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Zu den Fragen von Klaus Unterrieder (s. o. „Vier Fragen“)

Zur Malariaprophylaxe: In Deutschland wurde das Mittel „Malaria 2000“ von Homöopathen an Patienten abgegeben, die eine Reise in ein malariaverseuchtes Gebiet antraten. Allein im Münchner Institut für Infektions- und Tropenmedizin mussten laut Aussage von Prof. Thomas Löscher mehrere Patienten gegen Malaria behandelt werden, weil sie sich – trotz der homöopathischen „Prophylaxe“ – infiziert hatten. Einer der Patienten konnte nicht mehr gerettet werden. Daraufhin beteuerte eine deutsche homöopathische Ärztegesellschaft, dieses Mittel nicht mehr anzuwenden. Das entspräche ja auch der Lehre Hahnemanns: In der Homöopathie gibt es keine Prophylaxe!
Im heurigen Jahr dokumentierte allerdings ein englisches TV-Team, dass Londoner Homöopathen nach wie vor „Malariaprophylaxe“ durchführen. Das war mit ein Grund, warum das nationale Gesundheitswesen (NHS) ab 2008 die Zahlungen an homöopathische Einrichtungen einstellt. Übrigens sind u. a. in der alten DDR drei Todesfälle von Kindern bekannt geworden, die statt einer wirksamen Arznei Homöopathika erhalten haben. Der Arzt wurde verurteilt. Ich selbst hatte bei einer TV-Diskussion mit einer homöopathischen Ärztin zu tun, die bei Lungenentzündung von Kindern mit Homöopathika behandelt. Ein Zufall, wenn es da nicht zu schweren Zwischenfällen kommt.
Homöopathie an sich ist risikoarm (wenn nicht Mittel in niedrigen Potenzen eingenommen werden, insbesondere mit giftigen Schwermetallen – da gibt es z. B. ein Schnupfenmittel für Kinder mit dem krebserregenden Arsen!). Die medizinische Universität Erlangen hat 1999 als eine der wenigen Institutionen Nebenwirkungen der Homöopathie dokumentiert und festgestellt, dass 39,7 Prozent der Patienten unerwünschte Reaktionen zeigten. Die größere Gefahr besteht darin, dass eine notwendige wirksame Behandlung verzögert und versäumt wird. Es gilt als ärztlicher Kunstfehler, wenn der Arzt eine Behandlung nicht mit einem anerkannten, nachweislich wirksamen Medikament durchführt, und er macht sich dadurch strafbar. Gefährlich ist auch die Haltung vieler Homöopathen, Impfungen gegen Kinderkrankheiten abzulehnen. Zu bedenken ist in dem Zusammenhang, dass es im Bereich der „Alternativmedizin“ keine organisierte Dokumentation gibt; das bedeutet, dass Zwischenfälle häufig erst nach Exitus bekannt werden, falls Gerichtsmediziner darüber in der Fachliteratur berichten …
Zu den Fragen 1 und 2 (Homöopathie im Dritten Reich): 1936 wurde ein Arbeitskreis eingesetzt, dem auch der führende Homöopath Rabe, erster Vorsitzender des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte, angehörte. Fritz Donner, damals Chefarzt der homöopathischen Abteilung des Rudolf-Virchow-Krankenhauses in Berlin, hat Doppelblindversuche mit Silicea C 30 durchgeführt (= Grundlagenforschung!). Das Ergebnis: Verum und Placebo verursachten gleich viel Symptome. Den anwesenden Homöopathen war es nicht möglich, Verum und Placebo zu unterscheiden. 1938/39 wurden im Robert-Koch-Krankenhaus in Berlin klinische Versuche mit Homöopathika durchgeführt: Die Ergebnisse waren durchaus negativ. Der Homöopath Rabe reagierte mit der Vermutung, dass „Homöopathie keine pharmakotherapeutische Methode, wie bisher angenommen, sondern eine Form der Psychotherapie“ sei. Trotzdem wurden noch 1942 auf strenge Anordnung des Reichsführers-SS Heinrich Himmler in Konzentrationslagern homöopathische Experimente durchgeführt, z. B. in Dachau bei Patienten mit TBC, Sepsis und Malaria. Es starben alle Sepsis-Patienten, Malaria blieb „unbeeinflusst“. Das war immerhin der Beweis, dass diese Krankheiten mit Homöopathika nicht erfolgreich behandelt werden können.
Ja, im Dritten Reich haben auch andere Mediziner mit Gesunden und Kranken grausame, unmenschliche Versuche gemacht, die man verurteilen muss. Kein Mediziner in der westlichen Welt würde sie heute wiederholen. Das entlastet aber die Ergebnisse der Homöopathie-Forschung nicht: Es hat sich eben schon damals gezeigt, dass Homöopathika nicht wirksamer als Placebos sind.
Leider werden diese Ergebnisse – und die Studienergebnisse der letzten Jahrzehnte – von den Homöopathen nicht zur Kenntnis genommen. Seit 1997 wird von Homöopathen eine Meta-Studie zitiert, die in der anerkannten Zeitschrift „Lancet“ veröffentlicht wurde und angeblich die Wirksamkeit homöopathischer Behandlungen bewiesen hat – obwohl der Leiter der Untersuchung, Klaus Linde, nur zu dem vagen Schluss kam, dass die Wirkungen der Homöopathie „wahrscheinlich mehr sind als Placebo“. Die Daten dieser Übersichtsarbeit wurden sieben Mal (!) von anderen Forscher-Teams ausgewertet, und es hat sich gezeigt: Je anspruchsvoller eine Studie durchgeführt worden war, desto eher gingen die Effekte gegen Null. Linde selbst hat sich inzwischen von seiner früheren Aussage distanziert. Und es sind inzwischen weitere Studien mit immer dem gleichen negativen Ergebnis publiziert worden. Aber noch immer nehmen Homöopathen nicht zur Kenntnis, dass ihre Methode nicht wirksamer ist als ein Placebo, ein „machtvolles“ Placebo.
Wäre es anders und wäre die Hahnemann’sche Lehre richtig, so müssten einige Naturgesetze umgeschrieben werden. Übrigens hat der Wissenschaftler James Randy in den USA schon vor zehn Jahren einen Preis von einer Million Dollar für denjenigen ausgeschrieben, der den Wirksamkeitsnachweis erbringen kann. Der Preis wurde bislang nicht abgeholt.
Zu Frage 3: Es gibt keine Impfung gegen Malaria, sondern einige Medikamente, die man zum Schutz vor einer Infektion einnehmen kann. Da es in vielen Malaria-Gebieten schon zu Resistenzen gekommen ist, muss für die jeweilige Risiko-Region das „richtige“ Mittel gewählt werden. Welches das richtige Mittel ist, wird in der Medizin durch klinische Erprobung und Evaluation abgesichert. Solche Methoden kennt die Homöopathie nicht. Eine Meldung, dass trotz richtiger Anwendung von medizinischen Malaria-Schutzmitteln eine Infektion tödlich verlaufen sei, ist mir aus der gerichtsmedizinischen Literatur nicht bekannt.
Übrigens: Der Begriff „Schulmedizin“ wurde im 19. Jahrhundert von Homöopathen als Kampfbegriff gegen die etablierte Medizin eingeführt, weil Mediziner die Homöopathie und ihre magischen Vorstellungen von Beginn an kritisierten. Korrekt heißt es: wissenschaftliche Medizin.
Zu Frage 4: Die Geschichte der Medizin ist eine der Irrtümer. Die Medizin hat Kranke nicht nur geheilt, ihnen geholfen und ihr Leben verlängert, sie hat auf ihrem Weg auch Opfer zurückgelassen. Aber wie jedes wissenschaftliche System ist sie offen: Im internationalen Wissensaustausch wird deutlich, was sich bewährt. Unbrauchbare Methoden werden, sobald sie als solche erkannt sind, verworfen und ausgeschieden. Die Entwicklung der evidenzbasierten Medizin hat schon einiges bewirkt und wird dies künftig noch vielfach tun. Die Homöopathie dagegen akzeptiert keine Überprüfung, sie macht sich immun gegen Kritik und hat seit 200 Jahren nichts zum Fortschritt in der Medizin beigetragen. Gefährlich für Patienten ist Nichtwissen, Negieren und Ablehnung von neuen Erkenntnissen.
Dr. Krista Federspiel

Geändert von Leserbrief ( um 12:08 Uhr).
  #12  
Ungelesen , 13:18
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Bitte keine Glaubenskriege!

Was lässt Sie so bitterböse und vernichtend gegen die Homöopathie in den Krieg ziehen? Ihre sehr emotionalen und im Schwarz-Weiß-Denken verhafteten Kaskaden ergießen sich auf den Leser und lassen einen sehr schalen Geschmack zurück: den eines verbitterten Menschen, der jemandem oder etwas um jeden Preis am Zeug flicken will.
Ihre Argumente sind genauso unwissenschaftlich wie die meines Erachtens zu Unrecht angegriffenene Richtung. Denn seit wann gibt es „böse Grundstoffe“? Stoffe sind zunächst neutral, und der Mensch, der sie gebraucht, entscheidet auf Grund seines Wissens, ob zum Segen oder zum Gegenteil. Die Homöopathie als Heilsystem hat nie behauptet, nur harmlose Ausgangsstoffe zu verwenden. (Das ist Thema bei den Bachblüten – offensichtlich eine Verwechslung?)
Im Gegenteil, die wirksamsten Mittel kommen aus sehr stark wirksamen Ausgangsstoffen: Acontum, der Eisenhut, ist eine der giftigsten Pflanzen unserer Heimat! Oder denken wir an die Schlangengifte als Beispiel (Lachesis, Gift vom Buschmeister, kann, richtig eingesetzt, auch lebensrettend sein)! Doch werden sie nicht nur verdünnt, sondern jeder Verdünnungsschritt ist von einemVerschüttelungs- oder Verreibungsvorgang begleitet. Dadurch wird die Hauptwirkung der Arznei herausgearbeitet, und die Nebenwirkungen fallen weg. Unterschiede zwischen normalen Verdünnungen und solchen potenzierten Verdünnungen konnten physikalisch nachgewiesen werden. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) geschieht bei Kräutermischungen etwas Ähnliches: Durch gezieltes Mischen mit bestimmten Pflanzenteilen, die auch noch z. T. bestimmten Behandlungen unterzogen worden sind, wird z. B. auch Aconitum in speziellen Kombinationen für die TCM erst einsetzbar.
Und harmlos ist die Homöopathie nie gewesen, gibt es doch recht heftige Erstreaktionen, gerade wenn das richtige Mittel für den Patienten nach einer eingehenden Anamnese gefunden worden ist.
Meine Schwester, eine überzeugte Schulmedizinerin, war auch einmal so skeptisch wie Sie. Inzwischen ist sie eine überzeugte und sehr genau arbeitende Homöopathin geworden, die froh ist, ihren Patienten neben der Schulmedizin so gut weiterhelfen zu können. Gerade bei chronischen Krankheiten kann die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessert werden, und es gibt durchaus Fälle, in denen nach vielen anderen Versuchen mit diesen Mitteln auch Heilung eintreten kann. Es gibt auch einige Tierärzte, die sich ob der überzeugenden Wirkung auf die Homöopathie spezialisiert haben, speziell bei Gestüten.
Die richtige Zuordnung vom Arzneimittel zum Zustand des Patienten erfordert Erfahrung und Fingerspitzengefühl und genaues Herausfiltern aus vielen möglichen Mitteln; es geht also um eine sehr individuelle Zuordnung, gegen die Sie in Ihrem Artikel wettern.
Bei der von Ihnen so gelobten „Lancet“-Studie hat sich in der Folge herausgestellt, dass sie nicht so hieb und stichfest ist, wie Sie es darstellen. In den letzten Jahren ist auf homöopathischer Seite viel neues Material erschlossen und neu überarbeitet worden. Ich denke z. B. an das wichtige und umfangreiche Werk Jan Scholtens. Er hat sich zunächst der Alkali- und Erdalkalisalze angenommen, später aller Elemente des Periodensystems. Das Ergebnis zeigt in den Wirkprofilen erstaunliche Gesetzmäßigkeiten, gerade in der Zusammenschau mit den Elektronenhüllen der jeweiligen Elemente.
Sie mögen Skeptikerin sein – zum Rufmord oder gar heiligen Krieg sollten Sie sich jedoch nicht hinreißen lassen. Die Heftigkeit Ihrer Polemik ließ ein auf Sie verübtes Attentat mittels Homöopathie vermuten – wo die doch gar nicht wirkt …
Ich wünsche Ihnen, dass Sie einmal froh sein werden, dass es diese Heilmethode noch gibt. Ein sinnvolles Zusammenwirken aller zugänglichen Heilmethoden bringt den besten Erfolg für die Patienten, wie Beispiele in der Onkologie belegen – und auch ich in meinem Apothekenalltag täglich beobachten kann.
Renate Elisabeth Riedl
4300 St Valentin
aon.912654454@aon.at
Antwort von Krista Federspiel siehe unten!

Geändert von Rudolf Mitlöhner ( um 15:33 Uhr).
  #13  
Ungelesen , 13:27
Leserbrief Leserbrief ist offline
 
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Wirkungen und Nebenwirkungen


Unter einem Dossier habe ich bislang eine möglichst objektive, sachliche Betrachtung eines Themas von möglichst vielen Gesichtspunkten aus verstanden. Die Homöopathie ist, auch wenn man ihr kritisch gegenüber steht, eine über die ganze Welt verbreitete, bei uns sich wachsender Beliebtheit erfreuende, schon lange praktizierte medizinische Schule. Bei einem Dossier zum Thema „Alternativmedizin“ hätte ich eigentlich eine wie oben erwähnte Behandlung des Themas erwartet, nicht ausschließlich eine Polemik – und der Artikel zur Homöopathie ist nichts anderes als eine Polemik.
Als Selbstverständlichkeit hätte ich außerdem für ein Dossier die Berücksichtigung des alten Grundsatzes „audiatur et altera pars“ erwartet. Und wer schon so großen Wert auf Wissenschaftlichkeit legt, sollte selbst innerhalb des Artikels logisch bleiben: Eine Liste von offensichtlich grauslichen Ausgangsstoffen, die noch dazu Gefährlichkeit (Blei!) suggerieren, scheint wenig Sinn zu haben (außer dem der Polemik), wenn daneben betont wird, dass im Medikament vom Ausgangsstoff nichts mehr enthalten ist. Auch wird der Begriff „Nebenwirkungen“ am Ende des Artikels auf eine Art und Weise verwendet, wie er üblicherweise nicht verwendet wird, und den man leider wieder nur polemisch nennen kann. „Nebenwirkungen“ hat in der Medizin eine klar definierte Bedeutung, die weit ab von der hier verwendeten ist. Wobei ich meine, dass gerade eine Vertreterin der sogenannten Schulmedizin bei Nebenwirkungen von Medikamenten vorsichtig sein sollte – angesichts der Vielzahl von teils schweren Nebenwirkungen der schulmedizinischen Medikamente und der daraus erwachsenen iatrogenen Krankheiten.


Dr. Oskar Luger
2020 Hollabrunn, Oberfellabrunn 3
oskar.luger@aon.at
  #14  
Ungelesen , 16:29
Klaus Payrhuber Klaus Payrhuber ist offline
 
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Beiträge: 1
Antwort an Frau Dr. Federspiel

Wenn man sich als Skeptiker beschreibt, dann dürfte man den kritischen Blick in alle Richtungen werfen – „skeptomai“ heißt den Blick prüfend umher schweifen lassen – und diesen nicht auf einen Ausschnitt der Medizin fixieren. Der Artikel zeigt, dass aus Skepsis leicht Skeptizismus wird – alles ist nichts –, der dann sehr nahe beim Dogmatismus – alles ist so und richtig so – liegen kann. Dann wird jede kritische Betrachtung unmöglich. Die Tatsache, dass Akupunkturpunkte in 2000 Jahren nicht verbessert wurden und verschiedene homöopathische Arzneien seit 200 Jahren hervorragend wirken, zeigt nur umso mehr, dass es neben dem in weiten Bereichen sehr erfolgreichen naturwissenschaftlichen Weg auch andere, in vielen Indikationen erfolgreiche Therapiesysteme gibt.
Sicherlich unabsichtlich wird hier immer wieder versucht Unbedenklichkeit, Nebenwirkung und Risiko einer allopathischen Arznei mit jenem der homöopathischen zu vergleichen oder gleichzusetzen. Die Potenzierung in der Homöopathie ermöglichte ja diese Probleme der Toxizität von Substanzen zu vermeiden.
Die verallgemeinernde Verwendung des Begriffes „die Wissenschaft“ zeigt eine Problematik, die dem Artikel über die homöopathische Methode zu Grunde liegt: gemeint ist ein heute verbreiteter wissenschaftlicher Zugang, aber sicher nicht „die Wissenschaft“.
Und zum Nachweis des Wirkungsmechanismus: Würde er heute bei der Kurzlebigkeit vieler Erkenntnisse erbracht, wie viele Jahre oder Monate wird er Bestand haben? Aber anders gefragt: Wieviele der heute verwendeten Medikamente werden in 200 Jahren noch so sicher wirken wie die 200 Jahre alten homöopathischen bis heute?
Dr. Klaus Payrhuber
  #15  
Ungelesen , 15:37
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Beiträge: 423
Kein Glaubenskrieg (s. o. „Bitte keine Glaubenskriege!“)

Weder Rufmord noch heiliger noch Religions-Krieg: Der Artikel beruht auf wissenschaftlich erarbeiteten Fakten.
Die Vertreter der verschiedenen Homöopathie-Varianten widersprechen einander und den Naturgesetzen in der Darstellung des Konzepts und in den Erklärungen, wie ihre Methode denn wirken soll. Alle diese Erklärungen (Potentzierung, Informationsübertragung, Quantenphysik u. a. m.) konnten wissenschaftlich nicht bestätigt werden. Die „Lancet“-Studie wurde von der homöopathischen Szene angezweifelt; sie wird jedoch durch weitere vorliegende, seriöse Studien erhärtet. Warum fragen sich Homöopathen nicht, ob die oft auftretende „Erstverschlimmerung“ möglicherweise einfach auf der unwirksamen homöopathischen Arznei beruht? Apropos: Blei in einer Niedrigpotenz, verabreicht bei Zahnfleischentzündung, verschlechtert diese.
Warum fällt nicht auf, dass schwere Erkrankungen mit Homöopathika nicht geheilt werden können, Befindlichkeitsstörungen sich aber bessern? Weder Nierensteine, noch Herzinfarkt, Krebs oder Beinbruch können homöopathisch geheilt, wohl aber das Wohlbefinden verbessert werden: Homöopathie ist ein „mächtiges“ Placebo. Gibt es ein vernichtenderes Urteil über die Behauptung, dass Homöopathie ganz individuell wirke, als die Tatsache, dass man diese Mittel unter der Hand gegen ein beliebig anderes oder gegen reine Milchzucker-Globuli austauschen kann, ohne den Behandlungserfolg zu schmälern (Versuche durchgeführt von Prof. Dr. R. Wolf: beim Studium Generale in der Universität Würzburg, Titel: „Vom Sinn und Unsinn der Sinnestäuschung. Wie uns Wahrnehmen und Denken in die Irre führen“)?
Nein, es gab kein Attentat auf mich. Allerdings habe ich mehrmals im Selbstversuch öffentlich Homöopathika getestet, die laut Lehrbuch (Köhler G., Hippokrates, 6. Aufl. 2004) Gesunde mindestens arbeitsunfähig machen müssten (Sulfur C1000, Phosporus C200, Cantharis C1000): keinerlei Auswirkung!
Krista Federspiel
k.federspiel@telering.at
PS.: Ich empfehle folgende Lektüre: Lambeck, M, Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik. C.H.Beck, München 2005
  #16  
Ungelesen , 16:35
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Positive Wirkung am eigenen Leib erfahren

Im großen und ganzen bringt die FURCHE ausgewogene Artikel über Themen, die für das Leben der Menschen von Bedeutung sind. Vor allem bemüht sich die Redaktion in der Regel bei kontroversen Themen Stellungnahmen „pro“ und „contra“ einander gegenüberzustellen. Dies gilt leider nicht für das Dossier „Alternativ heilen“. Einseitig wurde im Artikel „Heilen mit nichts“ die Homöopathie sehr negativ dargestellt.
Ich kenne eine Reihe von Schulmedizinern, die ihre Patienten für eine Weiterbehandlung an Homöopathen verweisen. Auch ich habe am eigenen Leib positive Wirkungen durch die Behandlung eines Homöopathen erfahren. Bei gleicher Erkrankung wurde mir seitens der Schulmedizin bedeutend weniger geholfen, obwohl mir starke Medikamente verschrieben worden waren – wobei sich die Ärzte fast keine Zeit für die Krankengeschichte genommen hatten.
Ich hätte daher – wie viele andere – auch eine Stellungnahme aus der Sicht von jemandem erwartet, der die Homöopathie positiv sieht und Heilung erfahren hat, auch wenn manches nicht völlig geklärt werden kann.
Pfr. Eugen Giselbrecht
6713 Ludesch, Schulweg 15
  #17  
Ungelesen , 11:00
Rinhrd Rinhrd ist gerade online
 
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Leere Versprechungen

Der Artikel von Krista Federspiel war hervorragend. Die wissenschaftliche, evidenzbasierte Medizin hat zur Heilung von Menschen wesentlich mehr beigetragen als Placebo-Effekte von homöopathischen Arzneimitteln. Die Wirkung von „schulmedizinischen“ (eigentlich ein schlechter Name) Medikamenten wird in Lehrbüchern präzise und nachvollziehbar erklärt, während die „sanften, alternativen“ Heilmittel der Homöopathen trotz unterschiedlichster Erklärungsversuche bisher keinen brauchbaren Effekt nachweisen konnten. Es ist eine Pseudowissenschaft (wie auch Astrologie), die gerne mit Fachbegriffen um sich wirft, diese selbst nicht versteht und nur Verwirrung stiftet. Opfer sind dann leider die Patienten, die in ihrer Verzweiflung jeder leeren Versprechung auf den Leim gehen.
Solange etwas nicht nachweisbar ist, ist es wichtig daran zu zweifeln. Und, nein, irgendwelche Einzelschicksale wie „bei mir hat es besser gewirkt als das, was mir der Arzt verschrieben hat“, sind keine Beweise. Das wäre dann doch ein wenig zu einfach, oder nicht?

Geändert von Leserbrief ( um 12:24 Uhr).
  #18  
Ungelesen , 12:57
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Nicht FURCHE-like

Das leider sehr oberflächlich recherchierte und unglaublich einseitig angelegte Dossier über alternative Heilmethoden mit seinen zum Teil himmelschreienden Aussagen über jahrhundertealte bewährte Heilslehren hat mich – besonders, weil es so überhaupt nicht zur sonstigen Qualität Ihrer Zeitung passt – ehrlich enttäuscht!
Angelika Caravias
bass-3@gmx.at

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  05:07:17 07.15.2005