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36/2009 - Dissens in Lebens-Fragen (Rudolf Mitlöhner)
  #1  
Ungelesen , 14:26
I Dissens in Lebens-Fragen

Das für diesen Donnerstag geplante Fest zum 30-jährigen Bestehen einer Wiener Abtreibungsklinik hat die Illusion eines Konsenses hinsichtlich Fragen des Lebensschutzes empfindlich gestört. Nicht unbedingt ein Schaden.

Von Rudolf Mitlöhner

Da klafft sie wieder auf, die „offene Wunde“ (Kardinal König) der Fristenregelung. Es gebe „offenbar keinen Konsens im Hinblick auf den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis an“, hat Kardinal Christoph Schönborn in einem Brief an den Wiener Bürgermeister Michael Häupl geschrieben, worin er seiner Sorge über eine für diesen Donnerstag geplante Feier im Rathaus anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Abtreibungsklinik am Wiener Fleischmarkt Ausdruck verlieh.
Indes, hat irgendjemand angenommen, dass ein solcher Konsens existiere? Auch Schönborn selbst weiß wohl, dass die geltende gesetzliche Regelung nur notdürftig die weltanschaulichen Bruchlinien in dieser Frage überdeckt. Das ist nichts Böses, man könnte sogar sagen: Eben dazu sind gesetzliche Regelungen da. Aber es zeigen sich eben auch, zumal in Fragen, die den Kern des Menschseins berühren, immer wieder die Grenzen des gesetzten Rechts.

Mit dem Holzhammer

Bei der Fristenregelung lässt sich das daran festmachen, dass zwischen den Buchstaben des Gesetzes und der landläufigen Interpretation derselben ein gewaltiger Graben liegt: Dass Abtreibung bis zum dritten Monat straffrei gestellt, aber keineswegs erlaubt wurde, mithin also von Gesetzes wegen Unrecht ist, will kaum jemand noch wissen. Die Reaktionen auf Schönborns publik gemachten Brief und auf die nachfolgende Verlegung der Feier in den Rathauskeller sprechen eine klare Sprache. Von einem „Kniefall vor Abtreibungsgegnern und Kirchenvertretern“ (Grünen-Stadträtin Monika Vana) war da die Rede, „unfassbar“ sei es, „dass die Katholische Kirche in der heutigen Zeit versucht, Veranstaltungen zu verbieten“ (SP-Frauenchefin Andrea Mautz). Am unmissverständlichsten und entlarvendsten aber äußerte sich Grünen-Frauensprecherin Judith Schwentner: „Das ist ein Grund zum Feiern“, sagte sie lapidar zu dieser Causa. Als besondere Pikanterie darf man schließlich werten, dass Schwentner, die sich hier der Sprache der Bierwerbung („Des müss’ ma feiern“) bedient, Schönborn mangelndes Fingerspitzengefühl attestiert: „Mit dem verbalen Holzhammer auf eine derart sensible Materie einzuhauen, wie manche Kirchenvertreter dies medial tun, ist nur kontraproduktiv.“
Nein, es gibt keinen Konsens hinsichtlich des Lebensschutzes. Die jüngste Debatte hat wieder deutlich gezeigt: Was den einen als im Hinblick auf Not- und Extremfälle tolerierbare Regelung gilt, halten die anderen – wohl die überwältigende Mehrheit – schlicht für eine Lösung, mit der ein Anspruch endlich gesetzlich geschützt wurde (gar nicht zu reden von jener kleinen, aber lautstarken Minderheit, die wieder zur Strafverfolgung zurück möchte und, leider auch mit Unterstützung mancher Kirchenvertreter, alle anderen Bemühungen im Rahmen der bestehenden Gesetzeslage um Vermeidung von Schwangerschaftsabbrüchen permanent zu diskreditieren trachtet).

Keine falsche Harmonie

Sich des Dissenses in grundsätzlichen Fragen bewusst zu werden, kann indes durchaus hilfreich sein. Es ermutigt vielleicht dazu, die eigene Position zu vertiefen und engagiert im öffentlichen Diskurs dafür zu werben, während man sich ansonsten gerne vom wohligen Gefühl allgemeiner Harmonie einlullen lässt.
Deswegen muss man noch lange keinen Kulturkampf vom Zaun brechen – aber es gilt, mit Nachdruck und Insistenz, ein paar Fragen zu stellen, wie dies etwa die Ärztin Hildegunde Piza dieser Tage in der Presse getan hat: von den psychischen Spätfolgen bei Abtreibungen über den generellen Stellenwert von Kindern in unserer Gesellschaft beziehungsweise deren Kinderkompatibilität bis hin zu einer „Infantilisierung“ einer Gesellschaft, der „die Kinder fehlen“ (Piza).
Und man sollte sich dabei vom notorisch wütenden Aufschrei, der lautstark artikulierten Empörung, die solchen Fragen auf dem Fuß folgt, nicht entmutigen lassen. Die Gegenseite ist – siehe oben – alles andere denn zimperlich.
  #2  
Ungelesen , 19:15
Hubert Herzog Hubert Herzog ist offline
 
Registriert seit: 25.08.2009
Beiträge: 2
Ein Grund (nicht) zu feiern!

Was in dieser Sache besonders betroffen macht, ist das Verhalten der Politikerinnen und Politiker, die sich in Schwarz-Weiß-Stellungnahmen ergehen, aber bislang keinen einzigen konstruktiven Vorschlag veröffentlicht haben.
Wann endlich werden von der Politik auf Bundesebene die schon in den Siebziger Jahren zugesagten flankierenden Maßnahmen verwirklicht? Oder sind ihr die jährlich zigtausenden nicht geborenen Kinder wirklich nur die wenigen tausend Euro Unterstützung von Beratungsstellen wert? Warum verweigert man nach wie vor eine umfassende wissenschaftliche Begleitung und Bearbeitung vieler offener Fragen? Will man einfach nicht wissen, welche Gründe Frauen zur Abtreibung bewegen oder was man tun könnte um sie bei einer Entscheidung für das Kind besser unterstützen zu können?
Es bleibt beschämend, dass Hilfe für die Frauen - ganz gleich ob sie sich für oder gegen ihr Kind entscheiden - praktisch ausschließlich die Sache privater Initiativen bleibt.
  #3  
Ungelesen , 21:02
walter g heimerl walter g heimerl ist gerade online
 
Registriert seit: 10.07.2009
Beiträge: 4
Dissens in Lebensfragen

Die vollkommene Zustimmung von meiner Seite. Mich freut besonders: Die FURCHE erhebt auch dort die Stimme, wo sie in direkte Konfrontation mit der linksliberal-grünen Seite geraten muss. Etliche Teilorganisationen der KA sowie die Caritas machen mir den Eindruck, dass gerade beim Abtreibungsthema die Kritikfähigkeit abhanden kommt.
Erhaltung der Schöpfung (für Atheisten zu wenig „evolutionär“, © Eva Glawischnig), humanitäres Bleiberecht, Mindestsicherung: alles große Themen. Aber gerade dort nicht, wo es die Allerwehrlosesten, die Allerschwächsten trifft. Ohne Wahlrecht, ohne Demonstrationsmöglichkeit und OHNE GESICHT. Omofuma hat es, Arigona ebenfalls. Jedes Robbenbaby hat eines. Aber ein Ultraschall-Bild zu zeigen, ist „Psychoterror“, der Ruf nach der Polzei wird laut.
Und Österreichs „Doyenne abortive“, der jahrelang die Gesetze der Republik Österreich wurscht waren, fordert: „Kirche raus aus der Schwangerenberatung“.
Und Psychiater, die 35 Jahre lang profitreich das Postabort-Syndrom den Frauen austreiben wollten, machen sich flächendeckend auf, den schwarzen Peter der „Kirche“ zuzuspielen, die den derzeitigen Konflikt „vom Zaun gebrochen hat“. Wir wissen: „Gewissen ist eine katholische Erfindung.“ (Bei den National-Sozialisten hatte das Gewissen jüdische Erfinder.)
Außerdem wissen wir: Der Fötus ist nur ein bedeutungsloser Zellklumpen. Die Erde ist eine Scheibe. Und Ultraschall? Schon erfunden?
Mutterkreuz? Nazi-Ideologie? Diese Keule wirkt bei mir nicht. Wer von den Massen-Zwangsabtreibungen an zwangsarbeitenden „Ost-Untermenschinnen“ weiß, wird mir mit dem Nazi-Schmäh nicht kommen. Und wer nix weiß, soll still sein.
Jawohl, Kinderrechte auch während der ersten neun Lebensmonate! Die „Kinderfreunde“ und Menschenfreunde werden mir hoffentlich zustimmen.
Walter G. Heimerl

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