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Familienpolitik in der Krise
  #1  
Ungelesen , 10:26
gerjag gerjag ist gerade online
 
Registriert seit: 05.10.2007
Beiträge: 11
In der "Meinung" (FURCHE 25/2009) fordert Claus Reitan von der Familienpolitik für eine ganztägige Betreuung von allen Klein-, Kindergarten- und (Volks-)Schulkindern zu sorgen um die "Vereinbarkeit von Familie und Job" für Mütter und Väter zu ermöglichen. Das vor allem mit der Begründung, damit die statistische Anzahl von Kindern pro gebärfähiger Frau steigt.
Für mich widerspricht sich dieser Zugang aus 3 Gründen:
1. Im Zeitalter des Arbeitsplatzmangels und der damit verbundenen Steigerung von Arbeitslosen Frauen/Müttern und Männern/Vätern können diese doch ihre Kinder (billiger für die Familie und den Staat) selbst betreuen.
2. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wird wohl jede Familie gründlich darüber nachdenken, wie viele Kinder sie sich leisten kann.
3. "Die Familie, nicht der Staat, ist die primär, die vorrangige Einrichtung, in der Kinder geprägt und erzogen werden." (O-Ton Claus Reitan in dem selben Artikel)
Sollte Familienpolitik nicht viel mehr selektiver und spezifischer auf die Bedürfnisse der Familien eingehen? - Wo eine Betreuung außer Haus notwendig ist, auch die (finanziellen, räumlichen und personellen) Voraussetzungen dafür schaffen. Familien aber, die ihre Kinder selbst betreuen wollen auch entsprechend finanziell zu unterstützen. Wieso soll z.B. eine Oma für die Betreuung ihres Enkerls Geld erhalten, die Eltern für ihr Kind aber nicht? Warum werden Kinderbetreuungszeiten nicht vollständig bei der Pensionsberechnung berücksichtigt?
Das durch Jahrzehnte hindurch "Einhämmern", dass nur der etwas gilt, der einer bezahlten Tätigkeit nachgeht und das "Heruntermachen" unbezahlter sozialer Arbeit rächt sich in Zeiten der Krise und wohl darüber hinaus.
  #2  
Ungelesen , 20:19
traeri traeri ist gerade online
 
Registriert seit: 22.10.2008
Beiträge: 4
Sie treffen mit Ihrem Kommentar zum genannten Artikel voll ins Schwarze. Auch mir ist es absolut unverständlich, warum Frauen bzw. Familien, die ihre Kinder selber erziehen wollen, nicht entsprechend finanziell unterstützt werden, bzw. die Kinderziehungszeit nicht angerechnet wird. Ich war 10 Jahre lang "nur" Hausfrau und Mutter, und ich bereue keinen Tag, den ich bei meinen Kindern daheim war. Gott sei Dank konnten wir uns das finanziell leisten. Über die vielen abwertenden Kommentare, die ich mir in dieser Zeit als "Nur-Hausfrau" anhören musste, habe ich mich oft geärgert. Ich finde es wirklich schlimm, dass die Arbeit der Mütter, die bei ihren Kindern bleiben nicht gewürdigt wird - weder von der Gesellschaft noch von der Politik. Da läuft einiges falsch in unserem Land!
  #3  
Ungelesen , 22:36
Musikant Musikant ist offline
 
Registriert seit: 18.04.2009
Beiträge: 43
Als Mutter sich ausschließlich der Erziehung der eigenen Kinder widmen zu können, war immer das Privileg einer kleinen reichen Oberschicht. Hier geht es für den Staat schlicht um Wirtschaftlichkeit. 12 – 15 Kinder kommen mit einer Bezugsperson aus, eine Mutter betreut durchschnittlich 2. In den bäuerlichen Großfamilien früherer Zeiten hielt man sich Kindsdirnen (12-jährige Mädchen) zur Betreuung der zahlreichen Kinder, weil man auf die Arbeitskraft etwa einer 30-35jährigen Frau in Stall und Feld nicht verzichten konnte. Was heutige Lösungen unbefriedigend macht, ist die soziale Segmentierung, die Kinder dabei verkraften müssen. Kinder möchten alle für sie wichtigen Personen beisammen wissen. Man löst die Probleme daher nicht mit hohen finanziellen Transfers an einzelne Kleinstfamilien, sondern mit dem Aufbau neuer sozialer Strukturen, von denen überhaupt in vieler Hinsicht die Zukunft unserer Gesellschaft abhängen wird!
Elisabeth Ertl
  #4  
Ungelesen , 09:22
gerjag gerjag ist gerade online
 
Registriert seit: 05.10.2007
Beiträge: 11
Aufbau neuer sozialer Strukturen

An Frau Ertl:
Wie sollen diese "neuen sozialen Strukturen" aussehen? Was verstehen Sie darunter?
Gerhard Jagenbrein
  #5  
Ungelesen , 20:04
traeri traeri ist gerade online
 
Registriert seit: 22.10.2008
Beiträge: 4
Familienpolitik

An Frau Ertl:
Ich gehöre nicht zur kleinen Gruppe der reichen Oberschicht! Welche Strukturen meinen Sie? Denn ich persönlich glaube, dass es sehr wohl eine finanzielle Frage ist, ob eine Familie für eine bestimmte Zeit auf das Einkommen der Frau verzichten kann.
Erika Trabauer
  #6  
Ungelesen , 22:13
Musikant Musikant ist offline
 
Registriert seit: 18.04.2009
Beiträge: 43
Es geht da vor allem um Nachbarschaftshilfe. Natürlich erzeugt eine intensivierte Zusammenarbeit da oft Konflikte. In Skandinavien ist deshalb Mediation bereits institutionalisiert. Initiativen für mehr Solidarität gibt es viele, auch in Österreich, unter anderem die Pfingstvision Weiz (www.pfingstvision.at).
Elisabeth Ertl
  #7  
Ungelesen , 16:45
nicole124 nicole124 ist offline
 
Registriert seit: 06.08.2009
Beiträge: 3
Meiner Meinung nach ...

Ich habe mich schon gefragt, wann jemand wieder auf die Idee kommt, die Mütter wieder heim an den Herd zu schicken, ich musste nicht lange warten, jetzt ist es soweit !

Natürlich nur unter dem Deckmantel der Krise, es gibt sowieso immer weniger Arbeitsplätze, also husch husch, heim an den Herd und ins Kinderzimmer !

Die Jahre, die man vorher, auch finanziell in die Ausbildung investiert hat, sind doch eh überflüssig, sunk costs eben, und überhaupt, die Frauen verdienen doch eh weniger und werden diskrimiert und sexuell belästigt, also besser sie bleiben zuhause und richten jeden Abend schön das Abendessen her und holen die Zeitung und die Pantoffel für den Mann und die Welt ist wieder heil !

Nur blöd, wenn da eben kein Mann ist, der einen ernährt und die Kinder auch nicht, was werden die Mütter und die Kinder denn essen, wo werden sie wohnen etc. ?

Wenn sich die Frauen jetzt wieder vom Arbeitsmarkt hinausdrängen lassen, sind sie nicht mehr zu retten und brauchen dann nicht zu schreien, wenn sie keine Pension bekommen und nicht wissen, wies weiter geht !

mfg C.
  #8  
Ungelesen , 23:45
Katharina Katharina ist gerade online
 
Registriert seit: 31.07.2009
Beiträge: 6
Familienpolitik in der Krise

Eine Studie des ÖIF unter DI Dr. Helmuth Schattovits aus dem Jahr 1995 ist Berechnungsgrundlage für die Kosten der öffentlichen Kinderbetreuung. 1995 lagen die Kosten pro Monat und Kind in Krabbelstuben bei 16.900 ATS. Das sind inflationsbereinigt im Jahre 2008: Euro 1.581.

Wenn ich mir diesen Betrag anschaue, sind die Beträge, die die „Österreichische Hausfrauen Union“ für ein Erziehungseinkommen für den Elternteil, der zu Hause Kind/er, Haushalt und Familienbetrieb übernimmt und aus der Alleinverdienerfamilie eine Doppelverdienerfamilie macht, wie sie unserer Zeit entspricht, nicht unrealistisch.

Ihr Vorschlag von "Familie neu" macht die Alleinverdienerfamilie zu einer modernen Doppelverdienerfamilie, in der beide Elternteile ein Einkommen haben, der eine ein außerhäusliches und der andere ein Erziehungseinkommen, abzüglich aller Steuern und mit eigener Kranken- und Pensionsversicherung.
Öffentliche Kinderbetreuungseinrichtungen werden entlastet durch Kinderplätze zu Hause.
http://www.hausfrauenunion.at/fampolitik.htm

Wenn Sie auf dieser homepage den Antwortbrief von Frau Ministerin Heinisch-Hosek von Januar dieses Jahres lesen, hat Frau Heinisch-Hosek natürlich NUR ihren Blickwinkel betrachtet. Es wäre natürlich – um nur einen Punkt herauszuholen - z.B. KEINE Diskriminierung von Eltern, die trotz Kinder einer Erwerbstätigkeit nachgehen wollen oder müssen, denn sie müssten ja nicht, dürften aber, denn niemand würde zu diesem Modell gezwungen. Eltern könnten wählen. Genauso wie sie wählen könnten, welcher Elternteil welche Aufgabe übernimmt. Natürlich sollten trotzdem Kinder einen Halbtagskindergarten ab 3 Jahren besuchen, da das u.a. soziales Verhalten und Sprachkenntnisse fördert.
........
Welche Folgen Berufstätigkeit beider Elternteile haben können, verdeutlicht ein Brief von Anna Wahlgren aus Schweden, die in Skandinavien als Kinderexpertin Nummer Eins gilt, der vom Familiennetzwerk in Deutschland Anfang 2007 veröffentlicht wurde:

Liebe Mütter in Deutschland,

Schweden ist das große Vorbild für Sie in Deutschland, wo es um Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, um höhere Geburtenzahlen und um sogenannte frühkindliche „Bildung“ in staatlichen Kinderkrippen. So höre und lese ich bei meinen zahlreichen Kontakten nach Deutschland. Deutsche PolitikerInnen, JournalistInnen WissenschaftlerInnen werden nicht müde, das schwedisch-skandinavische Familienmodell zur Nachahmung anzupreisen. Deshalb wende ich mich heute an Sie mit einer dringenden Warnung:

Schweden ist kein kinderfreundliches Land! Der schwedische Wohlfahrtsstaat taugt nicht als Modell für Familienfreundlichkeit, denn Kinder und alte Menschen werden beiseite geschoben und es geht Ihnen schlecht dabei. Kleine Kinder, ganztags fremdbetreut, lachen wenig, sie spielen nicht frei, phantasievoll und unbekümmert.

Unsere Kindertagesstätten entpuppen sich nach 25jähriger Erfahrung als das größte soziale und wirtschaftliche Desaster. In den Schulen herrscht Gewalt, Eltern und Lehrer werden bedroht, jedes dritte schwedische Kind leidet an einer psychologischen Störung. Depressionen, Alkohol- und Drogenprobleme unter Jugendlichen nehmen in beängstigender Weise zu. Jedes Jahr begehen 100 Kinder Selbstmord.

Wie konnte es dazu kommen?

Zuerst wurde der Ruf der Nur-Hausfrauen in den Schmutz gezogen, um ihnen dann ihre Rechte zu entziehen. Dann wurde der durchschnittlichen Familie mit nur einem Einkommen die Existenzmöglichkeit genommen durch Änderungen in der Besteuerung. Massive Propaganda für ein frühes Weggeben der Kinder in Tagesstätten hat bewirkt, daß junge Eltern häufig einen totalen Mangel an Selbstvertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten als Eltern haben. In den Gesetzesbüchern ist das Wort Familie durch das Wort Haushalte ersetzt worden. Enorme Beträge werden in das System der Kindertagesstätten investiert. Doch diejenigen, die ihre Kinder selbst aufziehen wollen, erhalten nichts.

In Deutschland beobachte ich in letzter Zeit auffallend ähnliche Tendenzen.

Unsere Kinder in Schweden verlieren ihr Zuhause und ihre Familien viel zu früh. Deshalb appelliere ich an Euch deutsche Mütter:

Rettet Euren Kindern wenigstens die ersten drei Jahre! Gebt Eure unter Dreijährigen nicht ohne Not in institutionelle Betreuung! Keine fremde Person ist in der Lage, Eurem Kind die Liebe und Aufmerksamkeit entgegen zu bringen, die der liebenden Verbindung zwischen Euch und Eurem Kind entspricht.

Kinder wollen den Alltag mit uns teilen, nicht nur besondere Augenblicke an zwei kurzen Stunden nach Feierabend. Erreichbar und präsent wollen sie ihre Mütter haben. Die Mutter ist Grundnahrungsmittel für ihr kleines Kind.

Ihre Anna Wahlgren

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  01:45:09 07.17.2005