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23/2013 - Die gegenderten Eltern (Rudolf Mitlöhner)
  #1  
Ungelesen , 12:03
Die gegenderten Eltern

Über Rollenbilder, Männer, Frauen, Väter, Mütter: Alles eine Frage der subjektiven Orientierung, wenn man dem Zeitgeist folgt. – Anmerkungen anlässlich des Vatertags.

Von Rudolf Mitlöhner

Was gibt’s am Vatertag zu feiern? Er hat es leichter und gleichzeitig schwerer als der Muttertag. Zum einen steht er nicht unter Kitsch- und Überfrachtungsverdacht wie dieser, zum anderen freilich findet er auch weit weniger Beachtung. Wenn aber der Muttertag in gewisser Hinsicht ohnedies „nicht mehr zu retten“ ist, könnte man vielleicht dessen weniger berühmtes Pendant zum Anlass für einschlägige Grundsatzüberlegungen nehmen: zu Rollenbildern, Familie, Erziehung, Kindern …
Eigentlich müsste ja bereits die Unterscheidung von Vater- und Muttertag an sich als obsolet gelten. Denn die Protagonisten des Zeitgeistes blasen uns seit geraumer Zeit schon die Ohren voll, dass eine sogenannte „klassische“ Familie aus Vater, Mutter und Kind(ern) bestenfalls eine unter vielen – aber gewiss nicht die wünschenswerteste und damit irgendwelcher Privilegierungen würdige – Form des Zusammenlebens ist. So hat etwa Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, von Amts wegen in besonderer Weise dazu berufen, in dankenswerter Offenheit vor einiger Zeit erklärt, es sei „völlig egal“, ob ein Kind „Mama-Papa“ sagt oder „Mama-Mama“ oder „Papa-Papa“.

Nivellierung der Geschlechterdifferenz


Aber es griffe zu kurz, wollte man bei der Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe stehenbleiben. Der Kern der soziopolitischen Agenda besteht vielmehr in der Nivellierung der Geschlechterdifferenz an sich. Dies bedeutet etwas gänzlich anderes, als die Einsicht, dass es bei Männern „weibliche“ und bei Frauen „männliche“ Anteile gibt, von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt. Sich dem zu verschließen, wäre nicht nur widersinnig, es manifestiert sich darin auch auf schöne Weise die Aufeinander-Bezogenheit, das Einander-Zugeordnetsein der Geschlechter. Das Programm, das läuft, hebt sich indes davon deutlich ab: Es basiert auf der Überzeugung, dass das Geschlecht keine biologische (natürliche), sondern eine soziologische Kategorie darstellt, und demgegenüber in der subjektiven Verfügungsmacht des einzelnen steht bzw. sich als Gegenstand soziotechnokratischer Umerziehungsfantasien eignet. Alles eine Frage der „Orientierung“ also. In dieser Perspektive muss dann jede Unterscheidung als Diskriminierung gelten – die solange zu bekämpfen sind, bis eben Unterscheidungen nicht mehr möglich sind. Dass dieser antidiskriminatorische Habitus, der den Mainstream in Politik und Medien längst prägt,
selbst in höchstem Maße eine Diskriminierung – nämlich der Mehrheit – darstellt, wird dabei gerne übersehen.

Die Option eines dritten Geschlechts

In dieses Bild fügt sich perfekt eine Nachricht dieser Tage: Ein australisches Gericht hat entschieden, dass ein Mensch in amtlichen Formularen etwa von Standesämtern nicht als männlich oder weiblich eingeordnet werden muss. In australischen Pässen ist das schon lange möglich: Dort gibt es neben männlich und weiblich auch ein x für „intersexuell“. Nun gibt es gewiss medizinische Fälle von Personen, bei denen eine Zuordnung tatsächlich nicht möglich ist. Aber darum geht es nicht, sondern, wie das Michael Prüller in der Presse am Sonntag formuliert hat, darum „ ob uns die Muster des Lebens und des Glücks vorgegeben sind – von Gott, vom Weltgeist, von der Natur –, oder ob wir uns das Wesen der Dinge selbst konstruieren können“.
Das genannte Beispiel ist auch insofern von Interesse, als hier an einem Einzel-, Sonder- oder Extremfall gewissermaßen ein Exempel statuiert werden soll. Auch dies lässt sich gesamtgesellschaftlich beobachten: Extreme werden im Zeichen der Antidiskriminierung zur Norm erklärt, womit freilich die Norm marginalisiert wird (und schließlich der Begriff „Norm“ an sich als überholt zu gelten hat). Womit sich wieder der Kreis zur Familienpolitik schließt. Vor lauter Egalität könnte bald wirklich alles „völlig egal“ sein.
  #2  
Ungelesen , 12:13
wage_bert wage_bert ist offline
 
Registriert seit: 23.08.2010
Beiträge: 4
Wer Andren eine Brücke trägt

Nur wer fundamental zu seinen Werten steht, sei fähig eine Brücke zu Andersdenkenden zu tragen! So oder so ähnlich hat Andreas Kohl vor Zeiten seine Herangehensweise zu kontroversiellen Themen gerechtfertigt. Herrn Mitlöhner schätze ich ähnlich ein. Ein paar Anmerkungen also von der anderen Seite der Brücke:
1. Ich habs noch nie gehört, dass die Vater-Mutter-Kind-Familie nicht wünschenswert sei... lediglich deren Priveligierung widerspricht Ableitungen aus dem Menschenrecht.
2. Ich kenne Kinder aus zwei Mama-Mama Familien, und die sind sowas von unterschiedlich und dabei sowas von "Normal", also verstehe ich die Kritik am Heinisch-Hosek Zitat nicht.
3. Den Kern der soziopolitischen Agenda sehe ich darin, dass die Gehälterunterschiede sichtbar gemacht und in der Folge aufgehoben werden, und darin, dass wir Männer unseren Teil beitragen, wenn Angehörige oder einfach Mitmenschen seien es nun Kinder, betagte oder kranke Menschen einer Pflege bedürfen.
4. Wenn es stimmt, dass das Programm das läuft auf der Überzeugung basiert, dass das Geschlecht keine biologische, sondern eine soziologische Kategorie darstellt, dann hat das vielleicht damit zu tun, dass die Proponenten dieses Programms meinen, sie müssten fundamental zu ihren Werten stehen um eine Brücke... da Teile ich ihre Kritik.
Ich bin zur Zeit hauptberuflich Vater eines Zwillingspaares und erlebe seit zweieinhalb Jahren wie zutreffend und auch wieder nicht (Kleidung) die Geschlechterspezifischen Zuordnungen sind.


Danke für Ihre freundlich-konstruktiv-kritische Reaktion auf meinen Leitartikel und den Vergleich mit Andreas Khol.
ad 1. Diskriminierung und Förderung sind zwei Seiten einer Medaille - irgenwas fördert/diskriminiert man immer (ich habe einmal einen Leitartikel etwas provokant übertitelt mit "Politik ist Diskriminierung")
ad 2. Das glaube ich Ihnen sofort - jeder von uns kennt Einzelbeispiele für irgendwas, mit denen sich fast alles behaupten oder widerlegen lässt.
ad 3. Dass es nur um Gehälterunterschiede geht, würde ich energisch bestreiten - aber das glauben Sie ja wohl selbst nicht. Dass auch Männer ihren Beitrag leisten sollen, wie von Ihnen beschrieben, sehe ich auch so.
ad 4. Ist eine gelungene Schlusspointe. Aber damit kann ich natürlich jede Aussage relativieren: Der sagt das eh nur so, damit er überhaupt gehört wird … Anders gesagt: Ich kann nicht jede Positionierung damit rechtfertigen, dass ich sage, der ist nur so standpunktfest, damit er eine Brücke schlagen kann …
Rudolf Mitlöhner
  #3  
Ungelesen , 17:56
Johann Wutzlhofer Johann Wutzlhofer ist gerade online
 
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Beiträge: 21
Natur, Schöpfung und Zeitgeist, Fortschritt

Diesen Kommentar habe ich gerade in der FURCHE bereits seit einiger Zeit erwartet. Als Diskussionsanstoß. Aus meiner – natürlich bloß subjektiven Wahrnehmung – sehe ich wie sehr einerseits die Angst vor dem Kollaps der Natur durch die wirtschaftlichen und technischen Eingriffe um sich greift. Diese Angst wird – nicht nur - aber nicht selten, besonders von Menschen verbreitet die technische Eingriffe in die Fortpflanzung unserer Art und die von der Natur in Minderheit hervorgebrachten Orientierungen der Sexualität als besonders gut geeignet Beitrag zum Fortschritt der Menschheit darstellen. Da ich für den Begriff Natur auch das Wort Schöpfung verwende, bin ich selbstverständlich in einer „extrem konservativen Ecke“, nehme aber dadurch einen Vorteil mit; meine Demut ist eher eine vor der „Schöpfung“ und nicht vor Menschen die mit einem etwas überzogenen Selbstbewusstsein ihre persönliche Meinung als die Krönung des Fortschrittes präsentieren.
  #4  
Ungelesen , 20:08
wage_bert wage_bert ist offline
 
Registriert seit: 23.08.2010
Beiträge: 4
Lassen wir die Angst doch dort wo sie hin gehört

Sehr geehrter Herr Wutzlhofer!
Ein Vorschlag: da auch ich sehr gerne den Begriff der Schöpfung verwende, treffen wir uns doch in der religiösen Ecke, denn da kommt der Begriff doch her.

Viele Schwule und Lesben haben meinen Weg gekreuzt, und mir fällt auf Anhieb keine spezifische Beschreibung für diese Menschen ein, die allen gerecht werden würde, sie sind einfach zu unterschiedlich.

In den zwölf Jahren, die ich als Erzieher in einer Kinderwohngruppe für Verhaltensauffällige Kinder gearbeitet habe, kamen viele Familien, allesamt Vater-Mutter-Kind Familien, vorwiegend gescheiterte solche aber nicht nur, in unsere Unterstützung. Die Familien aber, von denen ich schrieb, bieten ihren Kindern den Rahmen den sie brauchen um gut zu gedeihen, dazu gehört natürlich auch, dass sie Kontakt zu ihrem Papa haben! Wenn der Ö1 Radiokolleg richtig recherchiert, dann ist auch die wissenschaftlich erhobene Datenlage so, dass die Kinder solcher Familien in keiner Weise irgendwie auffallen.

Mein Kommentar zu Mitlöhners Leitartikel ist ganz bestimmt kein Plädoyer für technische Eingriffe in der Fortpflanzung, auch ich bin da ausgesprochen skeptisch! Damit eine Frau, die in einer lesbischen Beziehung lebt schwanger wird, braucht es, ihre Gesundheit vorausgesetzt, keine großen technischen Hilfen, das geht ganz einfach. Da bleibt sie durchaus unter dem Dach der Schöpfung, so wie Gott sie schuf!

Was mich gereizt hat war Mitlöhners Aussage "Denn die Protagonisten des Zeitgeistes blasen uns seit geraumer Zeit schon die Ohren voll, dass eine sogenannte „klassische“ Familie aus Vater, Mutter und Kind(ern) bestenfalls eine unter vielen – aber gewiss nicht die wünschenswerteste ... sei." Ich höre das anders! Natürlich ist das die wünschenswerteste Form von Familie (wenn in ihr Liebe und Respekt wohnen), aber eben nicht die Einzige, die den Kindern das geben kann was sie brauchen.
Doch zurück zur Schöpfung, eine der ersten Assoziationen die mir zu diesem Begriff in den Sinn kommt ist Vielfalt (der Arten, Unterarten, Eigenarten,...) und ich glaube der dreieinige Gott an den wir glauben wollte/will es so!

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  16:02:19 07.16.2005