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02/2012 - Wie sich die Nachbarn gegen den Ärztemangel wappnen
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Ungelesen , 12:28
Wie sich die Nachbarn gegen den Ärztemangel wappnen

Von Veronika Dolna

Die Aussicht auf höhere Gehälter und familienfreundlichere Arbeitsbedingungen locken auch Mediziner aus Österreichs Nachbarländern fort. Das führt zu einem Szenario, das Österreich noch bevorsteht: dem akuten Ärztemangel.
In Deutschland sind Ärzte bereits Mangelware. Rund drei Viertel aller Krankenhäuser können freie Stellen nicht nachbesetzen, etwa 5500 Ärzte fehlen derzeit. In sieben Jahren werden es 37.000 sein, schätzt das Deutsche Krankenhausinstitut. Besonders in die USA und nach Großbritannien zieht es die deutschen Ärzte, auch nach Skandinavien wandern viele aus. In den großen Städten gibt es derzeit zwar noch genug Mediziner. Aber auf dem Land hat sich der Ärztemangel bereits manifestiert.
Der Bundestag hat deshalb im Dezember ein Gesetz verabschiedet, das mehr Ärzte in unterversorgte Regionen locken soll: Das „Versorgungsstrukturgesetz“ erlaubt Ärzten in ländlichen Regionen, so viele Patienten, wie sie wollen, in ihrer Praxis zu behandeln, ohne Honorarabschläge hinzunehmen. In Ballungszentren hingegen darf eine bestimmte Zahl an Behandlungen nicht überschritten werden. Für Praxisschließungen dort gibt es zusätzliche finanzielle Anreize. Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben zudem die Möglichkeit, Praxen in überversorgten Gebieten aufzukaufen und nicht wieder zu eröffnen. Außerdem soll das Gesetz den Arztberuf familienfreundlicher machen: So können sich Ärztinnen ab sofort zwölf statt sechs Monate in der Babypause vertreten lassen und niedergelassene Ärzte müssen nicht mehr dort wohnen, wo sie praktizieren. Insgesamt lässt sich die Regierung die Maßnahmen zur Ärzte-Umverteilung aufs Land rund 200 Millionen Euro kosten.
Parallel zur Abwanderung der deutschen steigt die Zuwanderung von ausländischen Ärzten: Mehr als 25.000 Mediziner-*Migranten arbeiten bereits in Deutschland.

Massenkündigungen als Druckmittel

Die Zuwanderer in Deutschland gehen freilich in ihren eigenen Herkunftsländern ab. In Slowenien fehlen rund 2000 Ärzte. Auch in Tschechien und der Slowakei drängen die schlechten Arbeitsbedingungen die Ärzte zur Auswanderung und lassen sie zu drastischen Maßnahmen greifen. In Tschechien reichten vergangenes Jahr 3800 Ärzte gleichzeitig ihre Kündigung ein. Nach wochenlangem Tauziehen einigten sie sich mit der Regierung auf eine Gehaltserhöhung um 330 Euro im Monat. Erst im Dezember standen die slowakischen Ärzte vor einer ähnlichen Situation: 2400 der 7000 Spitals*ärzte reichten die Kündigung ein, nach zähen Verhandlungen erwirkte die Gewerkschaft eine Gehaltserhöhung.

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