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17/2014 - Die dekretierte Heiligkeit (Otto Friedrich)
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Ungelesen , 11:13
Die dekretierte Heiligkeit

Die Heiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. ist der katholische Mega-Event des Jahres. Kritik daran sollte aber nicht vorschnell abgetan werden.

Von Otto Friedrich

Heiligkeit ist das Ziel, dem Christen seit jeher zueifern. Die katholische Kirche erklärt – gleichfalls seit jeher – zusätzlich besondere Persönlichkeiten zu Heiligen: Menschen, die auf Grund ihres Lebenszeugnisses Vorbilder sind, und denen Heiligkeit schon hier und heute zugesprochen werden kann. Am Sonntag wird Papst Franziskus nun zwei seiner Vorgänger, Johannes XXIII. und Johannes Paul II., zur, wie es heißt, „Ehre der Altäre“ erheben.
Der mutmaßlich größte „katholische“ Event des Jahres steht vor der Tür – ein Zeichen, dass die Kirche durchaus auf der Höhe des Zeitgeistes ist: Die globale Mediengesellschaft verlangt nach markanten Persönlichkeiten, und in der Unübersichtlichkeit des gesellschaftlichen und politischen Alltags sind Leuchtturm-Gestalten vonnöten, damit die Menschen nicht verloren umherirren. Außerdem ist die globale Feierkultur längst von Events bestimmt: gut für die Christenheit, wenn an diesem Wochenende Millionen in die Ewige Stadt strömen; doch die markanten Persönlichkeiten, mit denen die katholische Kirche via Heiligsprechungen aufwarten kann, und der markante Augenblick, wie die Mega-Feier auf dem Petersplatz, sind die eine Seite der Medaille.

Generell keine Heiligsprechung von Päpsten?

Und doch ist auch die Kehrseite davon in den Blick zu nehmen. Denn Heiligsprechung findet ja nicht im luftleeren Raum statt; sie hat auch Konsequenzen fürs Gesamt der Kirche – und neben der spirituellen auch politische Dimensionen. Es gab darob durchaus Kritik an diesen Heiligsprechungen – und man sollte diese nicht vorschnell abtun. Interessant, dass ähnliche Einwände sozusagen gleichermaßen von links wie von rechts zu hören waren. Die eine Position hat Hans Küng bereits 2011 anlässlich der Seligsprechung von Johannes Paul II. auf den Punkt gebracht, als er meinte: „Da geht es doch in Rom zu wie zu den Zeiten der Cäsaren, die den jeweils vorangegangenen Kaiser zum Gott erhoben.“ Auf der konservativen Seite äußerte vor wenigen Tagen der Publizist Alexander Kissler im Magazin Cicero, Päpste sollten generell nicht heilig gesprochen werden. Denn die dafür festgestellte „heroische Tugendübung“ gehöre prinzipiell zur „Arbeitsplatzbeschreibung“ von Päpsten. Also, folgert Kissler, sei die Kanonisierung vor allem eines: Willkür. Und weiter: „Ehrgeizfördernde Fleißkärtchen und Mitarbeiterurkunden, ausgestellt vom Nachfolger, sind ein gar zu weltlich’ Ding.“

Franziskus dreht längst an Korrekturschrauben

Solche Kritik ist nicht von der Hand zu weisen und sollte gerade im Überschwang des Events nicht überhört werden. Aber wenn man den Blick auf Zwischentöne richtet, dann fällt auf, dass der Papst längst an Korrekturschrauben dreht: Es ist kein Zufall, dass Franziskus der Heiligsprechung Johannes Pauls II., die im ICE-Tempo erfolgte, jene von Johannes XXIII. beigesellte, dem er überdies das im Prozedere verlangte Wunder „erließ“. Auch dies ist ein markantes Zeichen, rekurriert doch die Voraussetzung eines Wunders auf ein magisches Glaubensverständnis, das bei allem Respekt für vormoderne Frömmigkeitsformen den glaubenden Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts verstören muss.
Die Wunderfrage tangiert aber nur eine der Baustellen im gegenwärtigen Heiligsprechungsverfahren. Eine andere ist, wie man innerkirchliche Lobbys und Pressure Groups, die jeweils ihre Favoriten in den Heiligenstand hieven wollen, im Zaum hält. Man erinnert sich etwa, wie superschnell der 1975 verstorbene Opus-Dei-Gründer Josemaría Escrivá zur Selig- und Heiligsprechung zugelassen wurde (1992/2002) Nun wird im September auch sein Nachfolger, Opus-Dei-Prälat Álvaro del Portillo (†1994) selig gesprochen. Die Kanonisierung des salvadorianischen Märtyrerbischofs Óscar Romero (†1980), der in ganz Zentralamerika längst als Heiliger verehrt wird, steht hingegen nach wie vor aus.

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