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02/2008 - Team Tibet darf nicht nach Peking
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Ungelesen , 13:03
Team Tibet darf nicht nach Peking
von Wolfgang Machreich

Wangpo Tethong gibt nicht auf. Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees von Tibet lässt die Ablehnung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nicht gelten. Im letzten Jahr haben sich unter seiner Ägide rund 30 tibetische Sportlerinnen und Sportlern zusammengetan, die alle im Exil leben und bei den Sommerspielen in Peking an den Start gehen wollen: Marathonläufer, Tischtennisspieler, Radfahrer … Doch das IOC lässt das tibetische Team nicht antreten und rechtfertigt diese Entscheidung damit, dass laut Olympischer Charta nur unabhängigen Staaten, die von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannt werden, das Recht auf eine Olympia-Teilnahme zusteht.

Tethong widerspricht: „Das IOC hat bereits Nationale Olympische Komitees von Völkern anerkannt hat, als die*se noch keine eigenständigen Nationen waren. Zudem nutzt das IOC immer wieder die Möglichkeit, Einzelsportler einzuladen.“ Als Beispiele nennt er Taiwan, Hongkong und Palästina. Das Olympische Komitee Tibets, führt Präsident Tethong im Gespräch mit der Furche weiter aus, werde jetzt rechtliche Maßnahmen prüfen und eine Beschwerde gegen die IOC-Entscheidung vorbereiten. „Vielleicht sehen wir uns 2012 bei den Spielen in London“, gibt sich der in der Schweiz lebende Exil-Tibeter zuversichtlich. Nicht ohne Grund: Zu den Unterstützern von Team Tibet zählen Menschen aus mehr als 80 Ländern sowie das norwegische Parlament, Mitglieder des EU-Parlaments und Prominente wie Regisseur Oliver Stone, die Musikband „Wir sind Helden“ und ehemalige Top-Sportler.Wenn es um die Freiheit Tibets geht, ist Wangpo Tethong schon in der Vergangenheit keinem Konflikt aus dem Weg gegangen. 2006 hat er auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking für ein unabhängiges Tibet protestiert: „Hu Jintao – Du kannst uns nicht aufhalten“, war auf Tethongs Transparent zu lesen.

„Dalai Lama ist zu sanft!“
Dieser Protest steht beispielhaft für einen Mentalitätswandel unter jungen Exil-
Tibetern: „Wir trauen uns mehr zu und wir sind kreativ – die Chinesen können nicht damit rechnen, dass unser Protest einmal aufhören wird!“ Tethong würde sich wünschen, dass der Dalai Lama „weniger konziliant“ gegenüber den Chinesen ist: „Seine Heiligkeit sucht den Dialog, aber was ist das für ein Dialog, wenn sich die Gegenseite nicht bewegt?“
Der Dalai Lama achtet auch sehr darauf, dass er die Tibeter in Tibet nur ja nicht zu Aufständen ermutigt. Für Tethong ein Fehler. Welche Macht der Dalai Lama hat, habe vor kurzem eine Episode gezeigt: Der Dalai Lama verurteilte in einer Rede das in Tibet zur Mode gewordene Tragen von Tierfellen. Die Tibeter verbrannten daraufhin ihre Felle zu Tausenden. Die chinesischen Besatzer erschraken über diese heftige Reaktion und sprachen ein Verbot aus. Daraufhin zerschnipselten die Tibeter ihre Felle, um dem Wort ihres geistlichen Oberhaupts zu gehorchen. Bis auch das von den Chinesen verboten wurde und die tibetischen TV-Sprecher sogar auf Chinas Befehl hin und um dem Dalai Lama zu widersprechen Tiger- und Leopardenfelle anziehen mussten. Für Tethong ein Beweis, dass sich die Tibeter in Tibet am Befreiungskampf beteiligen möchten: „Ihnen fehlt aber die Führung – doch wenn der Dalai Lama ein Wort sagt, sie sind bereit!“

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