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"Wenn die Ausnahme die Regel nur bestätigt, wozu die Ausnahme machen"
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Ungelesen , 15:58
Helga Maria Helga Maria ist offline
 
Registriert seit: 17.09.2011
Beiträge: 6
Diesen Satz von Elazar Benyoetz nehme ich und stelle fest, dass ich keine Ausnahme sein will, um herrschende Regeln nicht zu bestätigen.
Trotzdem ich Jahrgang 1962 und geschieden/wiederverheiratet bin, habe ich mich entschlossen, die Ausbildung zur Religionslehrerin zu machen. Laut Eignungsfeststellung am Institut für Ausbildung von ReligionslehrerInnen in der Mayerweckstraße in Wien ist für mich ein Platz in der Ausbildung reserviert, ich werde aber darauf hingewiesen, "dass die kirchlichen Anstellungsbedingungen der österreichischen Bischofskonferenz bindend sind" und ich, wie schon besprochen, mit dem diözesanen Schulamt klären muss, ob eine Anstellung als Religionslehrerin in meiner Lebenssituation (Wiederverheiratung) möglich ist.
Meine Antwort:

Betrifft: Eignungsfeststellung
Sehr geehrter Herr Doktor Bastel!

Danke für Ihre Zusage, dass aufgrund der Eignungsfeststellung ein Platz für mich in Ihrem Institut reserviert ist.
Ihr Hinweis, dass die kirchlichen Anstellungsbedingungen der österreichischen Bischofskonferenz in meiner Lebenssituation bindend sind (Wiederverheiratung – seit mehr als 20 Jahren lebe ich mit meinem zweiten Ehemann, wir sind beide praktizierende Katholiken, soweit es uns erlaubt ist), veranlasst mich nach reiflicher Überlegung, diesen Platz nicht in Anspruch zu nehmen. Nach mehreren Telefonaten mit dem Leiter des Diözesanschulamtes St. Pölten, Herrn KR Msgr. Hofrat Prof. Mag. Karl Schrittwieser, dem ich für seine offenen Worte danke, ist mir bewusst, dass ich – wenn überhaupt – nur aufgrund einer Ausnahmegenehmigung eine Anstellung bekommen würde. Was macht mich zur Ausnahme? Der Bedarf, der zurzeit an Religionslehrer/innen herrscht? Oder meine Eignung? Oder die Entscheidung eines Menschen, der jetzt entscheiden darf, aber vielleicht dann nicht mehr, wenn ich meine Ausbildung beendet habe? Muss ich aufgrund meiner Lebenssituation damit rechnen, dass ich besonders beobachtet werde, wenn ich unterrichte? Darf ich überhaupt über die momentan geltenden Regeln in unserer Kirche reden, wenn ich als Ausnahme vor jungen Menschen stehe, die durch mich ihre Religion kennenlernen sollen?
Ich will keine Ausnahme sein, da ich mich anderen geeigneten Menschen weder unter- noch überlegen fühle. Ich bin aktive Katholikin – seit meiner Firmung aus freier Entscheidung, lernend und interessiert. Und – so schwer es mir auch fällt – ich rufe mich zum Gehorsam auf. Und ich bete dafür, dass ich als theoretisch zur Religionslehrerin geeigneter Mensch irgendwann einer lebensnahen Kirche ganz offiziell Gehorsam leisten darf.

Mit herzlichem Dank für Ihre Eignungsfeststellung
grüßt Sie


(Kopie an Mag. Karl Schrittwieser, Diözesanschulamt St. Pölten)

Liebes Furche-Team, liebe Furche-Leser/innen, nun interessiert mich, wie viele "Ausnahmen" - ob nun offiziell bekannte oder nicht - im Dienst der Diözesen stehen. Was passiert, wenn alle auf einmal "gehorsam" sind?
Helga Maria

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  16:01:16 07.16.2005