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13/2013 - Die Schuhe Petri und Pauli (Rudolf Mitlöhner)
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Ungelesen , 12:17
Die Schuhe Petri und Pauli
Der Papst gilt als Nachfolger des Petrus – aber er steht auch in einer Linie mit Paulus, der mit dem Evangelium im Gepäck, gelegen oder ungelegen, die Welt bereiste.

Von Rudolf Mitlöhner

Vor kurzem erst spendete Papst Franziskus seinen ersten apostolischen Segen, am Abend des 13. März, dem Tag seiner Wahl. Am Ostersonntag wird er es wieder tun: „Urbi et orbi“ – der Stadt Rom, deren Bischof der Papst ist, und dem ganzen Erdkreis, dessen Papst der Bischof von Rom ist, gilt diese traditionelle sakrale Geste (siehe dazu auch die Seiten 9 bis 13 dieser Ausgabe).
Die sich darin ausdrückende Bipolarität ist generell charakteristisch für das Christentum. Der Papst gilt als Nachfolger des Petrus, sein Sitz wird als Stuhl Petri bezeichnet und als Verweis auf den „Brotberuf“ des Apostels trägt er den Fischerring, und es ist von den „Schuhen des Fischers“ die Rede. Aber er steht in gewissem Sinne immer auch in einer Linie mit Paulus, ist auch in dessen Schuhen unterwegs. Es ist ein schönes Zeichen, dass sich das Papsttum auf eine Person gründet, die sich nach gängigen Kriterien so gar nicht als Führungskraft zu eignen scheint. Dieser Petrus ist kein Zampano, kein großer Macher; wohl erweist er sich als treuer Gefolgsmann Jesu, doch gleichzeitig ist er in dieser Treue schwach – sobald es brenzlig wird, fällt er um, in entscheidenden Situationen kapiert er nicht, worum es eigentlich geht („Verklärung“, „Fußwaschung“) und tritt ziemlich ziel*sicher ins Fettnäpfchen.

Paulus, der erste Globalisierer des Evangeliums

Dass ausgerechnet er zum „Felsen“ wird, auf dem die Kirche errichtet werden soll, darf man als eines der markantesten Symbole für die Paradoxie des Christentums lesen, von der auch Paulus spricht: „denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“ (2 Kor 12,10). Paulus hat daraus ein Programm gemacht – von ihm, nicht von Petrus, stammen die wichtigsten ersten „Enzykliken“, seine Briefe, die an Bedeutung und Umfang jene zwei dem Petrus zugeschriebenen eindeutig überragen. Zumal in Zeiten der Globalisierung – der sich auch Europa nicht entziehen kann und soll, ohne dass es sich dabei selbst aufgeben müsste – kommt der Gestalt des Paulus als des ersten Globalisierers des Evangeliums besondere Bedeutung zu. In ganz spezifischer Weise stand wohl das Pontifikat Johannes Pauls II. in dieser Tradition, was sich ja auch im zweiten Teil seines Namens widerspiegelt. Der Papst aus Polen war ein Paulus des 20. Jahrhunderts, unermüdlich rund um die Welt unterwegs mit seiner Botschaft, mit der insbesondere für Europa auch ein politisches Projekt, die Überwindung des Kommunismus, verbunden war.

„Darüber wollen wir dich ein andermal hören“


Paulus hatte freilich keine besonders gefällige Botschaft im Gepäck, denn er wollte „Christus als den Gekreuzigten“ (1 Kor 1,23) verkünden. Damit wird man nicht everybody’s darling, wie Paulus auch auf dem Areopag in Athen (Apg 17) erfahren musste: Zuerst hören die Athener seinen wohlgesetzten Worten noch zu, aber als Paulus zum Kern der Sache kommt, der „Auferstehung der Toten“, da „spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören“. Worauf Paulus weiterzog.
Solche Areopag-Erfahrung wird auch dem jetzigen Papst nicht erspart bleiben, wenn sich der Hype um seine Person und seine – tatsächlich beeindruckenden – ersten Gesten gelegt haben wird. Die selektive Wahrnehmung dieses Pontifikats hat ja schon eingesetzt: Wenn er uns bei der Sozialdemokratisierung der Welt hilft, soll es uns recht sein – alles andere, naja, darüber wollen wir ihn ein andermal hören, schrieb etwa Falter-Chef Armin Thurnher sinngemäß.
Nach allem, was man bisher über Jorge Mario Bergoglio weiß, darf man annehmen, dass ihm dies auch bewusst ist. Nicht zuletzt sein Wahlspruch „Miserando atque eligendo“ kann so gelesen werden: Es geht um Barmherzigkeit und um Erwählung, um die Aufforderung zur Nachfolge, welche die Adressaten stets unzweideutig in die Pflicht nimmt.

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