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49/2013 - Leibhaftig böse
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Ungelesen 04.12.2013, 10:09
Leibhaftig böse

Von Jürgen Bründl

Das Gute kommt nie allein, und – Gott sei’s geklagt – der Gute auch nicht. Wird bereits das Erlösungswerk des Höchsten von einem Satan begleitet, so führen auch die niederen Chargen der Heilsvermittlung dunkle Wiedergänger mit sich. Es geht dabei durchaus um Arbeitsteilung: Selbst wenn Knecht Ruprecht dem Nikolaus einen Sack mit Wohltaten hinterher trägt, auszuteilen hat er selbst doch einzig die Rute. Und der etwas südlicher verbreitete Krampus teilt nicht nur besagte Rute, sondern auch allfällige Strafen mit ihr aus.
Was unser Brauchtum hier alle Jahre wieder aufführt, entstammt einer religionsgeschichtlich erprobten Verfahrensweise: Gegen die Ansteckung mit der Bosheit werden von der höchsten Güte Funktionäre des Bösen abgespalten. Ein Beispiel aus dem Alten Testament macht deutlich, wie das vor sich geht: Während im Zweiten Samuelbuch der Zorn Gottes den König David zu einer sündhaften Volkszählung reizt, übernimmt dieselbe Aufgabe in der Nacherzählung derselben Geschichte im Ersten Chronikbuch ein Satan (vgl. 1Sam 24,1 und 1Chr 21,1).

Gott braucht keine satanischen Prüfungen


Dieser Titel bezeichnet einen ganz besonderen Dienstmann am Hofstaat Gottes: den himmlischen Geheimpolizisten und Ankläger, der sozusagen von Amts wegen die Majestät seines Herrn vor Beleidigungen schützen soll. Zum Schaden der Menschen, wie hinzugefügt werden darf. Also böse Prüfungen in guter Absicht? Ijob, der leidende Held des gleichnamigen Buches, begehrt jedenfalls auf gegen derartige Nachstellungen. Und im Lukas-Evangelium sieht Jesus den Ankläger sogar aus dem Himmel hinausgeworfen (vgl. Lk 10,18), auf dass er keinen Platz mehr finde an der Seite Gottes, weil dessen Barmherzigkeit satanische Prüfungen nicht nötig hat.
Die Christgläubigen allerdings s