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49/2008 - Die Not des Nachwuchs
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Alt 04.12.2008, 13:23
I Die Not des Nachwuchs: wenig Geld, wenig Perspektiven

Von Stefan Janits

Sie haben eine Top-Ausbildung, einen verantwortungsvollen Job und müssen um jeden Büroartikel kämpfen: Lektoren und NachwuchsWissenschafter an den heimischen Universitäten. Seit Jahren kämpft dieser Berufsstand vergeblich um bessere Arbeitsbedingungen.
Die Universität lebt nicht von den Professoren allein. Um Lehre und Forschung an den österreichischen Hochschulen sicherstellen zu können, bedarf es auch anderer Lehrkräfte. Neben Assistenten sind es vor allem die Lektoren, die für eine qualitätsvolle Ausbildung der Studierenden zuständig sind. Bei den Lektoren selbst handelt es sich um eine sehr inhomogene Gruppe. Einige Lektoren übernehmen Lehraufträge nur semesterweise und sind in der Forschung tätig, andere unterrichten ausschließlich. Was alle Lektoren verbindet, sind die prekären und befristeten Dienstverhältnisse, die Perspektivenlosigkeit und die miserablen Arbeitsbedingungen.
„Im Moment würde ich jedem von einer wissenschaftlichen Karriere abraten“, sagt Annemarie Steidl von der „IG Externe LektorInnen und Freie WissenschafterInnen“. Steidl ist selbst Lektorin am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien und beschäftigt sich schon länger mit der Situation der Lektoren an den österreichischen Universitäten. „Die Perspektivenlosigkeit bedrückt junge Wissenschafter schon sehr“, so Steidl.
Befristete Verträge, kein Kündigungsschutz und eine zu geringe Entlohnung seien die Hauptprobleme des wissenschaftlichen Nachwuchses. Viele Lektoren erfahren erst kurz vor Semesterbeginn, ob sie einen Lehrauftrag für wenige Monate erhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt muss die Vorlesung jedoch längst vorbereitet sein. Hat ein Lektor Pech, bereitet er eine Lehrveranstaltung im wahrsten Sinne des Wortes umsonst vor. Erhält er nämlich keinen Lehrauftrag, bekommt er für die Vorbereitungszeit kein Geld. Und auch ein bereits unterschriebener Vertrag sei keine Garantie: „Es soll Fälle geben, da wurden unterschriebene Verträge von der Uni Wien einfach nicht eingehalten“, weiß Steidl.

Eine brenzliche Lage

„Es gibt niemanden, der so eine gute Ausbildung hat wie wir Akademiker, und dann glaubt man, dass man unsere Arbeit ganz billig haben kann“, sagt Steidl und meint weiters: „Es ist paradox, dass hoch qualifizierten Mitarbeiter so unterbezahlt sind.“ Vor allem für Lektoren, die ausschließlich vom Unterrichten an den Universitäten leben, sei die Lage brenzlich, aber auch für Assistenten in Ausbildung. Diese zumeist ganz jungen NachwuchsWissenschafter haben eine 40-Stunden-Woche, sind in Verwaltung und Lehre tätig, schreiben an ihrer Doktorarbeit und verdienen viel zu wenig.
Gleichzeitig könne sich die Universität Wien Strafzahlungen an die Wiener Krankenkassa leisten, meint Steidl. „Viele Lektoren werden zu spät angemeldet, wodurch der Universität nachträglich hohe Kosten entstehen.“

Fehlende Perspektiven

Es sind jedoch nicht nur die Geisteswissenschaften von diesen Problemen betroffen. „Dem wissenschaftlichen Nachwuchs fehlt die Perspektive in Österreich, deswegen gehen viele ins Ausland“, sagt Thomas Szekeres, Professor an der Medizinischen Universität Wien und Betriebsratsvorsitzender. An einer Universitätsklinik wie dem Allgemeinen Krankenhaus in Wien seien die Arbeitsbedingungen für junge Mediziner besonders schlecht. Es gibt keine Karrierechancen, die Arbeitsbelastung ist immens hoch und die Einstiegsgehälter extrem niedrig. „Wenn man nicht bald viel Geld in diesen Bereich investiert, werden wir spätestens in ein paar Jahren einen Mangel an qualifizierten Wissenschaftern haben“, sagt Szerkeres.
Doch es ist auch der ganz normale Arbeitsalltag, der vielen Lektoren zu schaffen macht. „Vollzeitangestellte haben keinen Arbeitsplatz oder Schreibtisch, Lektoren müssen um jede Kopie, um jedes Telefonat und um jeden Büroartikel betteln“, berichtet Steidl aus ihrer persönlichen Erfahrung.
Dem ausverhandelten Kollektivvertrag für Universitätsangestellte, der nur mehr die Zustimmung des Finanzministers braucht, steht Steidl skeptisch gegenüber. „Der Kollektiv*vertrag bringt zwar Verbesserungen für die Fixangestellten, für Lektorinnen und Lektoren greift er aber nicht“, so Steidl. Ziel müsse eine Gleichstellung mit anderen Angestellten sowie eine Gehaltserhöhung sein. Szekeres befürwortet hingegen die Umsetzung und Finanzierung des Kollektivvertrags.

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