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21/2017 - Islam zwischen Gegenwart und Romantik
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Ungelesen , 08:41
Islam zwischen Gegenwart und Romantik

Zwei aktuelle Ausstellungen nehmen die Muslime und ihre Religion in den Blick: Der Schau „Islam“ auf der Schallaburg ist es um eine wertschätzende Sicht auf das muslimische Heute zu tun. Auf Schloss Halbturn ist die romantische Verklärung des Orientalismus Thema.

| Von Otto Friedrich

Den Islam nicht aus der Perspektive der Bedrohung und der Religionskritik zu präsentieren, sondern als lebensweltliche Realität auch in Österreich ist das Anliegen der diesjährigen Ausstellung auf der Schallaburg. Ein durchaus löbliches und aufwändiges Unterfangen, das der aktuellen politischen Korrektheit durchaus entgegensteht: Denn zurzeit gehört Islam-Verdammung zum guten politischen Ton, und die niederösterreichische FPÖ ereiferte sich folgerichtig dieser Tage, dass sich die Ausstellung viel zu wenig mit dem gewaltbereiten Islam oder dem Frauenbild dieser Religion befasse.
Diese Kritik ist ungerecht, weil natürlich die genannten Konfliktfelder thematisiert werden, der gewollte und sympathische Zugang der Ausstellungsmacher verweigert sich aber einer Hermeneutik des Verdachts, das heißt, dem Islam und den Muslimen wird nicht die Hauptschuld an den politischen und gesellschaftlichen Krisen zugesprochen. Sondern die Schau versucht, Lebenswelten und Glauben der Muslime erfahrbar zu machen.
In acht Stationen wird der Versuch unternommen, Begegnungsräume von heute zu entwickeln – zu Schlagworten wie besprochen (Sprache und Kultur der Muslime) oder beseelt (über den muslimischen Glauben und seine Praxis) oder berufen (Muslime in unterschiedlichen Umfeldern wie dem Bundesheer oder in sozialen Berufen). Die Ausstellung ist so vor allem der Gegenwart gewidmet, historische Bezüge und Exponate dienen der Einordnung der aktuellen Lage und Entwicklungen, wobei da auch an den Orientalismus, die Islam-Begeisterung vom 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts erinnert wird: das „Arabische Zimmer“ einer Wiener Wohnung aus 1901 ist eines der Exponate.
Der gleichfalls aufwändig gestaltete und von muslimischen Autor(inn)en mitverfasste Katalog ergänzt die Pädagogik der Ausstellung. Die beiden Kuratorinnen Lisa Noggler-Gürtler und Maria Prantl beschreiben darin die mehrjährigen Vorarbeiten, die intensive Recherchen und Begegnungen mit Muslimen und deren Organisationen in Österreich beinhalteten.

Die lebensweltliche Perspektive

Von diesen Begegnungen spürt der Ausstellungsbesucher allerdings bestenfalls mittelbar etwas. So gut der Ansatz, sich dem Islam von der lebensweltlichen Perspektive her anzunähern, sein mag: Die Schau bietet zwar fundierte Zugänge, bleibt aber letztlich steril. Der Aspekt der Begegnung, der konkreten Nachbarschaft mit Muslimen wird nicht über Exponate oder Schautafeln erreicht. Das ist die Grundproblematik, welche die Islam-Ausstellung nicht auflösen kann.
Dies – und nicht die im Übrigen gar nicht fehlende Auseinandersetzung mit den problematischen Aspekten des Islam – muss als das eigentliche Manko benannt werden. Auch wenn die spannende Ausstellungsarchitektur, die auch Raum zum Durchatmen ermöglicht, und die durchdachte thematische Anordnung bestechen: Der Zugang bleibt letztlich ein kognitiver, und wer diesen sucht, ist mit dem „Islam“ auf der Schallaburg wirklich gut bedient. Die Schwierigkeiten, die Herr und Frau Österreicher mit dieser Religion haben, liegen aber nicht auf der kognitiven Ebene. Um die Herzen oder tiefsitzende Bauchgefühle zu verändern, ist eine Ausstellung vermutlich das falsche Medium.
Auch im nordburgenländischen Schloss Halbturn beschäftigt sich die diesjährige Ausstellung mit dem Islam. „Der Zauber des Alten Orients“ will sich ganz dem Orientalismus widmen, jener romantischen Orient-Sehnsucht, die ja auch auf der Schallaburg thematisiert wurde. Zentrum der Schau ist ein im Wortsinn duftender Basar, auch zahlreiche andere „orientalische“ Exponate wollen morgenländisches Flair verbreiten.
Das eigentliche Thema wird in den Räumen des Barockschlosses mit arg textlastigen Schautafeln (die überdies kaum korrekturgelesen wurden) abgehandelt, sodass sich der Besucher das spannende Panorama des Orientalismus, der auf den großen Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts ebenso präsent war wie in den – imaginierten – Romanen von Karl May, eher mühevoll erarbeiten muss.


Islam
Schallaburg, bis 5. November
Mo–Fr 9–17 Uhr; Sa, So, Fei bis 18 Uhr
www.schallaburg.at

Der Zauber des Alten Orients
Schloss Halbturn, bis 5. November
Di–So, Fei 10–18 Uhr
www.schlosshalbturn.com

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