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24/2010 - Kardinal Groër – ein Nachwort
  #1  
Alt 16.06.2010, 12:09
Kardinal Groër – ein Nachwort

FURCHE Herausgeber erinnert sich an eine seltsame Bitte: Er sollte eine Erkkärung im Namen Groërs entwerfen.

Von Heinz Nußbaumer

Urlaubstage sind Ausnahmetage. Der Nachrichtenfluss verliert seine übliche Wertigkeit. Was von der Vorwoche hängen blieb, ist wenig: Die päpstliche Vergebungsbitte zu den Missbrauchsfällen. Und auch der bisher unbekannte Brief des pädophil schuldig gewordenen Kardinals Hans-Hermann Groër, in dem er seine Sprachlosigkeit mit einem „heiligen Schweigegebot“ erklärt. Die Logik sagt: Nur Rom kann ihm ein solches „Silentium Secretum“ auferlegt haben.

Mittagessen beim Nuntius

Warum sich gerade diese Meldung meiner Urlaubs-Vergesslichkeit entzieht? Weil sie in einem seltsamen Widerspruch zur eigenen Erinnerung steht. Zu einer Erfahrung, die an den Jahresbeginn 1998 zurückreicht.
Der Apostolische Nuntius – Roms Vertreter in Österreich – hatte mich damals zum Mittagessen geladen: Dinner für Zwei, von rührend bemühten geistlichen Schwestern gut versorgt. Das Tischgespräch blieb unverbindlich – und irgendwann war es Zeit zum Aufbruch. Das aber wollte der Nuntius partout nicht: Nein, das Wichtigste sei noch nicht besprochen. Ich möge ihm in sein Arbeitszimmer folgen.
Was er mir dort anvertraute, war hochinteressant: Kardinal Groër (seit 1985 von Missbrauchsvorwürfen bedrängt) verweigere „trotz höchster Bitten“ jede öffentliche Klarstellung. Groër fühle sich „als Märtyrer“; wolle „sein Kreuz verinnerlichen“ – und weiter konsequent schweigen. Das aber sei nicht möglich.
Was nun folgte, machte mich sprachlos: Der Nuntius holte Notizblock und Schreibzeug – und bat mich, auf der Stelle eine „Groër-Erklärung“ zu entwerfen. Er wolle, sagte er, mich zum Nachdenken auch gerne ein wenig alleine lassen. Mutig versuchte ich, mit meinem journalistischen Ethos dagegen zu halten: Um eine Erklärung formulieren zu können, müsse ich doch die Fakten kennen. Müsse wissen, was da wirklich an Schuld und Versagen war – oder eben nicht war. „Ach“, meinte der Nuntius und klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter, „ach, schreiben Sie einfach – ganz unabhängig von Fakten. Schreiben Sie einfach. Bitte!“
Seltsam: Ob ich damals, von der Absurdität der Situation fasziniert, tatsächlich zu schreiben versucht oder gleich bedauernd das Weite gesucht habe – ich weiß es nicht mehr. Sicher ist nur, dass es kurze Zeit später, am 14. April 1998, tatsächlich eine solche „Erklärung“ der Nuntiatur gab – angeblich „im Einvernehmen mit Kardinal Groër“. Ihre Kernaussagen: Viel Falsches sei über ihn veröffentlicht worden. Trotzdem: „Ich bitte Gott und die Menschen um Vergebung, wenn ich Schuld auf mich geladen habe.“

Augenzeugen und Wahrheitssuche

Schon damals hat dem anonymen Texter mein Mitleid gehört: Wie lange mag sich der Arme gequält haben, um so ein Nichts zustande zu bringen?
Seit den Meldungen der Vorwoche versinkt meine Erinnerung in noch tiefere Verwirrung: Wusste am Ende auch der Nuntius nichts vom „Schweigegebot Roms“? Oder hat Groër mit seinem „Silentium Secretum“ nur geflunkert? Oder was sonst? Wieder einmal bestätigt sich: Nicht immer haben Augenzeugen bei der Wahrheitssuche einen Vorsprung.
  #2  
Alt 21.06.2010, 09:46
Michael Tfirst Michael Tfirst ist offline
 
Registriert seit: 21.06.2010
Beiträge: 1
Das GROER - Vertuschungs - Komplott (1975 - 2010)

Das mit dem Entwurf für dieses heikle Schreiben kommt mir so vor:

Wenn die Freundin eines Priesters schwanger wird, dann wird sie und der Priester ins Bischöfliche Ordinariat bestellt und dann wird zuerst vom Vikar der Vorschlag unterbreitet, ob nicht eine Abtreibung in Frage kommen würde, aber sonst tritt die Kirche immer für den Schutz ungeborenen Lebens ein!

Wie viele Chefredakteure Österreichs wurden noch von der Kirche zu Entwürfen für heikle Schriften gebeten? Kurienkardinal Ratzinger war seit 1981 für sexuellen Missbrauch bei der Beichte als Sachbearbeiter im Vatikan zuständig und er deckte Groer und er befahl ihm auch das „Silentium Secretum“. Papst Benedikt XVI. ist als Groer - Vertuscher - absolut rücktrittsreif.



Weiteres auf meiner Homepage:
Der GROER - Vertuschungs - Komplott (1975 - 2010)

http://michaeltfirst.blogspot.com/20...nal-groer.html



MfG
Michael Tfirst

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