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Beschneidung
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Ungelesen , 14:24
Musikant Musikant ist offline
 
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Man darf und soll darüber diskutieren, ob die Beschneidung zeitgemäß und erzieherisch angemessen ist, und ob sie vom Rechtsstaat geduldet werden darf. Das Wesentliche aber wird in all den bisherigen Diskussionen schamhaft ausgeblendet, wird mit dem kurzen Satz „Das Elternrecht wird nicht in Frage gestellt!“ hastig abgehakt oder in innere Angelegenheiten der Religionen, in die man sich nicht einmischen wolle, eingeordnet und damit elegant entsorgt, nämlich die Tatsache, dass jede Erziehung und jede Inkulturation Beschneidung in einem umfassenden Sinn des Wortes bedeutet. Zu Beginn der Pubertät opfert der Organismus von sich aus jene Gehirnzellen, die bis dahin wenig gebraucht wurden. Gewisse Arten zu lernen, die bis dahin mühelos möglich gewesen wären, werden ab diesem Zeitpunkt extrem erschwert. Von diesem Opfer kann der Mensch durch keinerlei Erziehung entbunden werden. Erziehung entscheidet lediglich vorweg darüber, was geopfert werden wird, von dieser Verantwortung können Eltern und Erzieher nicht entbunden werden. In nicht aufgeklärten Gesellschaften wird die Fähigkeit zur Eigenverantwortung geopfert. In unserer aufgeklärten Gesellschaft ist es weitgehend die Fähigkeit zu übersinnlichen Wahrnehmungen. Eine Erziehung ohne nötige Grenzsetzungen opfert soziale Fähigkeiten und oft auch die Gesundheit etc. Wir wollen in mittlerweile entgleisender Humanität Opfer immer nur abschaffen und sehen nicht, dass wir damit zwangsläufig neue produzieren.
Wenn sich also Außenstehende – und wohl auch so mancher Jude oder Muslim – ein abschließendes Urteil zur Rechtmäßigkeit der Beschneidung bilden sollen, so werden die Religionsgemeinschaften nicht umhin kommen, die folgende Frage zu beantworten: Warum und in welcher Weise steht die Vorhaut zwischen einem Mann und Gott? Welchem Wert wird sie geopfert? Wenn die Religionen weiterhin ihre Bedeutung für die Gesellschaft beanspruchen wollen, werden sie sich mutig solchen Fragen öffnen müssen. Für die Rechtsprechung reicht es vielleicht, sich auf die Religionsfreiheit zu berufen. Aber die Menschen heute interessieren sich für das Wesen der religiösen Traditionen, und diese Chance sollte man ergreifen.
Elisabeth Ertl

Geändert von Musikant ( um 09:52 Uhr).

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  22:36:24 07.15.2005