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49/2015 - Lebens-Zeichen (Rudolf Mitlöhner)
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Ungelesen , 11:56
Lebens-Zeichen

Der bleibende publizistische Auftrag der FURCHE im Wandel ihrer siebzigjährigen Geschichte.

| Von Rudolf Mitlöhner

Diese Zeitung hat sich von Anfang an als „Lebens-Zeichen“ verstanden: in den Jahren nach dem Krieg als Beitrag zum moralischen und geistigen Wiederaufbau, dann als Forum des „Gesprächs der Feinde“ (F. Heer) aller Art, stets als Gegenprogramm zu Engführungen in politischen, gesellschaftlichen und religiösen Dingen. Ihre eigentlichen Kategorien waren und sind nicht „konservativ“ und „progressiv“, „links“ und „rechts“ und auch nicht „liberal“. Die entscheidende Frage ist: „Wie kann menschliches Leben gelingen?“
Der Maßstab, den die FURCHE hier anlegt, entstammt ihrer Tradition. Sie wurde als katholische Wochenzeitung gegründet („durch katholische Grundsätze bestimmt“; F. Funder) – das gehört also gewissermaßen zu ihrer genetischen Grundausstattung. Die FURCHE hat dieses Katholisch-Sein freilich nie als Widerspruch zur Fähigkeit und Bereitschaft zum Dialog verstanden, vielmehr als dessen Ausgangspunkt: als Auftrag und Ermöglichung.
Denn noch etwas wurde ihr in die Wiege gelegt: Ein weiterer Begriff, den Friedrich Funder in seinem programmatischen Leitartikel der allerersten Ausgabe verwendet, lautet „zeitaufgeschlossen“. Das meint weder ein dem Zeitgeist Hinterherhecheln, noch eine Abwehr allen Wandels; weder kurzatmige Fortschrittseuphorie, noch schwermütigen Kulturpessimismus. „Zeitaufgeschlossenheit“ verlangt nicht weniger als die Unterscheidung der Geister. Worum es geht, hat noch immer keiner besser und konziser formuliert als Paulus: „Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5,21).

Ringen um Antworten

Mit der vorliegenden Jubiläumsausgabe wollten wir erneut Lebens-Zeichen setzen. Anhand von Schlüsselbegriffen, Grundvollzügen des menschlichen Lebens sollte diese Unterscheidung der Geister erfolgen. Der Anspruch war, die eigene Tradition einer kritischen relecture zu unterziehen und „zeitaufgeschlossen“ Entwicklungen nachzuspüren. Die Zugänge und erst recht die Ergebnisse sind dabei recht unterschiedlich ausgefallen. Auch das ist ein Wesensmerkmal dieser Zeitung: ihre große Bandbreite. Die FURCHE hat immer um Antworten auf die großen Zeitfragen gerungen, keine fertigen Rezepte präsentiert. Diese Antworten als Annäherungsversuche haben sich im Lauf der Zeit gewandelt, sie sind immer wieder aber auch zur selben Zeit innerhalb der Redaktion in verschiedener Weise gegeben worden. Auch das spiegelt diese Sondernummer wider.
Man kann das als Schwäche, mangelnde Klarheit oder Ähnliches interpretieren. Die FURCHE ist damit freilich über die Jahre nicht schlecht gefahren. Sie hat sich ein beträchtliches Maß an Anerkennung und Wertschätzung jenseits des hektischen Getriebes der politmedialen Blase und ihrer Protagonisten erarbeitet. Sie trägt damit wohl auch Funders berühmtem Wort vom „katholischen Blatt für die Weltleute“, das eben keine Kirchenzeitung sein sollte, Rechnung – und ebenso seiner Idee von einem „hohen geistigen Forum“.
So setzen wir nicht nur, sondern geben auch zu unserem siebzigsten Geburtstag, am Ende eines langen Gedenkjahres, ein kräftiges Lebens-Zeichen, zeitaufgeschlossen in bester FURCHE-Tradition.

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