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Bildung

"Den Kindern ein Stück Heimat sein"

1945 1960 1980 2000 2020

Die Neue Mittelschule der Franziskanerinnen Wels zeigt beispielhaft, worum es Österreichs Ordensschulen heute geht: um ganzheitliche Bildung, die jungen Menschen Orientierung gibt -und um nachhaltiges Erfahrungslernen, das sie berührt.

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Die Neue Mittelschule der Franziskanerinnen Wels zeigt beispielhaft, worum es Österreichs Ordensschulen heute geht: um ganzheitliche Bildung, die jungen Menschen Orientierung gibt -und um nachhaltiges Erfahrungslernen, das sie berührt.

Eigentlich wäre gerade Unterricht, doch statt in der Klasse zu sitzen, ist Noah auf einer Baustelle aktiv. Gemeinsam mit einer Schar aufgekratzter Kindergartenkinder inspiziert er die herumliegenden Bretter im Garten. Was könnte man daraus nicht alles konstruieren? Einen Verschlag? Eine Hütte? Oder gar ein Baumhaus? Die Kleinen sind jedenfalls für alles bereit -und perfekt gerüstet: Auf ihren Köpfen thronen grellgelbe Bauhelme, schließlich dürfen sie in der "Motopädagogischen Werkstätte" des Kindergartens der Franziskanerinnen Wels auch mit Werkzeug hantieren. Aber auch dem 14-jährigen Noah traut man hier allerhand zu: Er soll den Kids mit Rat und Tat zur Seite stehen - und durch diese neue, pädagogische Erfahrung für sein eigenes Leben lernen.

Begegnung als Schatz

"Zeit schenken" nennt sich das Projekt, mit dem die Neue Mittelschule (NMS) der Franziskanerinnen den Jugendlichen Räume für Begegnung und Erfahrung öffnen will. Manche der Schülerinnen und Schüler haben den "Zeitschenktag" Anfang Juni in einem Pflegeheim verbracht, andere sind Menschen mit Beeinträchtigungen begegnet, wieder andere sind nur über den Campus in den benachbarten Kindergarten marschiert, um wie Noah mit den Kleinsten Hütten zu bauen -oder sie wie Annika beim Behauen von Steinen anzuleiten.

Entstanden ist das Projekt nach einer Umfrage, bei der die Jugendlichen selbst festgestellt haben, dass fehlende gemeinsame Zeit heute das größte Manko sei: Zeit, um zu spielen, um hinauszugehen, um füreinander da zu sein. Schließlich wurden konkrete Aktionen entwickelt, die beide Seiten bereichern sollten -die Schüler wie auch jene, denen sie begegnen.

Nicht nur in Wels -in allen 27 Schulen, die derzeit von der Vereinigung der Ordensschulen Österreichs geführt werden (siehe unten), will man das Lernen anhand sinnlicher und sozialer Erlebnisse forcieren. Das Motto lautet: "#ErfahrungBildet"."Wir alle haben in der Schule die Erfahrung gemacht, wie es ist, nur für Tests zu lernen - und danach das Gelernte wieder zu vergessen", betont Doris Neuhofer, die Leiterin der NMS der Franziskanerinnen Wels. "Wenn wir aber Erfahrungsräume schaffen, in denen Kinder von dem berührt sind, was sie tun, dann können wir sicherstellen, dass das Gelernte wesentlich länger gespeichert und in ähnlichen Situationen auch besser abgerufen werden kann."

Beim Welser "Zeitschenktag" ist es die Erfahrung des Erklärens und Anleitens, die sich Noah einprägen wird; und beim "Zeitzeugenprojekt" sind es die Erzählungen eingeladener Großeltern, die den Jugendlichen in Erinnerung bleiben. Dazu kommen noch regelmäßige Projekttage und Exkursionen, um sich vom Leben "draußen" berühren zu lassen. All das soll Heranwachsenden dabei helfen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln: Wer bin ich eigentlich? Wo möchte ich hin? Und vor allem: Was ist wichtig im Leben?"Wir brauchen heute nicht nur Wissensvermittlung, sondern die Schulen sind mehr und mehr gefordert, Kindern auch ein Stück weit Heimat zu sein", erklärt die Direktorin. "Viele brauchen einen Ordnungsrahmen -und wir als Ordensschulen versuchen, diese Orientierung zu geben."

Das Erleben von Spiritualität gehöre hier wesentlich dazu, betont die Schulleiterin -und sie erschöpfe sich nicht in äußeren Zeichen wie dem Morgengebet, gemeinsamen Gottesdiensten oder dem Feiern der Feste im Jahreskreis, sondern zeige sich auch in jenem besonderen "Geist des Miteinanders", der die Schule präge: "Die Kinder und Jugendlichen sagen oft nur: Es fühlt sich anders an - und dieses anders Anfühlen ist eben das große Plus einer Ordensschule, einer konfessionellen Gemeinschaft", meint Neuhofer.

Viele Kinder und Jugendliche brauchen heute einen Ordnungsrahmen -und wir als Ordensschulen versuchen, diese Orientierung zu geben. (Direktorin Doris Neuhofer)

Spiritualität erleben

289 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit die NMS der Franziskanerinnen Wels -die meisten davon sind katholisch, aber auch zahlreiche muslimische Kinder, Schüler aus Indien, die der Glaubensgemeinschaft der Sikhs angehören, sowie Kinder ohne Bekenntnis finden sich hier. "Schule soll für all diese Kinder ein Erfahrungsraum werden, in dem sie Spiritualität und einen guten Geist erleben können -unabhängig davon, was auf einem Zettel steht", wünscht sich die Direktorin. Um auch sozial schwächeren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, können Eltern beim Förderverein der Franziskanerinnen ("Sprungbrett Bildung") um Befreiung vom Schulgeld ansuchen.

Doch wie lässt sich das besondere Charisma einer Ordensschule weiterleben, wenn es kaum mehr Ordensleute gibt? Schließlich ist an der NMS der Franziskanerinnen Wels -wie in den meisten Bildungseinrichtungen, die von Frauenorden gegründet wurden - keine Ordensfrau mehr pädagogisch tätig (s. u.)."Diese Entwicklung ist natürlich eine Herausforderung", weiß Doris Neuhofer. Umso wichtiger seien Fortbildungen und Pastoraltage für alle Mitarbeitenden, um dem "Spirit" des Gründungsordens näherzukommen. "Die Franziskanerinnen haben uns die Verantwortung übertragen, das Charisma des Ordens weiterzugeben", sagt Neuhofer. "Und wir bemühen uns, diesen Geist lebendig zu halten."

DIESE SEITE ENTSTAND IN KOOPERATION MIT DEN ORDENS-GEMEINSCHAFTEN ÖSTERREICHS. DIE REDAKTIONELLE VERANT-WORTUNG LIEGT BEI DER FURCHE.

Eigentlich wäre gerade Unterricht, doch statt in der Klasse zu sitzen, ist Noah auf einer Baustelle aktiv. Gemeinsam mit einer Schar aufgekratzter Kindergartenkinder inspiziert er die herumliegenden Bretter im Garten. Was könnte man daraus nicht alles konstruieren? Einen Verschlag? Eine Hütte? Oder gar ein Baumhaus? Die Kleinen sind jedenfalls für alles bereit -und perfekt gerüstet: Auf ihren Köpfen thronen grellgelbe Bauhelme, schließlich dürfen sie in der "Motopädagogischen Werkstätte" des Kindergartens der Franziskanerinnen Wels auch mit Werkzeug hantieren. Aber auch dem 14-jährigen Noah traut man hier allerhand zu: Er soll den Kids mit Rat und Tat zur Seite stehen - und durch diese neue, pädagogische Erfahrung für sein eigenes Leben lernen.

Begegnung als Schatz

"Zeit schenken" nennt sich das Projekt, mit dem die Neue Mittelschule (NMS) der Franziskanerinnen den Jugendlichen Räume für Begegnung und Erfahrung öffnen will. Manche der Schülerinnen und Schüler haben den "Zeitschenktag" Anfang Juni in einem Pflegeheim verbracht, andere sind Menschen mit Beeinträchtigungen begegnet, wieder andere sind nur über den Campus in den benachbarten Kindergarten marschiert, um wie Noah mit den Kleinsten Hütten zu bauen -oder sie wie Annika beim Behauen von Steinen anzuleiten.

Entstanden ist das Projekt nach einer Umfrage, bei der die Jugendlichen selbst festgestellt haben, dass fehlende gemeinsame Zeit heute das größte Manko sei: Zeit, um zu spielen, um hinauszugehen, um füreinander da zu sein. Schließlich wurden konkrete Aktionen entwickelt, die beide Seiten bereichern sollten -die Schüler wie auch jene, denen sie begegnen.

Nicht nur in Wels -in allen 27 Schulen, die derzeit von der Vereinigung der Ordensschulen Österreichs geführt werden (siehe unten), will man das Lernen anhand sinnlicher und sozialer Erlebnisse forcieren. Das Motto lautet: "#ErfahrungBildet"."Wir alle haben in der Schule die Erfahrung gemacht, wie es ist, nur für Tests zu lernen - und danach das Gelernte wieder zu vergessen", betont Doris Neuhofer, die Leiterin der NMS der Franziskanerinnen Wels. "Wenn wir aber Erfahrungsräume schaffen, in denen Kinder von dem berührt sind, was sie tun, dann können wir sicherstellen, dass das Gelernte wesentlich länger gespeichert und in ähnlichen Situationen auch besser abgerufen werden kann."

Beim Welser "Zeitschenktag" ist es die Erfahrung des Erklärens und Anleitens, die sich Noah einprägen wird; und beim "Zeitzeugenprojekt" sind es die Erzählungen eingeladener Großeltern, die den Jugendlichen in Erinnerung bleiben. Dazu kommen noch regelmäßige Projekttage und Exkursionen, um sich vom Leben "draußen" berühren zu lassen. All das soll Heranwachsenden dabei helfen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln: Wer bin ich eigentlich? Wo möchte ich hin? Und vor allem: Was ist wichtig im Leben?"Wir brauchen heute nicht nur Wissensvermittlung, sondern die Schulen sind mehr und mehr gefordert, Kindern auch ein Stück weit Heimat zu sein", erklärt die Direktorin. "Viele brauchen einen Ordnungsrahmen -und wir als Ordensschulen versuchen, diese Orientierung zu geben."

Das Erleben von Spiritualität gehöre hier wesentlich dazu, betont die Schulleiterin -und sie erschöpfe sich nicht in äußeren Zeichen wie dem Morgengebet, gemeinsamen Gottesdiensten oder dem Feiern der Feste im Jahreskreis, sondern zeige sich auch in jenem besonderen "Geist des Miteinanders", der die Schule präge: "Die Kinder und Jugendlichen sagen oft nur: Es fühlt sich anders an - und dieses anders Anfühlen ist eben das große Plus einer Ordensschule, einer konfessionellen Gemeinschaft", meint Neuhofer.

Viele Kinder und Jugendliche brauchen heute einen Ordnungsrahmen -und wir als Ordensschulen versuchen, diese Orientierung zu geben. (Direktorin Doris Neuhofer)

Spiritualität erleben

289 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit die NMS der Franziskanerinnen Wels -die meisten davon sind katholisch, aber auch zahlreiche muslimische Kinder, Schüler aus Indien, die der Glaubensgemeinschaft der Sikhs angehören, sowie Kinder ohne Bekenntnis finden sich hier. "Schule soll für all diese Kinder ein Erfahrungsraum werden, in dem sie Spiritualität und einen guten Geist erleben können -unabhängig davon, was auf einem Zettel steht", wünscht sich die Direktorin. Um auch sozial schwächeren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, können Eltern beim Förderverein der Franziskanerinnen ("Sprungbrett Bildung") um Befreiung vom Schulgeld ansuchen.

Doch wie lässt sich das besondere Charisma einer Ordensschule weiterleben, wenn es kaum mehr Ordensleute gibt? Schließlich ist an der NMS der Franziskanerinnen Wels -wie in den meisten Bildungseinrichtungen, die von Frauenorden gegründet wurden - keine Ordensfrau mehr pädagogisch tätig (s. u.)."Diese Entwicklung ist natürlich eine Herausforderung", weiß Doris Neuhofer. Umso wichtiger seien Fortbildungen und Pastoraltage für alle Mitarbeitenden, um dem "Spirit" des Gründungsordens näherzukommen. "Die Franziskanerinnen haben uns die Verantwortung übertragen, das Charisma des Ordens weiterzugeben", sagt Neuhofer. "Und wir bemühen uns, diesen Geist lebendig zu halten."

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