkt der wissenschaftlichen Methoden, der Wissenschaft an sich sind? Rückblickend gibt es in der Historie der Menschheit viele Situationen, in denen für uns unverständlich gehandelt wurde: Die Erklärung im nachhinein lautet meist: „Damals war XYZ noch nicht entdeckt/bekannt.“ Fachexperten und Wissenschaftler mussten miterleben, wie sich ihre Axiome einfach so in Luft auflösten – oder als unvollständig erwiesen.
Es kommt mir vor, als hätten wir derzeit einfach (noch?) nicht die richtigen Messinstrumente, bzw. die geeignete Vorstellung von „Messen“, um das, was z. B. Homöopathie macht oder nicht macht, eindeutig in das Denk-, Mess- und Werteschema der Menschheit des 20./21. Jahrhunderts einzuordnen. Das einzige was uns dabei nicht weiterhilft, ist Arroganz.

Geändert von Leserbrief (06.12.2007 um 10:00 Uhr).
  #3  
Alt 05.12.2007, 17:41
Leserbrief Leserbrief ist offline
 
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Beiträge: 423
Die Grenzen der „Wissenschaft“

Dieser Beitrag nennt sich im Untertitel „eine Polemik“ – und genau das ist es. Polemik = scharfer, oft persönlicher Angriff ohne sachliche Argumente!
Die Autorin gehört offensichtlich zu der heute weit verbreiteten Klasse der absolut wissenschaftsgläubigen Menschen, die (in diesem Fall) durch die Argumente der Pharmaindustrie und der vorherrschenden Meinung der Schulmedizin soweit in ihrer Urteilsfähigkeit eingeschränkt sind, dass ihrer Meinung nach nur das Gültigkeit besitzt, was von irgendwelchen sog. Wissenschaftlern oder Professoren verkündet wird.
Dass die Homöopathie und auch alle anderen alternativen Heilverfahren von der Schulmedizin seit vielen Jahren auf das Schärfste bekämpft und als Quacksalberei abgetan werden, ist kein Geheimnis. Die Pharmaindustrie mit ihrer mächtigen Lobby ist in erster Linie daran interessiert, ihre Produkte zu verkaufen und ist in der Auswahl ihrer Mittel alles andere zu verunglimpfen noch nie zimperlich gewesen.
Ich kenne Bäuerinnen, die seit Jahren mit Erfolg ihre Rinder mit Homöopathie behandeln, weil ihnen die Honorare der Tierärzte zu hoch sind. Es aber gibt auch Tierärzte, die homöopathische Mittel verwenden, und ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Kuh oder ein Hund zwischen einem Pharmaprodukt und einem homöopathischen Globulus unterscheidet. Oder gibt es den Placebo-Effekt auch in der Tierwelt? Es würde mich wundern …
Ich habe selbst über 30 Jahre im Wissenschaftsbetrieb gearbeitet, ich weiß, wie manche Analysen zustande gekommen sind, auf Grund derer dann wichtige, „wissenschaftlich begründete“ Aussagen gemacht wurden. Mein Vertrauen in diese Aussagen, und mögen sie aus noch so renommierter Quelle stammen, hält sich in Grenzen. Von der Wissenschaft wird heute behauptet, dass es bestimmte Dinge nicht gibt, weil man sie nicht beweisen kann. Dass man manche Dinge nicht beweisen kann, heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt, sondern dass die Wissenschaft bisher noch nicht in der Lage ist, Instrumente zu bauen, mit deren Hilfe ein Nachweis möglich ist.
Zu den sog. wissenschaftlichen Untersuchungen der Homöopathie und den angeführten Doppelblind-Studien möchte ich nur sagen: Mit Statistik lässt sich alles beweisen, und am Ende steht immer das, was der Auftraggeber sehen will (siehe die unzähligen Studien zur Schädlichkeit der Handystrahlung).
Diese Polemik ist es nicht wert gelesen zu werden, schade um den Platz in der FURCHE, da hätte man was G’scheiteres drucken können!
Ing. Karl B. Reiter
8171 St. Kathrein am Offenegg
carl.reiter@aon.at
  #4  
Alt 05.12.2007, 17:43
Leserbrief Leserbrief ist offline
 
Registriert seit: 15.11.2007
Beiträge: 423
Viel Kluges

Selten habe ich so viel Kluges zu dem Thema gelesen, wie in dieser Ausgabe der FURCHE.
Herzlichen Glückwunsch!
Univ.-Prof. Dr. Josef Smolle
Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Dokumentation
Medizinische Universität Graz
8010 Graz, Billrothgasse 18a/7
josef.smolle@meduni-graz.at
  #5  
Alt 05.12.2007, 20:20
helmut_hoenig helmut_hoenig ist offline
 
Registriert seit: 09.10.2007
Beiträge: 1
Gute Zusammenfassung

Wieder einmal eine gute Zusammenfassung eines kontroversen Themas. Gratulation der FURCHE für das gesamte Dossier!
Zwei kleine Anmerkungen:
1. Im Kasten „Böse Grundstoffe“ zu Frau Federspiels Artikel scheint auch die Tinte der Tintenfische auf (im Fachjargon auch „Sepia“ genannt). Diese wird allerdings schon seit langem als Lebensmittelfarbstoff – etwa für die schwarzen Spaghetti – verwendet. So böse ist dieser Grundstoff also wieder nicht. Das soll aber nicht heißen, dass alles in der Homöopathie harmlos ist. Die Giftigkeit der anderen in der Liste genannten Stoffe ist hinlänglich bekannt, und nicht immer werden diese in solchen Verdünnungen (Potenzen) verschrieben, dass die Giftwirkung vernachlässigbar ist. Und die gegebene Liste war ja nur eine Auswahl: Stibium D4 etwa (Antimonglanz) kommt im Zusammenwirken mit unserer Magensäure schön an die Grenze der Toxizität dieses Schwermetalls heran, für welches keine Funktion in unserem Körper bekannt ist (anders etwa als beim ebenfalls giftigen Cadmium). Ich habe auf die Einnahme dieses gegen Auswirkungen einer Borreliose verschriebenen Mittels verzichtet.
2. Auch Gratulation zur „Bekanntmachung“ von Doz. Machatschek, den ich auf Grund seiner Artikel im „Kleingärtner“ sehr schätze und dessen Erkenntnisse durchaus in meine Vorlesung „Naturstoffchemie“ einfließen.
Univ.-Prof. Dr. Helmut Hönig
Institut f. Organische Chemie
Technische Universität Graz
8010 Graz, Stremayrgasse 16
helmut.hoenig@tugraz.at

Geändert von Rudolf Mitlöhner (06.12.2007 um 09:46 Uhr).
  #6  
Alt 06.12.2007, 13:00
Babaji Babaji ist offline
 
Registriert seit: 06.12.2007
Beiträge: 1
Diffamierend

Ich bin von diesem Artikel sehr enttäuscht, alleine die Überschrift ist diffamierend. Die Autorin hat wohl nicht sehr gut recherchiert, denn sonst wüsste sie z. B., dass Homöopathie bei Babys und Kleinkindern sehr gut helfen kann, und da ist ein Placebo-Effekt wohl eher auszuschließen.
Eine 200 Jahre alte Heilmethode als völlig nutzlos hinzustellen, ist traurig. Auch eine Liste mit gruselig klingenden Grundstoffen ohne weitere Erklärung zu veröffentlichen, halte ich für unseriös.
Auch zur TCM ließe sich mehr sagen, die wirkt in China schon über 2000 Jahre …
Schade, dass das interessante Thema der Alternativmedizin so ungenügend behandelt wurde!
  #7  
Alt 08.12.2007, 14:09
rotgold rotgold ist offline
 
Registriert seit: 08.12.2007
Beiträge: 2
verblüffend, …

… wie arrogant frau federspiel schreibt. wenn in einem artikel die allwissenheit suggerierenden worte „… gibt es nicht“ fallen, ist auch der rest nicht ernst zu nehmen. schade um den platz, die zeit und die energie. es gibt weit spannendere (und durchaus skeptische) zugänge zum thema homöopathie.
ps: phänomene, die wir nicht wahrnehmen, aber messen können, gibt es (schallbereiche, die z. b. hunde, nicht aber menschen hören können) – phänomene, die manche/viele wahrnehmen, wir aber nicht messen können, gibt es nicht?

Geändert von Leserbrief (10.12.2007 um 12:48 Uhr).
  #8  
Alt 10.12.2007, 12:24
Leserbrief Leserbrief ist offline
 
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Alles, was Recht ist!

Recht haben die, die möglichst viele teure Studien finanzieren können, nur die mit den „passenden“ Ergebnissen veröffentlichen – und das oft mit Angaben, die selbst die bescheidensten Resultate großartig erscheinen lassen (z. B. relative Risikoreduktion statt number needed to treat). Recht haben die, die schon bald ihre Patienten nach raschem Durchlauf durch die Diagnosestraße nach den vom Computer ausgespuckten evidenzbasierten Vorgaben behandeln werden – und nur die werden dann noch Recht haben. Recht haben auch die, die mit Kanonen auf Spatzen schießen, solange es der Baum, auf dem die Spatzen sitzen, gerade noch aushält.
Nicht Recht haben dagegen z. B. Eltern, die ihrem Kind die sechste Antibiotikatherapie in kurzer Abfolge ersparen, oder chronisch Kranke, die den Rückweg aus der Chronifizierung versuchen wollen und sich mit diesen Anliegen an einen Homöopathen wenden. Und schon gar nicht Recht haben diese sturköpfigen Homöopathen selber, die ohne Legitimation durch die Wissenschaft, allein auf ihr ohne jede Evidenzbasis dastehendes Heilsystem und die damit gemachten (wahrscheinlich durch eine unangenehme Verquickung von Wunschdenken und Betriebsblindheit entstandenen) positiven Erfahrungen vertrauend, versuchen, diesen Leuten zu helfen.
Angeblich gehen immer noch einige „profil“-Leser zum Homöopathen, und vielleicht werden sich auch manche Leser der FURCHE durch die jetzt auch in dieser Zeitung vorzufindenden (und schon eher als Kampagne, denn als kritische Berichterstattung imponierenden) Artikel nicht abschrecken lassen. Es gibt sicher mögliche Kritikpunkte, und jemand, der auf wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit Wert legt, wird mit der Homöopathie (noch?) nicht glücklich werden. Was mir aber zu denken gibt, ist das völlige Fehlen einer auch nur angedeuteten möglichen Gegenposition und eine Argumentation, aus der fast so etwas wie ein Vernichtungswille spricht. So werte ich etwa den Verweis auf die medizinischen Versuche der Nazis, die wohl nur zum geringsten Teil die Homöopathie betroffen haben.
Würde ich – als Arzt, der einen Teil seiner beruflichen Zeit der Homöopathie widmet – derartige Anwürfe ernst nehmen, bliebe mir nur noch die Entscheidung zwischen verblendeter Unbedarftheit und Gewissenlosigkeit. Beides möchte ich hier gerne zurückweisen!
Dr. Helmar Feigl
3323 Neustadtl, Kleinwolfstein 49
  #9  
Alt 10.12.2007, 12:41
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Vier Fragen

Zur Polemik von Krista Federspiel habe ich ein paar Fragen an die Autorin, deren Antworten mich heftigst interessieren.
Frau Federspiel schreibt:
„In der Hoffnung auf Einsparungen im Gesundheitswesen erprobte man im Dritten Reich neuerlich homöopathische Mittel – mit letalen Erfolgen für die Patienten. Doch das fatale Ergebnis wurde erst in den 1960er Jahren publik. Seit damals mehrten sich die kritischen Stimmen.“ Weiters führt sie an, homöopathische Behandlung sei gefährlich und habe schon mehreren Menschen den Tod gebracht (Stichwort Malariaprophylaxe).
Frage 1: Halten Sie Tests und Erprobungen des nationalsozialistischen Reichsgesundheitsamtes für verlässlich, seriös – und wollen Sie sich ernsthaft darauf berufen bzw. finden Sie es angebracht, auf der Grundlage medizinischer Versuche im Nationalsozialismus die Homöopathie anzugreifen?
Frage 2: Fänden Sie es angebracht, aufgrund der im Dritten Reich von Ärzten durchgeführten Tests, Versuche und Erprobungen, die für die Patienten letal endeten, gegen die Schulmedizin zu polemisieren?
Frage 3: Wieviele schulmedizinische Behandlungen haben wievielen Patienten den Tod gebracht bzw. wieviele gegen Malaria geimpfte Patienten sind dennoch an Malaria gestorben?
Frage 4: Würden Sie deshalb die Schulmedizin als gefährlich bezeichnen?
In Erwartung Ihrer geschätzten Stellungnahme verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
k.unterrieder@aon.at
Antwort von Krista Federspiel siehe unten!

Geändert von Leserbrief (12.12.2007 um 12:04 Uhr).
  #10  
Alt 10.12.2007, 13:02
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Trügerischer Wahn

Herzlichen Dank an die FURCHE und an die Autoren dieses Dossiers, die hoffentlich verhindern geholfen haben, dass die Menschheit mühsam erarbeitete Forschritte der letzten Jahrhunderte über Bord wirft und sich einem trügerischen Machbarkeitswahn zuwendet, in dem sie Scharlatanen restlos ausgeliefert ist.
Friedrich Griess
f.griess@griess.st1.at

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