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33/2013 - Eine verkehrte Botschaft (Otto Friedrich)
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Ungelesen , 08:04
Eine verkehrte Botschaft

Von Otto Friedrich

Man kann (und soll) wie Jugend*seelsorger Gregor Jansen (www.katholisch.at/blog/jansen) oder der profane Kommentator der Salzburger Nachrichten das Gleichnis vom barmherzigen Samariter bemühen. Denn dieses wird laut Lukasevangelium von Jesus erzählt, um die Frage „Wer ist mein Nächster?“zu beantworten. Es sind Menschen, die unter die Räuber fallen, so die Geschichte. Und es ist ein Fremder, der dem Bedürftigen zu Hilfe eilt – und nicht der hohe Funktionär, oder der angestammte Einheimische, der vorbeikommt.
Man könnte Heinz-Christian Strache oder Herbert Kickl oder den anderen Köpfen der aktuellen Wahlkampagne der FPÖ natürlich auch das Matthäusevangelium um die Ohren schmeißen, in dem Jesus die Kriterien, die in der Lebensbilanz eines Menschen zählen, anführt: die Sorge um Hungernde, Dürstende, Obdachlose, Nackte sowie Frem*de ist den Menschen aufgegeben. Von daher erscheint es völlig absurd, „Liebe deine Nächsten“ auf die Plakat*wände zu kleis*tern und darunter den Satz zu affichieren, man meine damit „unsere Österreicher“.
Man könnte auch das religiöse Moment ansprechen, auf das die blauen Wahlwerber schon fast kontinuierlich setzen: Das Abendland müsse „in Chris**-
tenhand“ bleiben, haben wir da gehört, auch „Daham statt Islam“ oder „Pummerin statt Muezzin“ ward in dieser politischen Ecke schon gereimt. Offenbar kommen Strache und seine Mannen ohne religiösen Bezug nicht aus. Wäre das in säkularer Zeit nicht auch ein Verweis, dass die Religion doch nicht ausgedient hat, selbst wenn sie missbräuchlich verwendet wird?

Keine Abkehr von der verbalen Aggression

Schließlich könnte man noch darauf verweisen, man ginge den verbalen Rabauken auf den Leim, wenn man sich auf ihre kalkulierte Provokation einlässt. Denn natürlich ist es kein sanfter Liebeswahlkampf, den die Blauen da anvisieren – auch wenn man, wie etwa in der Kleinen Zeitung nachzulesen, schon einen Kommunikationswissenschafter findet, der dies als „klare Abkehr von Konfrontation und Aggression“ qualifiziert.
Doch das stimmt einfach nicht: Auch wenn Strache & Co das Kläffen sein lassen, wollen sie mit ihren pseudoreligiösen Versatzstücken provozieren. Und gerade die christliche Botschaft in ihr Gegenteil verkehren. Das darf man sich nicht gefallen lassen – taktische Überlegungen hin oder her.

Die ethische Aushöhlung der Gesellschaft

Von daher ist es gut, dass sich die Kirchen schnell zu Wort gemeldet haben – die evangelische Kirchenspitze ebenso wie die Katholische Aktion (vgl. Seite 3 dieser FURCHE). Es wäre ein Hoffnungszeichen, wenn eine breite Koalition der Religiö*sen im Land die Usurpation der Nächstenliebe fürs politische Kleingeld nicht hinnimmt. Denn es geht da schon längst nur mehr vordergründig um tagespolitisches Hickhack oder verbale Chuzpe, für die man in Wahlzeiten Nachsicht üben sollte.
Denn der fortwährende Missbrauch gerade religiö*ser Werte durchs rechte politische Lager hat in der Gesellschaft – und in anderen Parteien – längst tiefe Spuren hinterlassen. Dass es in diesem Land etwa eine Asyl- und eine Fremdengesetzgebung gibt, die die Bezeichnung „Recht“ über weite Strecken nicht verdienen, ist eine direkte Folge dieser ethischen Aushöhlung der Gesellschaft.
Religiöse sind überzeugt, dass die Menschenwürde unantastbar ist. (Säkulare berufen sich da analog auf die Menschenrechte.) Wenn nun die religiös Bewegten im Land – und dabei natürlich vor allem die Christen – dazu schweigen, dass ihr Grundwert Nächstenliebe politisch instrumentalisiert wird, dann haben die Brandstifter einmal mehr gewonnen.
P.S.: Im Übrigen pflegt das rechte Lager gern über einen grassierenden Verfall der Werte zu lamentieren. Fällt den FPÖ-Wahlwerbern gar nicht auf, dass sie mit ihrer die Nächstenliebe verhöhnenden Kampagne ebensolchem Werteverfall auf perfide Weise Vorschub leisten?

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