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43/2013 - Was heißt arme Kirche? (Rudolf Mitlöhner)
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Ungelesen , 11:53
Was heißt arme Kirche?

Die Causa Limburg dürfte vorerst geklärt sein. Die dadurch und durch die Person des Papstes neu aufgeworfene Frage nach Armut und Reichtum der Kirche bleibt.

Von Rudolf Mitlöhner

Kaum vorstellbar, dass der Fall des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst vor dem Pontifikat von Papst Franziskus dermaßen hohe Wellen geschlagen hätte. Das medial erzeugte Bild von Franziskus fungiert als Kontrastfolie, vor der sich die Figur des „Luxusbischofs“ in den Augen der Öffentlichkeit umso schärfer als Karikatur des katholischen Würdenträgers abhebt. Das Mindeste, was sich über Tebartz-van Elst wohl sagen lässt, ist, dass er, offenkundig einem überkommenen klerikalen Allmachtsdenken verhaftet, intransparent und abgehoben agiert hat. Was an konkreten Vorwürfen im einzelnen zutrifft, ist Gegenstand innerkirchlicher wie staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen. Jenseits dieser Vorwürfe und der Person des Bischofs ist die eigentlich spannende Frage freilich jene nach Armut und Reichtum in der Kirche.
Gerade bei diesem Thema sehen viele eine markante Zäsur zwischen Benedikt XVI. und Franziskus, zu deren Untermauerung die immer gleichen Indizien angeführt werden. Insbesondere der Tatsache, dass der amtierende Papst nicht im Apos*tolischen Palast, sondern (wie die Kardinäle während des Konklaves) im vatikanischen Gästehaus Santa Marta wohnt, wird in diesem Zusammenhang große Bedeutung zugemessen.

„Historischer Ballast“

Nun ist es selbstverständlich das gute Recht des Papstes, nicht die vorgesehenen Räumlichkeiten zu beziehen – und es ist glaubwürdig, wenn jemand wie Jorge Mario Bergoglio sagt, die Wohnung im dritten Stock des Apostolischen Palasts sei ihm zu abgeschieden. Das ist eine Frage des Stils, der Persönlichkeitsstruktur und gewiss auch Ausdruck einer bestimmten Spiritualität, die immer schon ein wesentliches Element christlichen, auch katholischen Selbstverständnisses gebildet hat. Aber daraus zu folgern, dies sei nun ein erster Schritt eines langen Weges, in dessen Verlauf die Kirche all ihren „historischen Ballast“ abwerfen, jeglichem „Prunk“ entsagen und am Ende als wirklich „arme Kirche“ Jesu Christi dastehen müsse, mutet seltsam ahistorisch und auch theologisch problematisch an.
Zu Ende gedacht dürfte ja der Papst dann auch keine Gottesdienste im Petersdom mehr feiern, müssten auch all die anderen Kathedralen und Dome für liturgische Zwecke verschlossen bleiben. Dem käme zweifellos noch deutlich höhere Symbolkraft zu als dem Wohnort des Papstes (gar nicht zu reden von seinem Schuhwerk …). Denn natürlich würde heute niemand mehr eine Kirche wie Notre-Dame de Paris, den Kölner oder den Prager Veitsdom bauen.

Glaube und Kultur


Aber es sind dies Gottes-Häuser, in denen und durch die der Glaube im umfassenden Sinn Kultur geworden ist – seine kulturelle Ausprägung erfahren hat und für die Alltags- und Lebenskultur wirkmächtig werden konnte. Das gilt analog natürlich auch für die vielen anderen Spuren baulicher und nichtmaterieller Art, die das Christentum hinterlassen hat. Dies alles gewissermaßen in einem radikalen Rückgriff zu überspringen, demzufolge dann neben der Bergpredigt höchstens noch Franz von Assisi bestehen könnte, bedeutete doch eine gewaltige Engführung christlicher, katholischer Tradition.
In Fortschreibung dieser Tradition steht es der Kirche heute nicht minder gut an, Räume zu schaffen, die auch von architektonischem Anspruch zeugen und in moderner, zeitgemäßer Formensprache etwas von der „Schönheit des Glaubens“ widerspiegeln. Zudem sind kirchliche Würdenträger – ebenso wie jene anderer Religionen – immer auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, deren Ausstattung und Habitus ebendieser repräsentativen Funktion angemessen zu sein hat. Was das konkret bedeutet, ist objektiv nicht festlegbar und obliegt jedem einzelnen – nicht umsonst gelten ja temperantia (Maßhalten) und prudentia (Klugheit) als Kardinals-Tugenden.

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