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14/2016 - Sind wir alle Panama? (Rudolf Mitlöhner)
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Ungelesen , 10:17
Sind wir alle Panama?

Die Enthüllungen durch die Panama Papers unterzünden kräftig die Debatte über unser Wirtschaftssystem. Wer dieses retten will, muss für Transparenz eintreten.

| Von Rudolf Mitlöhner

Die Machenschaften, die da sukzessive unter dem Label „Panama Papers“ ans Licht kommen, sind zweifellos verwerflich, Geldwäsche und Steuerhinterziehung sind nicht zu beschönigen. Aber etwas irritiert doch an der Geschichte. Das Ganze sieht stark nach einer großangelegten medialen Inszenierung, einem gewaltigen Hype aus, mit dem sich für einige Zeit jede Menge empörungsgeladene Aufmerksamkeit generieren lässt. Und sie fügt sich natürlich wunderbar in den dominierenden medialen Narrativ vom bösen Kapitalismus ein. Es wird ja kein Zufall sein, dass vorwiegend solche Medien an der Publikation und Aufbereitung der Panama Papers beteiligt sind, die sich ebendiesem Narrativ verpflichtet fühlen – wie die Süddeutsche Zeitung, der Falter oder der ORF. Der triumphalistische Gestus etwa, mit dem ZIB 2-Mann Armin Wolf verkündete, die Causa habe nun „ihr erstes politisches Opfer gefordert (nämlich den isländischen Premier Sigmundur David Gunnlaugsson), war unübersehbar.

Antikapitalistischer Furor

Um nicht missverstanden zu werden: Den Vorwürfen ist nachzugehen, nichts soll kleingeredet oder unter den Teppich gekehrt werden. Das ist gerade im Interesse des „Kapitalismus“ zu fordern. Diffuse Verdächtigungen und pauschale Verurteilungen schüren nur den antikapitalistischen Furor, nützen bloß jenen, welche (wieder einmal) die Neuerfindung des Sozialismus propagieren – wie US-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders, Labour-Chef Jeremy Corbyn oder Chef-Falter Armin Thurnher.
Worauf es ankommt, hat vor längerer Zeit schon einer der publizistischen Wirtschaftsweisen des Landes, Josef Urschitz, in der Presse an einem Beispiel aus dem Sport illustriert: Es mache einen Unterschied, ob ein Fußballspiel nach geordneten Regeln ablaufe oder ob man einem Haufen Leute einen Ball in die Hand drücke und ihnen sage ‚macht damit, was ihr wollt‘. Viele freilich stellen unser Wirtschaftssystem als Letzteres, also als ungeordnete Anarcho-Rauferei, dar – weil ihnen bereits das Fußballspiel als suspekt gilt, schießen doch nicht alle gleich viele Tore und werden solcherart Gewinner und Verlierer produziert. Um also das auf Leistung und Wettbewerb basierende fair play zu diskreditieren, wird ein Zerrbild gezeichnet, von dem es heißt, es entstelle das System zur Kenntlichkeit.
Dagegen hilft nur Entschiedenheit bei der Bekämpfung von Missständen und Auswüchsen. Dort also, wo sich das System tatsächlich zur Unkenntlichkeit verzerrt, pervertiert, muss für Transparenz und Sauberkeit gesorgt werden. Das sagt sich freilich leichter, als es umzusetzen ist. Denn es ist ja nicht so, dass sich „böse“ von „guten“ Finanzgeschäften so fein säuberlich trennen ließen, wie wir uns das wünschen würden, dass „Gier“ und „Streben nach Wohlstand“ klar voneinander abgrenzbar wären, „Spekulation“ und „rational-ökonomisches Verhalten“ nicht ineinanderflössen. Diese Trennlinien existieren wohl nur in der Theorie, nicht im wirklichen Leben.

„Je suis Panama“

Die durch die Terroranschläge Anfang 2015 zu trauriger Berühmtheit gelangte französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo titelt zu den Panama Papers mit „Je suis Panama“ („Ich bin Panama“). In Anspielung auf die damalige globale Solidarisierung mit der Zeitschrift unter dem Slogan „Je suis Charlie“ werden nun die durch die Panama-Enthüllungen im Zwielicht Stehenden karikiert: Sie protestieren empört gegen die Enthüllungen und wollen sich ihren Lebensstil nicht ändern lassen, suggeriert Charlie – wie seinerzeit viele Menschen bekundeten, sich vom Terror nicht in die Knie zwingen lassen zu wollen. Wohl unfreiwillig stellt Charlie damit aber eine andere Assoziation zum Terror her: So wie bei der Bekämpfung des Terrorismus muss auch bei jener von Steuer- und Geldwäschedelikten mit Augenmaß vorgegangen, darf das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden. Eine absolute „Sicherheit“ gibt es hier wie da nicht – es sei denn um den Preis dessen, was unsere westlichen Gesellschaften ausmacht.

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