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01/2012 - „Enorme Herausforderung“
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Ungelesen , 13:10
„Enorme Herausforderung“

Der Botschafter Dänemarks in Wien, Torben Brylle, spricht über die Pläne Dänemarks als EU-Vorsitzland und Strategien gegen die Schulden-Krise.

Das Gespräch führte Oliver Tanzer

Torben Brylle ist Dänemarks Botschafter in Österreich. Er verfügt über reiche internationale Erfahrung und war unter anderem Special Representative der Europäischen Union im Sudan. Ein Gespräch über Euro-Skepsis, politische Brückenbauer und die Krise.

DIE FURCHE: Als Dänemark 2002 den Vorsitz hatte, konnte es die Verhandlungen über die EU-Erweiterung abschließen. Das war ein großer Schritt für Europa. 2012 übernimmt es die Präsidentschaft in einer tiefen Krise des Euro. Gibt es auch dafür einen dänischen Königsweg?
Torben Brylle: 2002 hatten wir eine vergleichsweise privilegierte Aufgabe, die Erweiterung der EU zu bewerben und damit einen wichtigen Schritt für die Gemeinschaft zu einem positiven Abschluss zu bringen. Es war den Bürgern auch leichter zu erklären, was geschah. 2012 ist dagegen ein Jahr, in dem die Herausforderungen für Europa enorm sind. Auch innerhalb Europas haben sich die Rahmenbedingungen stark verändert. Wir haben nun eine Außenbeauftragte und einen permanenten Ratspräsidenten und ein aufgewertetes Parlament. Das verändert die Rolle des Vorsitzlandes stark. Wir verstehen uns deshalb eher als Vermittler zwischen den Staaten und Institutionen denn als Präsidenten.
DIE FURCHE: Einer Ihrer Minister sprach davon, Dänemark wolle die „Bridge over troubled Water“ darstellen. Hält diese Brücke auch, wenn der Euro scheitert?
Brylle: Ich glaube nicht, dass der Euro scheitern wird. Wir wissen, dass unser Wirtschaftsraum 20 Jahre lang unglaubliche Erfolge gebracht hat. Ich meine auch, dass der EU-Gipfel vom 9. Dezember klarer gemacht hat, was wir brauchen, um mit der Krise umzugehen. Der Finanzpakt ist ein wichtiger Schritt, um die Schuldenkrise der Staaten zu überwinden. Diese Dinge voranzubringen, liegt nicht in unseren Händen, aber wir werden versuchen, den Weg dorthin zu erleichtern und mitzuwirken, dass es genügend Kohäsion zwischen der Eurozone und jenen Ländern gibt, die den Euro nicht übernommen haben.
DIE FURCHE: Medien beschreiben Dänemark als Land der EU-Skeptiker. Halten sie die Beschreibung für korrekt?
Brylle: Ich glaube in den vergangenen Monaten sind wohl alle Bürger Europas ein wenig skeptischer geworden. Ich muss aber sagen, dass die Dänen abseits dessen, dass sie nicht am Euro teilnehmen wollten, eines der Länder mit der höchsten Zustimmung zu Europa sind. Es war also nie die Frage, aus der EU auszuscheiden. Außerdem ist es auf nationaler Ebene seit Langem Politik, die Kriterien des Stabilitätspaktes einzuhalten.
DIE FURCHE: Was sind denn die Schwerpunkte Ihrer Präsidentschaft, abseits der Krisenbekämpfung?
Brylle: Wir haben vier Titel über unsere Arbeit gesetzt: Die „Verantwortlichkeit“ was die Wirtschaft und die Krise betrifft, die „Dynamik“ was das Wachstum betrifft, das Ziel, ein „grünes Europa“ zu schaffen, und viertens, „ein sicheres Europa“, einschließlich des weiteren Aufbaus eines gemeinsamen europäischen Asyl- und Einwanderungssystem, das bis Ende des Jahres ausverhandelt sein soll. Nicht zu vergessen die Verhandlungen über den mehrjährigen Finanzrahmen der EU, der ebenfalls bis Ende des Jahres geschaffen werden soll. Wenn wir in allen Feldern ein wenig vorwärts kommen, können wir zufrieden sein. Außerdem können wir die Stärken unseres Landes präsentieren. Unsere führende Position im Klimaschutz und bei nachhaltiger Energie, aber auch unsere Kultur.
DIE FURCHE: Sie haben Schengen erwähnt. Dänemark hat 2011 wieder Grenzkontrollen eingeführt. Ist die Debatte darüber abgeschlossen?
Brylle: Sie ist abgeschlossen. Die neue Regierung hat als eine der ers*ten Maßnahmen die vorübergehenden Grenzkontrollen wieder aufgehoben. Das ist also kein Thema mehr.

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